Neue Festnahmen
Bungee-Drama: Knalleffekt im Fall Maria (21)
Eine Woche nach dem tödlichen Sturz aus rund 40 Metern Höhe gibt es neue Festnahmen – und neue Hinweise darauf, dass nach dem Unglück möglicherweise Beweismittel verschwunden sind.
Wie berichtet, war Maria am 13. Juni von einer Brücke in die Tiefe gestürzt, obwohl sie nicht mit dem lebensrettenden Sicherungsseil verbunden war. Nach bisherigen Erkenntnissen hatten die Verantwortlichen schlicht vergessen, die Studentin vor dem Sprung ordnungsgemäß zu sichern.
Nun hat die Polizei drei weitere Personen festgenommen. Wie der brasilianische Fernsehsender Globo berichtet, wurden am Samstag Haftbefehle gegen eine 29-jährige Frau aus Rio de Janeiro sowie zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren vollstreckt. Die Ermittler vermuten, dass wichtige Beweise verschwunden sein könnten.
Im Mittelpunkt steht eine GoPro-Kamera, die Maria während des Sprungs getragen haben soll. Die Kamera gilt seit dem Unglück als verschwunden. "Im Zuge der Ermittlungen wurden Hinweise gesammelt, die auf eine mögliche Unterdrückung von Beweismitteln hinweisen, die für die Ermittlungen relevant sind", erklärte der zuständige Ermittler laut einer Mitteilung des Sicherheitssekretariats des Bundesstaates São Paulo. Besonders verdächtig sei "das Verschwinden der Kamera, die das Opfer während des Sprungs benutzte".
Die Behörden prüfen zudem, ob Aufnahmen des Unglücks bewusst gelöscht wurden. Die Ermittler hoffen nun, durch die neuen Festnahmen den Verbleib der Kamera klären zu können.
Bereits sechs Verdächtige im Visier
Schon einen Tag nach dem Unglück waren drei Männer festgenommen worden. Gegen Maicon Fernandes Cintra (42), Luis Felipe Feliciano Egoroff (32) und Vitor de Freitas Gonçalves (27) wird wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt.
Nach Angaben der Behörden verfügerten die Veranstalter weder über die erforderlichen Genehmigungen noch über die nötige Erlaubnis, die Sprünge an der Brücke anzubieten. Damit stehen inzwischen insgesamt sechs Personen im Fokus der Ermittlungen.
Die Beschuldigten weisen die Verantwortung bislang von sich. "Einer bringt normalerweise das Seil an, der andere kontrolliert. Manchmal macht es der eine, manchmal der andere", erklärte einer der Verdächtigen bei seiner Vernehmung. Wer am Unglückstag konkret zuständig gewesen sei, könne angeblich niemand sagen. Ein weiterer Beschuldigter behauptete: "In 99 Prozent der Fälle unterstütze ich lediglich den Ablauf."
Experte spricht von "purer Fahrlässigkeit"
Für den erfahrenen Bungee-Jumping-Experten Chris Batte ist die Katastrophe kaum zu begreifen. Der seit mehr als 30 Jahren im Extremsport tätige Experte sprach gegenüber der "New York Post" von "purer Fahrlässigkeit".
Nach seiner Einschätzung hätte der Unfall an mehreren Stellen verhindert werden können. "Die offensichtlichen Anzeichen wären meiner Meinung nach: Wird es wie ein Unternehmen geführt? Ist es professionell organisiert? Gibt es eine klare Führungsperson, die die Mitarbeiter anleitet?", sagte Batte. Fehle eine verantwortliche Person mit klaren Kontrollmechanismen, sei das bereits "ein deutliches Warnsignal".
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Besonders schockiert zeigt sich der Experte darüber, dass offenbar mehrere zusätzliche Sicherungssysteme fehlten. Selbst wenn das Bungee-Seil nicht befestigt gewesen sei, hätten weitere Schutzvorrichtungen wie Auffanggurte, Fußmanschetten oder zusätzliche Sicherungsleinen vorhanden sein müssen.
Die weltweit verbreiteten Videoaufnahmen des Unfalls bezeichnete Batte als "unglaublich". Für ihn ist besonders erschütternd, "dass es so viele Gelegenheiten gab, dieses Mädchen zu retten".