Prohnose
Bauernregel: „Regnet‘s am Johannistag, so regnet es noch..."
Am Mittwoch sorgt ein bekannter Spruch für Klarheit, während sich alle Augen in diesen Tagen auf Samstag richten. Dann steht nämlich eine der bekanntesten Bauernregeln an. Die Tradition schreibt diesem Tag Auskunft über das Wetter der nächsten sieben Wochen zu.
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Doch bevor es so weit ist, steht am Mittwoch zunächst ein anderer Gedenktag auf dem Kalender: der Johannistag, also das Fest der Geburt Johannes des Täufers. Und auch für diesen Tag hält die alte Tradition einen Wetterspruch bereit, der über das unmittelbar bevorstehende Wetter entscheiden soll. Die Bauernregel zum Johannistag lautet: "Regnet‘s am Johannistag, so regnet es noch 14 Tag." Der Spruch ist eindeutig: Fällt am Mittwoch Regen, soll das nasse Wetter noch zwei weitere Wochen anhalten. Aktuell zeigt sich das Wetter in weiten Teilen Deutschlands von einer anderen Seite: Temperaturen konstant über 30 Grad, dazu immer wieder Gewitter, die zwar kurzzeitig für Abkühlung sorgen, die anhaltende Hitze aber kaum mildern. Ein Regentag wie der, den die Bauernregel beschreibt, wäre unter diesen Umständen eher die Ausnahme als die Regel.
Traditionen rund um die Ernte
Johannes der Täufer war im Volksglauben über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Heiligenfiguren des Kirchenjahres. Sein Gedenktag fällt auf eine wetterlich und landwirtschaftlich wichtige Zeit im Jahr, kurz nach der Sommersonnenwende. Das erklärt, warum sich um dieses Datum herum besonders viele Bauernregeln gesammelt haben. So heißt es etwa: "Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen." Oder: "Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse." Beide Sprüche zeigen, wie genau die Menschen früher die Wetterverläufe im Kontext der Erntezyklen beobachteten. Auch für die Gartenarbeit und die Ernte galt Johanni als wichtige Schwelle. Sprichwörter wie "Stich den Spargel nie mehr nach Johanni" oder "Bis Johanni nicht vergessen: sieben Wochen Spargel essen" markierten den Tag als festen Wendepunkt im bäuerlichen Kalender. Der Heilige war damit nicht nur religiöse Figur, sondern auch ein praktischer Orientierungspunkt für das landwirtschaftliche Jahr, eingebettet in einen Erfahrungsschatz, der über Generationen weitergegeben wurde.
Wissenschaft sieht klare Grenzen
Wissenschaftlich gesehen ist die Aussagekraft solcher Wetterregeln allerdings begrenzt. Ein einzelner Tag, so markant sein Datum religiös auch sein mag, kann kaum zuverlässig über ein zweiwöchiges Wetterbild entscheiden. Meteorologische Prozesse folgen komplexen Mustern, die sich nicht an heiligen Namenstagen orientieren. Studien haben gezeigt, dass ähnliche Regeln wie die des Siebenschläfertags eine gewisse statistische Tendenz aufweisen können, diese aber weit von einer echten Vorhersagekraft entfernt ist. Beim Siebenschläfertag unterliegen viele Menschen übrigens einer Fehlannahme. Dennoch haben diese Sprüche ihren Reiz, und das nicht nur als folkloristische Überlieferung.
Klimaextreme und Hitzewellen
Sie erinnern daran, wie aufmerksam frühere Generationen die Natur beobachteten und wie sehr das Wetter das tägliche Leben bestimmte. In Zeiten, in denen Klimaextreme zunehmen und Hitzewellen wie die aktuelle immer häufiger werden, gewinnt diese Aufmerksamkeit gegenüber Wetterphänomenen fast wieder eine neue Relevanz. Auch wenn der Spruch zum Johannistag keine verlässliche Prognose liefert, regt er doch dazu an, den Blick an diesem Tag bewusst gen Himmel zu richten. Wer also am Mittwoch aufschaut und Wolken sieht, darf die alte Regel im Hinterkopf behalten, ohne sich allzu sehr daran zu klammern.
Nur drei Tage später meldet sich dann der Siebenschläfertag zu Wort, und die nächste Bauernregel nimmt ihren Lauf. Der Sommer hat offenbar viel zu erzählen, und das Wetter wird in diesen Wochen weiter das Gespräch bestimmen, auf dem Balkon, in der Wetter-App und in der langen Tradition der Bauernregeln. Auch am Verhalten mancher Tiere kann man plötzliche Wetterumbrüche vorhersagen.