Neuer Trainer, alte Probleme. Die Wiener Austria steckt auch nach dem Wechsel von Stephan Helm zu Max Uhlig tief in der Krise. Beim Debüt des 33-Jährigen setzte es am Dienstag gegen Hartberg das Aus im ÖFB-Cup-Achtelfinale (3:5 im Elfmeterschießen). Vier Pflichtspielniederlagen in Folge, vorletzter Tabellenplatz – und am Sonntag (17 Uhr, live auf Sky und ORF) kommt ausgerechnet Tabellenführer Rapid zum großen Wiener Derby in die Generali-Arena. Die Austria-Fans machten nach dem nächsten Rückschlag bereits klar, was sie erwarten: "Wir wollen den Derbysieg."
Auch interessant
Uhligs erste Erkenntnis: 30 Minuten reichen nicht
Dabei hatte das Debüt des neuen Trainers vielversprechend begonnen. Die Austria spielte gegen Hartberg zunächst mit hoher Intensität, setzte den Gegner unter Druck und ging durch Johannes Eggestein in Führung (26.).
Doch nach einer halben Stunde war von der anfänglichen Entschlossenheit immer weniger zu sehen. Hartberg kam durch Oliver Lukic zum Ausgleich (44.), die Austria fand nicht mehr zu ihrem Spiel zurück. Nach torloser Verlängerung scheiterten die Veilchen im Elfmeterschießen. Valentino Müller vergab gegen Hartberg-Keeper Luka Maric den entscheidenden Versuch.
"Dass wir nicht mehr in die Aktivität gekommen sind, muss man ankreiden", räumte Uhlig ein. Ganz abschreiben wollte er den Auftritt seiner Mannschaft allerdings nicht. "Es war aber nicht alles schlecht."
Seine wichtigste Erkenntnis nach dem ersten Spiel auf der Austria-Bank: "Dass sie es können, hat man gesehen. Jetzt geht es darum, es von 30 auf 90 Minuten auszudehnen."
Eggestein widerspricht der Trainer-Kritik
Ausgerechnet Torschütze Eggestein nahm seinen neuen Coach in Schutz. Von einem ausgebliebenen Trainereffekt wollte der Deutsche nichts wissen.
"Ich würde nicht zustimmen, dass der Trainereffekt ausgeblieben ist", erklärte er. Schon nach zwei Tagen habe Uhlig Veränderungen vorgenommen, die auf dem Platz erkennbar gewesen seien.
"Da hat Max was in der Mannschaft bewegen können. Wir haben sehr dominant mit dem Ball gespielt und uns viele klare Torchancen herausgespielt. Jetzt müssen wir uns dafür belohnen."
Die Ergebnisse sprechen allerdings eine andere Sprache. Nach der vierten Niederlage in Folge bleibt die Austria unter Druck. In der Bundesliga liegen die Veilchen bereits 20 Punkte hinter Rapid.
Uhlig spricht Klartext über Rapid
Die Ausgangslage vor dem Derby könnte für die Austria kaum unangenehmer sein. Rapid führt die Tabelle an, hat neun der ersten zehn Ligaspiele gewonnen und zuletzt sieben Pflichtspielsiege hintereinander gefeiert.
Uhlig macht sich über die Favoritenrolle des Erzrivalen keine Illusionen. "Wenn man es am Papier analysiert, spricht nicht so viel für die Austria", räumte er ein.
Doch der 33-Jährige will sich nicht hinter Tabellen und Statistiken verstecken. "In dieser Situation bringt es aber nicht so viel, über Tabellenkonstellationen oder Favoritenrollen zu sprechen. Wir wissen, dass das Derby immer ganz eigene Gesetze hat."
Auch Eggestein setzt auf die Wirkung eines Erfolgs gegen Rapid. "Das Derby ist eine gute Möglichkeit, das Ruder rumzureißen und die Stimmung in eine andere Richtung zu bringen", erklärte der Stürmer.
Ranftl soll gegen Rapid zurückkehren
Zumindest personell könnte Uhlig vor dem Derby eine wichtige Option zurückbekommen. Reinhold Ranftl hatte das Cupspiel angeschlagen verpasst. Der Rechtsverteidiger soll am Sonntag wieder zur Verfügung stehen.
"Wir haben das so entschieden, damit er am Sonntag fix ein Thema ist. Ich rechne stark damit, dass er zurückkommt", erklärte Uhlig.
Der Austria-Trainer hatte gegen Hartberg bereits auf eine Viererkette umgestellt. Mit Ranftl könnte er diese Variante auch gegen Rapid fortsetzen.