Pollen-Alarm
Allergiker aufgepasst! Jetzt startet die letzte große Pollen-Welle des Jahres
Wer gehofft hat, die schlimmste Zeit für rinnende Nasen, juckende Augen und Atemwegsprobleme sei nach der Gräserblüte endlich überstanden, sollte sich nicht zu früh freuen. Mit Beifuß und Ragweed beginnt jetzt die letzte Phase der diesjährigen Pollensaison – und die kann es besonders für Allergikerinnen und Allergiker in Wien und im Osten Österreichs noch einmal in sich haben.
Das Tückische: Schon vergleichsweise geringe Pollenkonzentrationen können bei empfindlichen Menschen deutliche Symptome auslösen. Zudem hat die Hitze der vergangenen Wochen die Pflanzen zwar im Wachstum gebremst, gleichzeitig könnten ihre Pollen dadurch jedoch allergener sein.
Weniger Pollen, aber stärkere Beschwerden?
Die Trockenheit und Hitze im Frühsommer sorgten dafür, dass sich Beifuß und Ragweed vielerorts schlechter entwickeln konnten. Es gibt daher teilweise weniger und kleinere Pflanzen als in anderen Jahren.
Eine vollständige Entwarnung ist das allerdings nicht. Trockenheitsstress kann dazu führen, dass Pflanzen verstärkt bestimmte Proteine bilden – darunter auch Allergene. Für Betroffene bedeutet das: Selbst bei einem unterdurchschnittlichen Pollenflug könnten die Beschwerden stärker ausfallen als erwartet.
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Beifuß startet jetzt in die Hauptblüte
Die Blütezeit von Beifuß dauert üblicherweise von Juli bis September. Anfang August beginnt die Hauptblüte, ihren Höhepunkt erreicht sie meist rund um Mitte August.
Die Beifußallergie zählt zu den häufigsten Pollenallergien überhaupt. Sie liegt nach Gräsern und Birke bereits auf Platz drei. Die Pflanze ist in ganz Österreich verbreitet und wächst besonders häufig in tieferen Lagen, auf Brachflächen, an Wegrändern oder auf unbebauten Grundstücken.
Im Osten Österreichs sorgen zusätzlich eingeschleppte Beifußarten für Probleme. Der Kamtschatka-Beifuß und der Einjährige Beifuß blühen später als die heimische Art und können die Pollensaison bis weit in den Herbst hinein verlängern.
In den Jahren 2023 und 2024 kam es dadurch sogar zu einer zweiten Beifuß-Welle im Herbst. Ob sich dieses Szenario heuer wiederholt, hängt stark von den Wetterbedingungen in den kommenden Monaten ab.
Ragweed kann bis Oktober Probleme machen
Noch unangenehmer könnte es für Ragweed-Allergiker werden. Die hochallergene Pflanze beginnt im August zu blühen und kann ihre Pollen je nach Wetterlage bis in den Oktober verbreiten.
Ragweed wächst vor allem im Osten und Süden Österreichs. Typische Fundstellen sind Straßenränder, Autobahnen, Baustellen, Felder und andere unbewachsene Flächen. Bereits geringe Mengen der Pollen können heftige allergische Reaktionen auslösen.
Zusätzlich können Ragweedpollen über große Entfernungen transportiert werden. Weht der Wind aus Südosten, können Pollen aus Ländern wie Ungarn, Slowenien oder Kroatien bis nach Österreich gelangen und die Belastung deutlich erhöhen.
Kreuzallergie verschärft die Situation
Besonders belastend ist die Situation für Menschen, die sowohl auf Beifuß als auch auf Ragweed reagieren. Zwischen den beiden Pflanzen bestehen häufig Kreuzreaktionen. Da sich ihre Blütezeiten überschneiden, können die Beschwerden im August besonders intensiv ausfallen.
"Die Blüte von Ragweed beginnt im August im Osten Österreichs, und Betroffene sollten sich vorsichtshalber aufgrund der erhöhten Allergenität gut vorbereiten – auch bei unterdurchschnittlichem Pollenflug", warnt Maximilian Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien.
Westen Österreichs wird zum Zufluchtsort
Während im Osten Österreichs eine belastende Pollenphase bevorsteht, ist die Situation ab Salzburg deutlich entspannter. Ragweed ist dort bislang keine relevante Problempflanze für Allergiker.
Zwar können einzelne Pflanzen etwa durch Vogelfutter oder zugekaufte Erde eingeschleppt werden. Aufgrund der bisher niedrigeren Temperaturen im Herbst können ihre Samen jedoch meist nicht vollständig ausreifen. Die Pflanzen verschwinden daher häufig im darauffolgenden Jahr wieder.
Auch spät blühende Beifußarten kommen in Salzburg deutlich seltener vor. Besonders die Gebirgsregionen können für stark betroffene Allergiker daher vorübergehend zu einem Erholungsgebiet werden.
Durch den Klimawandel könnte sich die Lage allerdings verändern. Werden die warmen Phasen im Herbst länger, könnte sich Ragweed künftig auch im Westen Österreichs dauerhaft etablieren.
Das können Allergiker jetzt tun
Betroffene sollten die tägliche Pollenprognose verfolgen und ihre Aktivitäten möglichst an die Belastung anpassen. An Tagen mit starkem Pollenflug empfiehlt es sich, längere Aufenthalte im Freien zu reduzieren und die Fenster nur zu geeigneten Zeiten zu öffnen.
Nach dem Heimkommen können Haarewaschen, Duschen und das Wechseln der Kleidung helfen, eingeschleppte Pollen aus der Wohnung fernzuhalten. Getragene Kleidung sollte außerdem nicht im Schlafzimmer abgelegt werden.
Wer regelmäßig unter starken Beschwerden leidet, sollte die Behandlung rechtzeitig mit einer Ärztin oder einem Arzt abstimmen und Medikamente nicht erst dann einsetzen, wenn die Symptome bereits besonders ausgeprägt sind.
Denn auch wenn die Pollensaison langsam ihrem Ende entgegengeht: Für Beifuß- und Ragweed-Allergiker beginnen die schwierigsten Wochen möglicherweise gerade erst.