Analyse am Weekend
Bringt "Friedens-Deal von Versailles" Ende des Kriegs USA – Iran?
Königlicher hätte der Ort nicht sein können: Donald Trump (80), unterzeichnete ausgerechnet im Schloss Versailles die Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges mit dem Iran und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Rechts neben ihm lächelte Frankreichs Première Dame Brigitte Macron, links Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Zuvor war Trump beim G7-Gipfel im französischen Évian: "Ich bin der Boss", hat er dort den übrigen Weltlenkern wenig bescheiden in Gesicht geschleudert.
Kriegsende. Das US-Iran-Abkommen ist ab sofort in Kraft. Eine Kopie wurde nach Teheran übermittelt, sie trägt die Unterschrift von Irans Präsident Masoud Pezeshkian.
Damit ist der Nahostkrieg beendet. Zumindest offiziell.
Auch interessant
14 Punkte und viele offene Fragen
60 Tage. Doch wie viel sind die Unterschriften von Trump und Pezesh - kian tatsächlich wert? Letztlich werden das erst die ausführlichen Verhandlungen zum endgültigen Friedensabkommen zeigen, die jetzt beginnen und rund 60 Tage dauern werden.
Mullahs jubeln. Eines steht aber schon jetzt fest: Trump hat sich von den Persern über den Tisch ziehen lassen. Seine Kriegsziele wie der Sturz des Regimes in Teheran oder die völlige Ausschaltung des iranischen Atomprogramms wurden nicht erreicht. Die Mullahs sitzen fester im Sattel als zuvor, die Raketenarsenale sind voll, das angereicherte Uran liegt in irgendwelchen Bunkern tief unter Gesteinsmassiven. Die Atomfrage wurde in dem Rahmenabkommen fast völlig ausgespart.
Ende der Kämpfe. Ein Teilerfolg ist zumindest, dass das Rahmenabkommen ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen bedeutet. Beide Seiten erklären ein "sofortiges und dauerhaftes Ende des Kriegs an allen Fronten, auch im Libanon". Auch die Verbündeten der USA, also Israel, sowie des Irans (Hisbollah im Libanon, Huthis im Jemen) sollen von weiteren kriegerischen Handlungen absehen.
Ob sich diese Partner tatsächlich an die Vorgaben Trumps halten werden, scheint fraglich. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte bereits, dass seine Armee "Sicherheitszonen" im Südlibanon, in Syrien und im Gazastreifen "so lange wie nötig" halten werde. Ebenso kann niemand sagen, wie sich die Hisbollah oder die Hamas, beides Verbündete des Irans, künftig verhalten werden.
Aufatmen in Europa: Öl und Gas fließen
Erleichterung. Die Seeblockaden in der Straße von Hormus werden umgehend aufgehoben, der Iran soll innerhalb von 30 Tagen verlegte Seeminen räumen.
300 Milliarden Dollar. Die USA wiederum werden die Blockade für alle Schiffe aufheben, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Zusätzlich sollen in einer ersten Stufe alle US-Sanktionen auf den iranischen Energiehandel ausgesetzt werden. Die Amerikaner sind somit bereit, 25 Milliarden Dollar an eingefrorenem Geld freizugeben. Obendrein könnte es in Zukunft sogar einen US-Investitionsfonds in der Höhe von 300 Milliarden Dollar geben.
Ein gekaufter Friede: Für viele ein sicherheitspolitischer Offenbarungseid, der den Terror des Regimes gegen das eigene Volk sogar belohnt.