Während sich seine Kollegen Marco Schwarz & Co. den letzten Schliff für den Auftakt-RTL in Sölden holen, tastet sich Feller vorsichtig an rennmäßige Schwünge heran. Eine Rücken-OP im März (nach Bandscheiben-Vorfall) hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht ("Da ist etwas nachgerutscht"). Dank Physio bekam der Tiroler das Problem erst im Herbst in den Griff. Dementsprechend spät waren die ersten Schwünge möglich, "wobei ich von rennmäßigem Training auch jetzt noch weit entfernt bin".
"Auch privat schwierige Zeiten"
Dazu kamen mentale Probleme: "Ich habe auch privat schwierige Zeiten durchgemacht." Von oe24 darauf angesprochen, ließ Feller tief in sein Seelenleben blicken: "Ich bin mit zehn ins Internat gekommen und danach jahrelang alles mit mir selber ausgemacht. Ich hab jeden Abend geweint. Und wenn ich jetzt unterwegs bin und mit meinen Kindern (Lio, 6 und Laila, 5, d. Red.) telefoniere, dann weinen die. Das triggert was in mir."
Lange versuchte Feller, alles wegzustecken. "Aber irgendwann funktioniert es dann nicht mehr. Ich hab dann einfach nicht mehr angerufen daheim. Dann bist du schon eine Woche weg, und keiner will mehr mit dir telefonieren. Dadurch haben wir uns distanziert."
Feller sprach auch über "zwei verschiedene Welten, in denen du unterwegs bist. Vom daheim Mit-den-Kindern-Spielen geht's ins Auto. Zweieinhalb Stunden später steig ich aus und bin im Ski-Zirkus in einer ganz anderen Welt. Das ist teilweise schon ein Challenge."
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"Hätte Handbremse früher ziehen sollen"
Wie sehr ihn diese Zerrissenheit mental mitgenommen hatte, hatte Feller schon im Jänner nach seinem überraschenden Kitzbühel-Sieg angedeutet. Jetzt spricht er Klartext: "Auf die Dauer hab ich den Zug gegen die Wand gefahren. Irgendwann ist mir alles zu viel geworden." Also suchte sich der Technikspezialist professionelle Hilfe: "Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass ich die Handbremse schon früher ziehen hätte sollen."
Dazu kamen die Rückenschmerzen. Feller: "Da ist man dann nicht immer der netteste Mensch. Am meisten bekommen es die Leute ab, die am nächsten bei dir dran sind. Irgendwann denkst du dir: Du bist nicht mehr der, der du einmal warst, du bist nicht mehr du selbst ..."
Der erste Schritt zur Lösung war, über das Ganze zu reden, was ich früher nie gemacht hab. Für ein Outing im Podcast "Papa Mia!?" habe er viel positives Feedback bekommen."
Allerdings tauchten parallel Gerüchte über Fellers Eheleben auf. Feller: "Das hat alles noch viel schlimmer gemacht." Die Verletzungspause im Sommer nützte Feller auch, um sich mit seiner Frau (Manuel ist seit Frühjahr 2025 mit Selina verheiratet) auszureden und um mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen: "Wir waren viel in der Natur, waren gemeinsam Fischen und so weiter."
"Jetzt passt es soweit, aber ich hab Angst ..."
Und jetzt? "Jetzt passt es soweit," sagt der sensible Skistar. Aber er hat Angst, "dass wenn es wieder losgeht man wieder in alte Muster verfällt, dass der Tunnelblick wieder kommt."
Weniger Riesentorlauf-Trainingstage helfen zusätzlich - und dass ihm der Auftakttrubel in Sölden erspart bleibt: "Der Herbst war immer ein Stress, von dem her ist es jetzt viel ruhiger."
Abgesehen davon hat er jetzt mehr Zeit, "in den Slalom zu investieren." Und: "Wenn ich merk, dass ich meine sieben Zwetschken beisammen hab, ist es schön, wenn mir auch Zeit daheim bleibt."
Und wie geht's dem Rücken aktuell? Feller: "Man steht jeden Tag auf und schaut wie's geht - aber seit sechs, sieben Wochen lässt sich der Alltag ohne Schmerzen bewältigen und ich kann das Training jede Woche ein bissl steigern."
Wobei der Slalomweltcup-Sieger 2023/24 noch weitgehend auf Training mit Gewichten verzichtet: "Am Schlimmsten ist Herumstehen, Sitzen und Autofahren." Und wann steigt er in den Weltcup ein? "Ich kann noch nicht sagen, ob das in Levi (Slalom-Auftakt am 15. November, d. Red.), in Gurgl (22.11.) in Val d'Isère (12.12.) sein wird."