Der Flug verlief ruhig, doch beim Aufsetzen auf die Landebahn gibt es plötzlich einen gewaltigen Schlag. Die Kabine wackelt, das Handgepäck in den Fächern klappert und manch ein Passagier klammert sich panisch an die Armlehnen. Der erste Gedanke in den Reihen? "Das war aber eine miese Landung!" Doch genau das ist ein gefährlicher Irrtum.
Der Mythos der perfekten Landung
Unter den meisten Menschen gelten sanfte Landungen, bei denen man das Aufsetzen kaum spürt, als das Maß aller Dinge. Doch was sich im Passagiersitz gut anfühlt, kann unter bestimmten Umständen ein Sicherheitsrisiko darstellen.In der Luftfahrt wird zwischen einer echten "harten Landung" (einem ungeplant massiven Aufprall, nach dem das Flugzeug auf Schäden untersucht werden muss) und einer bewusst "festen Landung" unterschieden. Letztere wird in vielen Handbüchern der Flugzeughersteller unter bestimmten Wetter- und Bahnbedingungen sogar ausdrücklich vorgeschrieben.
Warum harte Landungen meist keine Fehler sind
Piloten opfern deinen Komfort nicht grundlos. Wenn es rumpelt, hat das meist einen der folgenden vier Gründe:
Regen, Schnee und Matsch
Wenn es stark regnet oder Schnee auf der Landebahn liegt, ist eine weiche Landung gefährlich. Der Pilot muss das Flugzeug absichtlich mit Nachdruck auf den Boden setzen, um die stehende Wasserschicht zu durchbrechen. Nur durch diesen festen Druck bekommen die Reifen sofortigen Kontakt zum Asphalt. Bei einem zu sanften Aufsetzen würde das Flugzeug auf dem Wasser aufschwimmen wie ein Auto beim Aquaplaning, und die Bremsen wären nutzlos.
Seitenwind
Bei böigem Wetter oder starkem Seitenwind muss das Flugzeug so schnell wie möglich aus der Luft geholt werden. Wenn Piloten versuchen, die Maschine ewig über der Piste ausschweben zu lassen, bietet das Flugzeug dem Wind eine riesige Angriffsfläche. Ein fester Stoß nach unten verlagert das Gewicht des Jets schlagartig auf das Fahrwerk. Die Maschine hat sofort stabilen Bodenkontakt und kann nicht mehr von einer plötzlichen Windböe zur Seite gedrückt oder wieder in die Luft gehoben werden.
Kurze Landebahnen und der Bremsweg
Jedes Flugzeug hat eine exakt markierte Aufsetzzone am Anfang der Landebahn, die es treffen muss. Wer hier versucht, einen extrem weichen Touchdown zu erzwingen, gleitet oft noch hunderte Meter über die Piste, bevor die Räder den Boden berühren. Auf kurzen Landebahnen verschenkt man so den wichtigen Bremsweg. Ein schnelles Aufsetzen garantiert, dass der Flieger im sicheren Bereich zum Stehen kommt.
Beim nächsten Mal, wenn du bei der Landung ordentlich in den Sitz gedrückt wirst, solltest du dir das genervte Augenrollen sparen. Lehn dich stattdessen entspannt zurück, denn du weißt: Bei kurzen Landebahnen, verschmutzten Oberflächen, Anflügen bei böigem Wind oder Flughäfen mit betrieblichen Einschränkungen ist die beste Landung nicht immer die schönste. Oftmals ist sie einfach die sicherste.
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