Rui Borges fasste die entscheidenden Szenen des Abends in einem Satz zusammen: "Wir hatten drei Ballverluste und haben drei Gegentore kassiert." Für den LASK war das eine erfreuliche Bilanz. Für Sportings Trainer war sie nach der 2:3-Heimniederlage am Mittwoch der Anlass, über die Ordnung seiner Mannschaft zu sprechen – und über einen Gegner, der sie gezielt gestört hatte.
Auf der Pressekonferenz beschrieb Borges, wie die Linzer den Zugang zu Sportings defensivem Mittelfeldspieler erschwerten. Ein LASK-Angreifer habe sich vor ihm positioniert und damit den Aufbau durchs Zentrum behindert. Diese Variante habe er bei Kühbauers Mannschaft zuvor nicht gesehen.
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Kühbauer lässt früher attackieren
Eine Woche zuvor hatten die Linzer gegen Liverpool ebenfalls drei Tore erzielt, beim 3:6 aber keinen Punkt gewonnen. Kühbauer erklärte den Unterschied zwischen den beiden Auftritten mit der Position seiner Mannschaft auf dem Feld.
"Gegen Liverpool sind wir zu tief in den Räumen gestanden. Wenn wir höher pressen, dann haben sie ihre Probleme", sagte der LASK-Trainer. In Lissabon gelang es seiner Elf, Sporting früher unter Druck zu setzen und nach den Ballgewinnen schnell anzugreifen.
Alle drei Treffer gingen auf solche Situationen zurück. Christoph Lang glich aus (15.), Sasa Kalajdzic brachte die Linzer in Führung (63.), Krystof Danek erhöhte fünf Minuten später (68.). Aus dem frühen Rückstand war eine Partie geworden, in der Sporting zunehmend Schwierigkeiten hatte, seine Angriffe abzusichern.
Borges nahm dafür auch sich selbst in die Verantwortung. Seine Mannschaft sei bei eigenen Angriffen schlecht positioniert gewesen und dadurch anfällig für die Gegenstöße des LASK geworden. Obwohl die nötige Balance im Training vorbereitet worden sei, habe sie auf dem Platz gefehlt.
Weniger Ballbesitz, mehr Schüsse aufs Tor
Sporting hatte über das gesamte Spiel betrachtet mehr vom Ball. Der LASK machte aus seinen Möglichkeiten jedoch mehr. Bei 40 Prozent Ballbesitz brachten die Linzer sieben Abschlüsse aufs Tor, die Gastgeber vier. Für den LASK waren es damit genauso viele wie in den ersten beiden Champions-League-Spielen gegen AEK und Liverpool zusammen.
Schon vor der Pause zeigte sich dieser Unterschied. Beide Mannschaften kamen auf sechs Abschlüsse, doch während der LASK vier davon aufs Tor brachte, gelang Sporting das nur einmal: beim verwandelten Elfmeter von Luis Suárez (5.).
Hinzu kam die Präzision der Linzer Torschützen. Lang, Kalajdzic und Danek brachten sämtliche sechs Versuche aufs Tor; drei davon wurden zu Treffern. Die Zahlen beschreiben, wie konsequent der LASK die Möglichkeiten nutzte, die sich ihm nach den Ballgewinnen boten.
Kühbauer hob den Aufwand hervor, den diese Spielweise verlangt. "Das ist sehr viel Laufarbeit, aber sie wollten hier nicht als Verlierer vom Platz gehen", sagte er. Sein Urteil über den ersten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte fiel entsprechend aus: "Das war eine unserer besten Leistungen."
Fünf Treffer in einer Runde mit 74 Toren
Der Erfolg in Lissabon gehörte zudem zu einem Spieltag, an dem in 18 Begegnungen insgesamt 74 Tore fielen. In der UEFA-Auswertung der Gruppen- und Ligaphasen war nur eine Runde torreicher: die unmittelbar davor, mit 78 Treffern. An deren Rekord hatte der LASK mit dem 3:6 gegen Liverpool ebenfalls erheblichen Anteil.
Nach drei Partien stehen in den Spielen der Linzer insgesamt 15 Tore, sechs eigene und neun des Gegners. Das ergibt einen Schnitt von fünf Treffern pro Begegnung, gegenüber 4,09 in der bisherigen Ligaphase. In Lissabon stimmte für den LASK erstmals auch die Verteilung.