Mückenfreier Sommer

Darum wird heuer niemand von Gelsen gestochen

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Die Gelsen glänzen 2026 durch Abwesenheit. Keine roten Dippel, kein panisches Jagen mit der Fliegenklatsche um drei Uhr nachts. Doch warum lassen uns die Blutsauger dieses Jahr so in Ruhe?
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Kein Surren, keine Stiche: So entspannt war der Sommer auf Terrasse, Balkon oder im Schlafzimmer schon lange nicht mehr. Gelsen sind heuer auffallend selten. Doch ist das tatsächlich ein Grund zur Freude oder steckt hinter dem Ausbleiben der Plagegeister ein Warnsignal der Natur?

Das steckt hinter dem mückenfreien Sommer 2026

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Wer das Gefühl hat, dass es diesen Sommer unheimlich ruhig ist, liegt goldrichtig. Wissenschaftliche Monitorings, unter anderem von Parasitologen der Veterinärmedizinischen Universität Wien, zeigen einen fast schon historischen Trend: Die Population der "Gemeinen Hausgelse", die in Österreich rund 90 Prozent aller Stechmücken ausmacht, ist seit 2020 um sagenhafte 70 Prozent eingebrochen. Das Jahr 2026 markiert dabei einen neuen Tiefpunkt für die Insekten.

Die Klimafalle

Der Hauptschuldige für unseren stichfreien Sommer ist nicht etwa ein neues Insektenspray, sondern der Klimawandel. Das große Problem der Gelsen sind die immer extremeren Temperaturschwankungen in den Wintermonaten.

Die Erklärung der Experten: Klettert das Thermometer plötzlich schon im Februar auf frühlingshafte 20 Grad, wachen die Gelsenweibchen viel zu früh aus ihrer Winterruhe auf. Wenn kurz darauf die nächste Kaltfront zuschlägt, gerät ihr Stoffwechsel völlig durcheinander. Die Insekten verbrauchen ihre lebensrettenden Energiereserven und sterben gewissermaßen durch dieses tödliche "Warm-Kalt-Pingpong", noch bevor die Saison überhaupt richtig begonnen hat.

Zu trocken für den großen Schwarm

Auch das Wetter der letzten Zeit hat den Mücken einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um eine richtige Plage auszulösen, bräuchte es tagelange Regenfälle mit anschließenden Überschwemmungen, auf die direkt mehrere heiße Sonnentage folgen. Nur unter diesen feuchtwarmen Bedingungen schlüpfen die Überschwemmungsgelsen explosionsartig. Diese Kombination ist in vielen Regionen in den entscheidenden Frühlings- und Frühsommermonaten schlichtweg ausgeblieben.

Zu früh gefreut?

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Ein Sommer ohne Juckreiz klingt wie ein Lottogewinn, doch Naturschützer schlagen Alarm. Was uns freut, ist für das Ökosystem eine Katastrophe. Gelsen und ihre Larven sind eine essenzielle Nahrungsquelle für Schwalben, Fledermäuse, Libellen, Spinnen, Frösche und Fische. Fehlen die kleinen Blutsauger, gerät die Nahrungskette ins Wanken und ein ganzer Teil der heimischen Tierwelt hungert. Zudem bestäuben Gelsen sogar bestimmte Pflanzenarten.

Hinzu kommt eine ungemütliche Bedrohung: Während unsere ohnehin meist eher harmlosen Hausgelsen schwächeln, rüstet ein fieser Einwanderer auf. Die invasive Asiatische Tigermücke profitiert oft von anderen Brutbedingungen (ihr reicht schon ein bisschen Restwasser im Blumentopf-Untersetzer) und breitet sich in Europa aus. Sie sticht besonders aggressiv am helllichten Tag und kann gefährliche Erreger wie das Dengue- oder West-Nil-Virus übertragen.