Böse Überraschung
Expertin warnt vor neuem Putin-Knall für Europa
Während Russland im Krieg gegen die Ukraine weiterhin hohe Verluste erleidet und trotz massiver Raketen- und Drohnenangriffe keine entscheidenden militärischen Erfolge erzielt, wächst bei Sicherheitsexperten die Sorge vor einer Ausweitung der Konfrontation. Die Politikwissenschaftlerin und Russland-Expertin Hanna Notte warnt im Podcast von Paul Ronzheimer vor einem Szenario, das Europa direkt betreffen könnte.
Auch interessant
Aus ihrer Sicht könnte der Kreml angesichts begrenzter militärischer Optionen in der Ukraine versuchen, den Druck auf Kiews Unterstützer zu erhöhen. "Ich sage nicht, dass es definitiv passieren wird. Aber es ist eine Möglichkeit, dass Russland zu dem Punkt kommt, an dem es sagt: Die Ukraine trifft mit ihrer "Deep-Strike"-Kampagne ständig unser Hinterland", erklärt Notte. In diesem Fall könnten europäische Staaten, die Waffen liefern und logistische Unterstützung leisten, stärker ins Visier geraten.
Mögliches Szenario
Dabei rechnet die Expertin nicht mit einer groß angelegten Invasion von NATO-Staaten. "Das wahrscheinlichste Szenario eines russischen Angriffs auf NATO-Gebiet ist für mich keine Großoffensive und kein großer Krieg", sagt sie. Stattdessen seien "gezielte" Angriffe auf Rüstungsstandorte, Logistikzentren oder andere militärisch relevante Infrastruktur denkbar.
Ein solches Vorgehen hätte vor allem politische Wirkung. Notte skizziert in Ronzheimer ein mögliches Szenario: "Es fliegen ein paar Marschflugkörper nach Polen auf ein vermeintliches Waffendepot (...) und es sterben zwölf Menschen." Die entscheidende Frage sei dann, ob die NATO geschlossen reagiert oder ob innerhalb des Bündnisses Uneinigkeit entsteht.
Droht Krieg mit Russland?
Mit ihrer Warnung steht Notte nicht allein. Mehrere europäische Verteidigungsminister und Militärs haben in den vergangenen Jahren vor einer wachsenden Bedrohung durch Russland gewarnt. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, Russland könne innerhalb weniger Jahre die Fähigkeit entwickeln, NATO-Gebiet anzugreifen. Auch Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen warnte, Moskau könnte versuchen, die Bündnissolidarität zu testen.
Gleichzeitig verstärkt die NATO ihre Verteidigungsplanungen an der Ostflanke und baut ihre militärische Präsenz in den baltischen Staaten aus. Hintergrund ist die Sorge, dass Russland künftig verstärkt auf begrenzte militärische oder hybride Aktionen setzen könnte, um die Entschlossenheit Europas zu untergraben und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.