Ende einer Ära

Deschamps plant zum Abschied Meisterstück

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Zwei Spiele noch, dann ist Schluss: Die Erfolgsära von Didier Deschamps als französischer Teamchef soll im besten Fall noch einmal mit dem ganz großen Coup enden.
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Der Mann, der als Spieler bereits Weltmeister geworden war, hat es während seiner 14 Jahre als Trainer von "Les Bleus" geschafft, herausragende Einzelkönner zu einem stimmigen Starensemble zu formen. Zuletzt betonte der 57-Jährige nach außen hin vor allem eines: menschliche Nähe und Geschlossenheit.

"Ich bin stolz, dieses Team zu haben", sagte Deschamps vor dem Halbfinal-Kracher gegen Spanien am Dienstag (21.00 Uhr/live ORF 1) in Arlington bei Dallas. Der Coach bezog dabei bewusst alle mit ein: Spieler, Assistenten und Betreuer. "Alle kämpfen für die Gruppe", sagte Deschamps. Der in Frankreich "General" Gerufene lebt seinen Spielern genau das vor, was er von ihnen sehen möchte: Einsatz, Disziplin - aber eben auch Herz und Kameradschaft. Wie er sich vor Kapitän Kylian Mbappe nach dessen Sechzehntelfinal-Show gegen Schweden verneigte. Wie er Flügelspieler Desire Doue nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Marokko lange in den Arm nahm: Das sind die Bilder, die sich einbrennen. Nicht nur bei den Fans der Franzosen.

Auch Starcoach Jürgen Klopp lobte Deschamps' Kommunikation mit seinen Spielern als TV-Experte und zog den ballverliebten Dribbelkünstler Michael Olise von Bayern München als Beispiel heran. "Mit diesen Spielern muss jemand gesprochen haben, dass sie das machen. Von allein machen die das nicht", erklärte Klopp das starke Zusammenspiel der französischen Offensiv-Asse und deren Bereitschaft, auch nach hinten mitzuarbeiten. "Wenn du Olise den Ball hinschmeißt, nimmt er ihn und gibt ihn dir in vier Wochen wieder." Unter Deschamps ist das definitiv nicht so.

Deschamps in einem elitären Kreis

Seit 2012 ist der Ex-Profi als französischer Nationaltrainer im Amt. Nach dieser WM wird er es abgeben - dem Vernehmen nach an Zinedine Zidane. Krönt er seine Erfolgsära vorher noch mit dem dritten WM-Titel seiner Karriere? 1998 holte Deschamps den goldenen Pokal als Spieler, 2018 als Trainer. Lediglich Franz Beckenbauer und Mario Zagallo gelang außer ihm ein solches Double. Gleich zwei WM-Titel als Coach holte bisher nur Vittorio Pozzo: 1934 und 1938 mit Italien.

Allein diese Statistiken zeigen, in welch elitärem Kreis sich Deschamps bewegt. Im Halbfinale - dem dritten nacheinander bei einer WM für die Franzosen - wird er einen weiteren Rekord aufstellen. Die Partie gegen Spanien, die viele als das vorgezogene Finale dieses Turniers betrachten, wird das 26. WM-Spiel als Trainer für Deschamps. Aktuell teilt er sich die Bestmarke noch mit dem früheren deutschen Bundestrainer Helmut Schön. Ab Dienstag, an dem die Franzosen ihren Nationalfeiertag feiern, gehört sie dem Coach der Equipe Tricolore dann allein.

Musterprofis auf einer Mission

Hochveranlagte Spieler hatten die Franzosen schon immer zuhauf. Doch dieses Team hat nichts mehr mit dem zu tun, das sich etwa bei der WM 2010 mit Ex-Coach Raymond Domenech überwarf und zu einer Lachnummer entwickelte. Les Bleus, die eine Zeit lang als untrainierbar galten, haben in der Ära Deschamps eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Die Spieler, die Frankreichs Trikot tragen, hätten eine Verpflichtung gegenüber den Fans und den Menschen in der Heimat, sagte Deschamps. Kapitän Mbappe sei mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz ein echtes "Vorbild".

Tatsächlich verkörpert Mbappe bei diesem Turnier alles, was sich der Coach so wünscht: den Torhunger, aber auch den Teamgedanken. Nachdem während der Gruppenphase Deschamps' Mutter gestorben war, zeigte der Stürmer von Real Madrid - auch bei seinem Torjubel - großes Mitgefühl mit seinem Trainer. Schon vor dem ersten Auftritt der Franzosen in Nordamerika hatte er angekündigt, Deschamps zum Abschied "die beste WM aller Zeiten" bescheren zu wollen. Gewinnt der zweimalige Weltmeister gegen Europameister Spanien und dann auch noch das Endspiel in East Rutherford, ist sie das.