Attacke Wasserpark

Bandenkrieg: Opfer können sich plötzlich nicht erinnern

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Zwei Opfer bei einer Gegenüberstellung im Gerichtssaal von den zehn Angeklagten keinen als Täter identifizieren.
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Rund 30 Syrer waren mit Waffen auf vier Kontrahenten losgegangen - Betroffene im Zeugenstand mit Erinnerungsschwund

Wien. Am Landesgericht ist am Dienstag der Prozess um einen brutalen Gruppenangriff im Wasserpark in Floridsdorf fortgesetzt worden. Rund 30 Syrer waren am 19. November 2025 mit Stöcken, Schlagringen, einer Schreckschusspistole, Pfefferspray und Messern auf vier junge Männer losgegangen. Drei Opfer wurden zum Teil schwer verletzt. Die Betroffenen wurden nun im Grauen Haus als Zeugen befragt - und einige änderten dabei ihre bisherigen Angaben.

Zehn mutmaßliche Angreifer im Alter von 15 bis 27 Jahren müssen sich in dem bis Ende Juli anberaumten Verfahren wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung verantworten, wobei einigen lediglich Beitragshandlungen, anderen wiederum nur der Versuch angekreidet wird. Dem Jüngsten wird auch versuchter Mord vorgeworfen. Der Rest der Täter bzw. Tatverdächtigen konnte bisher nicht ausgeforscht werden.

Opferaussagen waren kaum hilfreich

Zwei der Betroffenen konnten bei einer Gegenüberstellung im Gerichtssaal von den zehn Angeklagten keinen als Täter bzw. Tatverdächtigen identifizieren. "Ich kenne keinen Einzigen von denen", sagte einer der Zeugen. Der 18-Jährige war festgehalten und seinen Angaben nach von vier maskierten Männern mit einem Schlagring verdroschen worden, ehe ihm in den linken Oberschenkel gestochen wurde. Vom ersten Schlag ins Gesicht sei er so benommen gewesen, "dass ich nicht richtig bemerkt habe, was abgeht". Er könne sich daher "an wenig erinnern".

Ein weiterer 18-Jähriger behauptete, er habe nur drei der zehn Beschuldigten im Park gesehen. Ihm war in den Rücken gestochen worden, nach seiner Überstellung ins Spital hatte er diesen Täter namentlich bezeichnet. Das hielt er nun nicht mehr aufrecht: "Ich weiß nicht, wer genau mich verletzt hat." Auf seine ursprünglichen Angaben angesprochen, erklärt er: "Ich war damals verängstigt und war in Schock." Heute sei er sich dagegen "sicher, dass ich nicht mehr alle erkenne."

Die vorsitzende Richterin fragte die Zeugen explizit, ob sie im Vorfeld bedroht oder unter Druck gesetzt worden seien. Das verneinten die Betroffenen. Die Frage kam insofern nicht von ungefähr, als eines der Opfer in der Vorwoche in einem separaten Verfahren ebenfalls als Opfer einer anderen strafbaren Handlung ausgesagt hatte und dabei dem Vernehmen nach in der Früh einen Anruf erhalten haben und gewarnt worden sein soll, er möge sich sehr gut überlegen, was er aussage.

Tatsächlich war die Verhandlung in der vergangenen Woche insofern eskaliert, als es vor dem Saal zu Tätlichkeiten kam und die Richterin per Notknopf polizeiliche Unterstützung anforderte. Einsatzkräfte der WEGA mussten im Landesgericht die Lage beruhigen, bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Dienstag. Kolportiert wird eine damals in Richtung des Zeugen gefallene Äußerung, man werde sich "das außerhalb des Gerichts ausmachen", in der Nähe sei ein Messer versteckt. Diesbezüglich seien auch polizeiliche Erhebungen im Gange.

"Massive Gewaltattacke" im Wasserpark

Im Zusammenhang mit den Vorfällen im Wasserpark ortet die Staatsanwältin eine "massive Gewaltattacke". Im Vorfeld dürfte es zwischen einem Opfer und dem Rädelsführer einer syrischen Gruppierung, der auf TikTok regelmäßig Videos hochlädt und so unter den Angeklagten bekannt war, zu einer "Ehrverletzung" gekommen sein. Diese habe er sich laut Anklage nicht gefallen lassen und eine "gewaltige Abreibung" geplant.

In Umsetzung dessen soll er über eine Chat-Gruppe seine Bekannten dazu aufgerufen haben, am 19. November um 17.00 Uhr bewaffnet nach Floridsdorf zu kommen. Der mutmaßliche Rädelsführer ist noch auf der Flucht, unter den Angeklagten befinden sich aber zwei seiner Brüder.

Das Opfer, das an eine friedliche Aussprache glaubte, wurde für 17.30 Uhr zum Skaterplatz im Wasserpark bestellt. Er nahm seinen jüngeren Bruder und zwei Freunde mit. Im Park wurden die vier dann von einer schreienden Meute attackiert.

Alle zehn Angeklagten bekennen sich nicht schuldig. Sie seien zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Einige behaupten, sie wären nur zufällig in der Nähe des Tatorts gewesen. Andere versichern, aus Neugierde hingegangen zu sein, weil sie von einem "Problem" erfahren hätten. Der Prozess ist bis zum 27. Juli anberaumt.