Ein zweites Leben
Ein altes Leitsystem auf neuen Wegen: Wenn Gebrauchtes zu Gebrauchtem wird
Wer sich in der Vergangenheit einmal in den scheinbar unendlichen Gängen der Bürobauten am Kempelenpark verirrt hat, der weiß, wie unabdingbar es war: Das markante rote Leitsystem auf dem Karo-Grund. Deshalb freute es Asset Managerin Manuela Pohn von der STC Immobiliengruppe, die das Areal im 10. Bezirk seit 2019 verwaltet, besonders, dass das Kollektiv Kaorle, ein gemeinnütziger, interdisziplinärer Kulturverein, bereits bei der ersten gemeinsamen Begehung die Idee aufbrachte, diese unverkennbaren Schilder an ihrem neuen Standort am Otto-Wagner-Areal weiter zu nutzen.
Auf Gespräche folgten Taten: Das große Engagement des Vereins im Bereich Re-Use zeigte sich in vielen Stunden Arbeit, in denen am Kempelenpark neben dem Leitsystem auch sorgfältig Vorhänge, Lampen und Holzdielen demontiert und Möbel transportiert wurden, um sie für eine weitere Verwendung zu erhalten.
"As part of the temporary use activation by Kollektiv Kaorle, we aim to establish a practice that minimizes resource consumption in interim uses. Our approach is to consistently reuse materials, recover components from projects sites, and integrate them into new contexts. Through regular meet-ups, workshops, and hands-on deconstruction projects, we recover materials, share knowledge, and build a network that investigates sustainable building practices and circular processes — while continuously developing new strategies. Step by step, this creates a material cycle between projects: what is installed in one place is meant to live on in another”, beschreibt Timo Bogataj die Arbeit des Vereins.
Während sich die Kooperation zwischen der STC Immobiliengruppe und dem Kollektiv Kaorle erst jüngst ergab, sind die LaaerBergBauerInnen schon seit ihrer Gründung, welche am Kempelenpark stattfand, mit dem Areal verbunden. „Die LaaerBergBauerInnen sind 2016/17 aus einer frühen Zwischennutzungsinitiative hervorgegangen", erzählt Stadtsoziologin und Vereinsobfrau Irmgard Hubauer. „Daher gab es von Anfang an einen regen Materialfluss zwischen dem Kempelenpark und unserem Feld in der Löwygrube: von Gartenzaun, Werkzeug, Sitzbank bis hin zu Vogelhäuschen und Rosenstauden – viele Dinge haben, statt im Müllcontainer zu landen, hier ein zweites und manchmal, z. B. als Rankhilfe oder als Trittbrett zwischen den Beeten, sogar noch ein drittes Leben führen dürfen." Insofern ist es eine besonders schöne Geschichte, dass die Lärchendielen, die einst den Steg rund um das Gelände gebildet haben, nun als Teil einer Pergola sowie als eine Reihe von Hochbeeten ein malerisches zweites Leben am Feld führen dürfen. Die LaaerBergBauerInnen sind ebenfalls ein gemeinnütziger Verein, der sich der gemeinschaftlichen Produktion von biologischem Gemüse und Obst und der Bildungsarbeit in diesem Bereich verschrieben hat.
Für die STC Immobiliengruppe ist die Weitergabe von Materialen ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Projektentwicklung, um den nachhaltigen Umgang mit bestehenden Ressourcen voranzutreiben und die Grundlage dafür zu schaffen, Vorhandenes so lange wie möglich im Gebrauch zu halten und in neue Kontexte zu integrieren. An diesem konkreten Beispiel zeigt sich außerdem: Re Use ist mehr als die Wiederverwendung vorhandener Materialien. Es bringt unterschiedlichste Institutionen, Menschen und Orte miteinander in Verbindung.