Doch noch Rettung?

Ardo bleibt hart, Bauern geben nicht auf

© Ardo
Die Stimmung ist nach den am Mittwoch gescheiterten Gesprächen frostig: Während Ardo an der Schließung des Werks in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) festhält, sucht die Politik jetzt das Gespräch mit der Eigentümerfamilie.
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Eiskalt abgeblitzt: Ardo hält an der Schließung des Werks in Groß-Enzersdorf fest. Beim Treffen am Mittwoch gab es laut Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr „null Verständnis". Jetzt geht ein Brief an die belgische Eigentümerfamilie.

Zwischen Politik und Unternehmensvertretern gab es bisher zwei Treffen, das jüngste ging am Mittwoch in Szene. Vorgeschlagen wurden Ardo u.a. auch die Möglichkeiten eines Pachtmodells oder der Übernahme der Produktionslinie, skizzierte Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP). Es gehe darum, sich Zeit für die Herstellung einer Ersatzstruktur zu verschaffen, hielt Pernkopf auf APA-Anfrage fest. "Erste Händler steigen schon von Ardo aus, weitere müssen folgen. Österreich lässt sich das nicht gefallen, denn es geht um die Versorgungssicherheit mit heimischem Gemüse."

"Es gibt seit gestern einen Brief an die Eigentümerfamilie und wir hoffen, dass hier noch Gespräche stattfinden können für ein bis zwei Jahre Betreibung des Werkes, damit wir uns hier für die Zukunft des österreichischen Tiefkühlgemüses rüsten können."

Der größte Teil des österreichischen Tiefkühlgemüses, mehr als 80 Prozent, werden laut Mayr im Werk in Groß-Enzersdorf produziert. Auch wenn bereits Alternativen geprüft werden, könne ein Ersatz "nicht in der Schnelle" und nicht in der gesamten Menge gefunden werden.

Mayr will ein bis zwei Jahre Weiterbetrieb erreichen, damit sich die Branche neu aufstellen kann. Es geht um 500 bäuerliche Familienbetriebe und hunderte Jobs.

Ersatz fehlt

Das Werk produziert mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses. Ersatz gibt es nicht über Nacht und nicht in dieser Menge. Das kleinere Unternehmen im Ort prüft zwar, Teil der Lösung zu werden, den Ausfall kann es aber nicht auffangen.

Mayr sagt: Die Krise zeigt, wie verletzlich Österreich ist. Versorgungssicherheit muss die gesamte Lebensmittelkette umfassen. Die Gespräche stehen erst am Anfang.

Gegenüber dem Ö1-Morgenjournal mahnte Mayr: Nächster Gründonnerstag könnte das letzte Mal gewesen sein, dass österreichischer Spinat auf den heimischen Tellern landet.

Hergovich/Zonschits: "Der Kampf um Arbeitsplätze  darf noch nicht verloren sein!"

Rene Zonschits fordert, weiterhin alle Möglichkeiten zur Rettung des Standorts auszuschöpfen: "Wenn es interessierte Investoren und konkrete Unterstützungsangebote gibt, darf ein internationaler Konzern nicht einfach die Tür zuschlagen. Die Schließung wäre nicht nur für die Beschäftigten ein schwerer Schlag, sondern auch für rund 500 bäuerliche Betriebe im Marchfeld, denen wichtige Absatzmöglichkeiten wegbrechen könnten. Für viele steht damit die wirtschaftliche Zukunft auf dem Spiel. Auch die SPÖ-Bauern setzen sich mit großem Engagement für Lösungen und den Erhalt der heimischen Gemüseproduktion ein. Wir müssen deshalb alles daransetzen, die Arbeitsplätze und die Verarbeitung heimischer Lebensmittel in unserer Region zu erhalten. Die Gespräche mit den Eigentümern müssen unbedingt fortgesetzt werden."

Gleichzeitig müsse für die Beschäftigten rasch Sicherheit geschaffen werden. „Ein umfassender Sozialplan ist das Mindeste. Darüber hinaus muss auch die Einrichtung einer Arbeitsstiftung geprüft werden."

Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September angekündigt, den Standort 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen von mehr als 100 Mio. Euro für die Modernisierung seien für einen "relativ kleinen heimischen Markt" zu hoch, wurden die Pläne begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden. Das Unternehmen hat 2025 in Niederösterreich seinen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.

Neos-Collini: "Hoffnung rettet keine Jobs – ein Plan B schon"

"Es hilft niemandem, wenn ÖVP und FPÖ die Eigentümer attackieren, die Verantwortung auf die Bundesregierung abwälzen oder selbst die Hände in den Schoß legen. Die Landesregierung muss jetzt Verantwortung übernehmen und alles daransetzen, Arbeitsplätze, Produktion und Wertschöpfung im Marchfeld zu sichern“, sagt NEOS-Landesparteivorsitzende Indra Collini.