Nach Rücktritt
Brexit-Mann Farage fürchtet sich vor "Count Binface"
Was als Befreiungsschlag des Vorsitzenden der Partei Reform UK gedacht war, droht zur Blamage zu werden. Weil alle größeren Parteien sich weigern, Kandidaten aufzustellen, könnte sein größter Konkurrent ein Komiker werden.
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Count Binface, auf Deutsch etwa "Graf Mülltonnengesicht" alias Jon Harvey, ist ein regulärer Teilnehmer bei britischen Wahlen. Es handelt sich um einen selbst ernannten intergalaktischen Weltraumkrieger in einem vage an Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und einer Mülltonne als Helm. Offiziell aufgestellt wurde der Komiker noch nicht, die Bewerbungsfrist für die Nachwahl ist noch nicht angelaufen.
"Los geht's, Nige", schrieb er kurz nach der Rücktrittsankündigung von Farage am Dienstag in einem X-Beitrag. Dass er die Wahl tatsächlich gewinnen kann, glaubt der Spaßkandidat allerdings nicht, wie er der BBC nun verriet. Seine Aufgabe sei es, "die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen", sagte er. Dass er derjenige sei, der interviewt werde, weil die großen Parteien keinen Kandidaten bei der Nachwahl aufstellen, "sagt mehr über sie aus als über mich".
Von Elmo bis Lord Buckethead
Kasperl-Kandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo, ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) und ein Yace Yogenstein, auch bekannt als Interplanetary Time Lord, auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Die 1982 gegründete Official Monster Raving Loony Party tritt regelmäßig mit Spaßkandidaten bei Wahlen an.
Selbst wenn es Farage wie erwartet gelingen sollte, das Mandat wiederzuerlangen, dürfte es fraglich sein, ob ihm die Wahl die erhoffte Legitimation bringen wird. Auch sein eigentliches Problem, eine Untersuchung zu einem Geldgeschenk von fünf Millionen Pfund (5,85 Millionen Euro), wird dadurch nicht gelöst. Britischen Medienberichten zufolge wird die Untersuchung nur ausgesetzt, solange er dem Parlament nicht angehört.