Zahnärztin klärt auf
Eis, Obst, Aperol: So schädlich ist der Sommer für unsere Zähne
Der Sommer bringt viele kleine Genussmomente mit sich: ein Glas Limonade am See, ein erfrischender Fruchtsaft, ein Eis nach dem Baden oder ein Aperitif am Abend. Doch was unseren Geschmackssinn erfreut, bedeutet für unsere Zähne oft Stress. Denn viele dieser Lebensmittel und Getränke enthalten Säuren, die den Zahnschmelz schleichend schwächen können.
So machen Sie Ihre Zähne "sommertauglich"
"Zahnerosion entsteht, wenn Säuren aus Lebensmitteln oder Getränken Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz herauslösen", erklärt Dr. Kristina Worseg, Zahnärztin und Expertin für moderne Zahnmedizin. "Der Zahn verliert dadurch an Härte, wird empfindlicher und kann leichter mechanisch abgetragen werden." Anders als bei Karies sind dabei keine Bakterien beteiligt. Es handelt sich um einen rein chemischen Prozess: Die Säure greift die oberste Schutzschicht des Zahnes direkt an. Besonders problematisch ist, dass der einmal verlorene Zahnschmelz nicht wieder nachgebildet werden kann.
Wenn Säure den Zahnschmelz aufweicht
Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz unseres Körpers, dennoch ist er gegenüber Säuren empfindlich. "Säurehaltige Lebensmittel können Kalzium und andere Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz lösen. Dadurch wird die Oberfläche vorübergehend weicher", erklärt Dr. Worseg. In diesem Zustand können alltägliche Belastungen wie das Kauen, die Zunge oder auch das Zähneputzen dazu beitragen, dass Zahnsubstanz verloren geht. Die Folgen zeigen sich oft erst nach Jahren: Die Zähne wirken dünner, glatter oder transparenter. Häufig erscheint auch ein gelblicher Farbton, weil das darunterliegende Dentin stärker sichtbar wird. "Viele Menschen bemerken zunächst nur, dass ihre Zähne empfindlicher auf Kaltes, Heißes oder Süßes reagieren", so Dr. Worseg. "Dabei kann bereits ein deutlicher Substanzverlust vorhanden sein."
Besonders häufig betroffen sind Menschen, die regelmäßig säurehaltige Getränke konsumieren, etwa Softdrinks, Energy-Drinks oder Fruchtsäfte. Auch die Häufigkeit spielt eine entscheidende Rolle: Nicht unbedingt die Menge der Säure ist ausschlaggebend, sondern wie lange und wie oft die Zähne damit in Kontakt kommen. Vor allem das regelmäßige Trinken über den Tag verteilt ist kritisch. Wer immer wieder kleine Schlucke nimmt, setzt die Zähne dauerhaft einer sauren Umgebung aus. Der Speichel hat dann kaum Gelegenheit, den natürlichen Schutzfilm wieder aufzubauen und die Säuren zu neutralisieren.
Doch auch vermeintlich gesunde Getränke können eine Herausforderung sein. Zitronenwasser, Smoothies oder frisch gepresste Fruchtsäfte enthalten natürliche Fruchtsäuren, die den Zahnschmelz ebenfalls angreifen können. "Viele verbinden gesund automatisch mit zahnschonend. Aber auch natürliche Säuren können bei häufiger Aufnahme problematisch werden", sagt Dr. Worseg. "Entscheidend ist nicht nur, was wir essen und trinken, sondern auch wie oft." Auch alkoholische Getränke sollten nicht unterschätzt werden. Besonders Weißwein und Champagner weisen aufgrund ihrer Säure einen erosiven Effekt auf. Rotwein schneidet im Vergleich etwas besser ab, da die enthaltenen Polyphenole einen gewissen Schutz bieten können.
Positive Ausnahmen & natürliche Schutzmechanismen
Es gibt jedoch auch Getränke und Lebensmittel, die weniger kritisch oder sogar unterstützend sein können. Bier beispielsweise enthält Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe, die dazu beitragen können, den natürlichen Schutzfilm des Zahnes zu stabilisieren. Auch Mineralwasser ist trotz seines leicht sauren pH-Wertes unproblematisch. Der enthaltene Mineralstoffgehalt, insbesondere Kalzium, trägt dazu bei, dass die Zahnoberfläche nicht in gleichem Maß aufgeweicht wird. "Nicht jedes saure Lebensmittel führt automatisch zu Schäden", erklärt Dr. Worseg.
Ganz auf säurehaltige Lebensmittel und Getränke zu verzichten, ist deshalb weder notwendig noch sinnvoll. Viele Obstsorten liefern wertvolle Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Entscheidend ist vielmehr, wie man sie konsumiert und mit welchen Lebensmitteln man sie kombiniert. "Kalzium kann dabei helfen, die Säurewirkung abzumildern", erklärt Dr. Kristina Worseg. "Milchprodukte wie Naturjoghurt oder Käse können Mineralstoffe liefern, die den Zahn unterstützen." So kann beispielsweise ein Löffel Naturjoghurt im Obstsalat oder ein Stück Käse nach einer säurehaltigen Mahlzeit dazu beitragen, das erosive Potenzial zu reduzieren.
Auch ein Glas Wasser nach einem sauren Snack oder Getränk ist eine einfache, aber effektive Maßnahme: Es spült Säurereste von der Zahnoberfläche und verkürzt die Einwirkzeit. Eine weitere Unterstützung bietet zuckerfreier Kaugummi. Er regt den Speichelfluss an, und Speichel ist einer der wichtigsten natürlichen Schutzmechanismen des Mundes. "Speichel neutralisiert Säuren und hilft dabei, den Zahnschmelz wieder mit Mineralstoffen zu versorgen", so Dr. Worseg. Bereits entstandene Schäden am Zahnschmelz lassen sich allerdings nicht vollständig rückgängig machen. Umso wichtiger ist es, weitere Abbauprozesse möglichst früh zu vermeiden.
Zähneputzen: Besser nicht zu lange warten
Lange Zeit galt der Rat: Nach dem Verzehr von sauren Lebensmitteln oder Getränken sollte man mindestens 30 Minuten mit dem Zähneputzen warten, um den aufgeweichten Zahnschmelz nicht zusätzlich zu belasten. Heute wird diese Empfehlung differenzierter betrachtet. "Der Zahnschmelz wird durch Säuren zwar kurzfristig weicher, die natürliche Wiederhärtung dauert aber deutlich länger als nur wenige Minuten", erklärt Dr. Worseg.
"Eine halbe Stunde Wartezeit verändert daher nicht grundlegend den Zustand des Zahnes. „Viel wichtiger sei eine gute Mundhygiene. Denn während man wartet, verbleiben Zuckerreste und bakterielle Beläge auf den Zähnen und können weiterhin Karies begünstigen. Entscheidend ist eine regelmäßige, gründliche Zahnpflege mit fluoridhaltiger Zahnpasta morgens und abends, eine individuell passende Zahnbürste und für zwischendurch eine entsprechende Mundspülung. Unsere top smile day care Zahncreme kann hier Abhilfe verschaffen. Diese schützt und beruhigt, und sollte das nicht reichen, kann Ihr Zahnarzt zusätzlich helfen.", betont die Zahnärztin.
Kinderzähne sind besonders gefährdet
Gerade Kinder sind besonders anfällig für Zahnerosion, da ihre Zähne noch empfindlicher sein können. Problematisch sind vor allem stark säurehaltige Produkte wie Fruchtbonbons, saure Süßigkeiten oder Trinkpäckchen. "Kinder entwickeln früh Gewohnheiten, die sie oft viele Jahre beibehalten. Deshalb ist es wichtig, ihnen von Anfang an zu vermitteln, dass Wasser die beste Erfrischung für den Alltag ist", erklärt Dr. Worseg. Besonders Kinder mit sogenannten Kreidezähnen, einer Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes, reagieren häufig empfindlich auf Säuren. Selbst eigentlich gesunde Lebensmittel wie Obst können dann Beschwerden verursachen. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt, damit Veränderungen früh erkannt und behandelt werden können.
Einfache Maßnahmen den Zahnschmelz zu schützen
"Unsere Zähne sind täglich zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Gerade in der warmen Jahreszeit sind die kulinarischen Verlockungen besonders groß und damit auch die Herausforderungen für unsere Zahngesundheit. Mit einfachen Maßnahmen können wir jedoch viel dazu beitragen, unseren Zahnschmelz zu schützen und die Zähne langfristig gesund zu erhalten", sagt Dr. Kristina Worseg.