Wildtierunfälle

Bambi will leben!

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Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter, sondern auch ein stilles Sterben an Österreichs Straßenrändern. Mit den kürzeren Tagen fällt die Dämmerung wieder in die Morgen- und Abendstunden des Berufsverkehrs - genau dann, wenn Rehe, Hirsche und Wildschweine durch die Wälder ziehen, ahnungslos, dass ihr letzter Weg oft eine Landstraße ist.
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Die ÖAMTC Fahrtechnik ruft zur Vorsicht auf, doch die nackten Zahlen erzählen bereits eine traurige Geschichte: 283 Wildunfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr in Österreich, 322 Menschen wurden dabei verletzt.

Niederösterreich trägt mit 85 Unfällen die traurige Spitzenposition, gefolgt von Oberösterreich mit 69, der Steiermark mit 54, Kärnten mit 32, dem Burgenland mit 19, Tirol mit 10, Salzburg mit 9, Vorarlberg mit 4 und Wien mit 1 Fall.

Der Reflex, der Leben kostet

Wie viele dieser Tragödien beginnen mit einem einzigen, verzweifelten Moment - dem Aufblitzen zweier Augen im Scheinwerferlicht, gefolgt vom Instinkt, auszuweichen. Doch genau dieser Reflex wird oft zum eigentlichen Verhängnis. „Die erste Reaktion ist oft, dem Tier auszuweichen. Das kann jedoch auf Straßen mit Gegenverkehr oder Hindernissen am Fahrbahnrand lebensgefährlich werden", erklärt Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik, mit spürbarem Ernst.

Reicht der Bremsweg nicht mehr aus, bleibt oft nur die bittere Wahrheit: Lenkrad festhalten, bremsen, die Spur halten - auch wenn das bedeutet, dass ein Tierleben nicht mehr zu retten ist. Wildwechsel-Warnschilder mahnen zur Langsamkeit, größerer Abstand und wachsame Blicke auf beide Straßenseiten können Leben retten - das eines Tieres, das eines Menschen.

Nach dem Aufprall: Stille, Schock, Verantwortung

Ist der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, bleibt nur, innezuhalten inmitten des Schreckens: Fahrzeug absichern, Warnblinker, Warnweste, Pannendreieck. Verletzte versorgen, Polizei oder Jagdaufseher verständigen - selbst wenn das verletzte Tier humpelnd im Dunkel der Nacht verschwindet und sein Leiden dort endet, wo kein Mensch mehr helfen kann.

„Verletzte oder getötete Wildtiere dürfen keinesfalls angefasst oder mitgenommen werden", mahnt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer - ein Hinweis, der die Endgültigkeit dieser Momente nur unterstreicht.

Bei größeren Tieren wie Rehen oder Hirschen gilt eine Notbremsung als gerechtfertigt, bei kleineren Geschöpfen wie Hasen oder Igeln trägt der Bremsende womöglich eine Mitschuld an einem Auffahrunfall - ein Dilemma zwischen Menschenleben und Tierleben, das der Herbst Jahr für Jahr aufs Neue stellt.