Naturwunder

Der südlichste aktive Vulkan der Erde stößt täglich Gold aus

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Mitten im ewigen Eis der Antarktis verbirgt sich ein geologisches Phänomen der Sonderklasse. Am 3.794 Meter hohen Mount Erebus brodelt nicht nur ein seltener Lavasee, der eisige Riese schleudert Tag für Tag auch mikroskopisch feine Goldpartikel in die Atmosphäre.
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Der Mount Erebus gilt in der internationalen Geologie als absoluter Ausnahmefall. Als südlichster aktiver Vulkan unseres Planeten ragt der 3.794 Meter hohe Gigant auf der antarktischen Ross-Insel empor, rund 1.400 Kilometer vom geographischen Südpol entfernt. Während an den Hängen eisige Winde toben und das Außenthermometer Werte zwischen minus 20 und klirrenden minus 50 Grad Celsius anzeigt, herrscht im Krater unerbittliche Hitze.

Im Inneren des Vulkans befindet sich ein dauerhaft aktiver Lavasee, der seit Jahrzehnten Wissenschaftler rund um den Globus fasziniert. Bereits im Jahr 1841 sichtete der britische Polarforscher James Clark Ross das dampfende Massiv zum ersten Mal – nach ihm wurden in weiterer Folge sowohl die Ross-Insel als auch das Rossmeer benannt. Anders als bei explosiven Vulkanausbrüchen handelt es sich beim Mount Erebus um ein stetiges Brodeln: Das Fördersystem stößt kontinuierlich heiße Gase aus, vermengt mit gelegentlichen Aschewolken.

Goldene Partikel in der eisigen Vulkanfahne nachgewiesen

Die wohl bemerkenswerteste Besonderheit des Berges wurde Anfang der 1990er-Jahre wissenschaftlich belegt. Forscher publizierten 1991 im renommierten Fachblatt "Geophysical Research Letters" bahnbrechende Messdaten: In der ausströmenden Gasfahne (Gas Plume) ließen sich tatsächlich mikroskopisch kleine Teilchen aus reinem Gold identifizieren. Die winzigen Partikel wurden sowohl in unmittelbarer Kraternähe als auch in entfernteren Schnee- und Luftproben nachgewiesen.

Umfassende chemische Folgeanalysen aus den Jahren 1993 und 1994, unter anderem verfasst von Zreda-Gostynska und ihrem Team, lieferten die naturwissenschaftliche Erklärung für den vermeintlichen Schatz aus der Tiefe:

  • Extrem halogenreiche Gasströme: Die aus dem Erdinneren aufsteigenden Gase binden Edelmetalle wie Gold in geringsten Mengen chemisch an sich.
  • Schlagartiges Abkühlen: Sobald das Gasgemisch auf die frostige antarktische Außenluft trifft, kühlt es blitzschnell ab.
  • Kristallisation im Schnee: Durch den Temperaturschock kondensieren die Metallatome zu feinsten Stäubchen, die sich anschließend im ewigen Eis ablagern.

Ein klassischer Goldregen geht über dem Südpolargebiet allerdings nicht nieder. In der Fachwelt gilt der Erebus keineswegs als gewinnbringender Edelmetallproduzent, sondern vielmehr als hochkomplexes Naturbecken, in dem Spurenmetalle aufgrund spezieller Gasreaktionen überhaupt erst messbar in Erscheinung treten.

Sperrzone für Touristen rund um die McMurdo-Station

Für Abenteurer und Hobbyschatzsucher bleibt der Berg unerreichbar. Wer von Vulkantourismus in der Antarktis spricht, steuert gewöhnlich Deception Island an – einen aktiven Vulkan der Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktischen Halbinsel, dessen mit Meerwasser gefüllte, hufeisenförmige Caldera regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen befahren wird.

Am Mount Erebus ist ein derartiger Besuch gänzlich ausgeschlossen:

  • Streng geschütztes Areal: Der Berg liegt mitten im Sicherheits- und Forschungsbezirk rund um die McMurdo-Station.
  • Ausschließliche Forschungserlaubnis: Wie das Portal Vulkane.net festhält, dürfen nur registrierte wissenschaftliche Expeditionsteams das Areal betreten.
  • Observatorium auf dem Gipfel: Auf dem eisigen Gipfelplateau stehen Schutzhütten des Mount Erebus Volcano Observatory, die einzig für Messungen errichtet wurden.

Nasa-Tests und Expeditionen mit Astronaut Alexander Gerst

Wegen der lebensfeindlichen Bedingungen dient der Vulkan immer wieder als Übungsgelände für die Erforschung fremder Planeten. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa nutzte die Umgebung, um Steuerungssysteme und Prototypen von Mars-Rovern unter Extrembedingungen zu erproben. Der ambitionierte Versuch, mithilfe spezieller Messroboter („Spider“) Materialproben unmittelbar aus der kochenden Schmelze des Lavasees zu entnehmen, scheiterte jedoch an der enormen Hitze und der schroffen Witterung.

Auch europäische Polarforscher reisten im Rahmen internationaler Kampagnen an den Kraterrand. Besonders hervorzuheben ist der spätere Esa-Astronaut, Geophysiker und Vulkanologe Alexander Gerst, der bereits in den 2000er-Jahren im Umfeld des Vulkans forschte. Seine damaligen Kampagnen brachten hochpräzise Messreihen und Bilddokumente aus einer der entlegensten Naturregionen hervor. Der Mount Erebus bleibt damit ein streng bewachtes Naturlabor, das der Menschheit wertvolle Einblicke in geologische Urkräfte liefert.