EIFERSUCHTSDRAMA

Femizid-Versuch im Innviertel: Messerstecher in U-Haft

© fotokerschi.at
Opfer ist ansprechbar und außer Lebensgefahr.
Zur Vollversion des Artikels

Mettmach: Bluttat am Reiterhof: Nach einem Femizidversuch am Freitag in einer Wohnung im Bezirk Ried im Innkreis, bei dem ein 37-Jähriger seine 30-jährige Ex-Freundin mit einem Messer schwer verletzt haben soll, ist am Sonntag die Untersuchungshaft über den Verdächtigen verhängt worden. In seiner ersten Einvernahme hatte sich der zur Tatzeit alkoholisierte Rumäne laut Staatsanwaltschaft weitgehend geständig gezeigt.

Mit Alkohol vernebelt

Am Sonntag habe der Beschuldigte bei der Haftverhandlung gegenüber dem Richter erklärt, dass der Alkohol seine Erinnerung "vernebelt hat", wie Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried, gegenüber der APA schilderte. Der Mann habe gesagt, er könne sich aufgrund der starken Alkoholisierung nicht mehr genau erinnern, aber es werde wohl so gewesen sein, wie Zeugen den Vorfall geschildert haben. Die Untersuchungshaft wurde wegen Tatbegehungsgefahr verhängt.

Wahrscheinlich aus Eifersucht

Das Motiv sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" Eifersucht gewesen, hatte der Staatsanwalt am Samstag erklärt. Das Opfer sei ansprechbar gewesen und habe sich entsprechend eines Eifersucht-Motivs geäußert. Die Frau habe mit dem Täter eine langjährige Beziehung geführt, die zu Ende gegangen sei. "Sie dürfte einen neuen Partner haben."

Der verdächtige Rumäne sieht es offenbar anders: In der Einvernahme soll er gesagt haben, dass er und die Frau nach einer Beziehungspause wieder zusammengekommen seien. Es sei aber noch ein anderer Mann im Spiel gewesen, habe der Beschuldigte erklärt, der zum Tathergang "weitgehend geständig ist".

ORF hat Staatsanwalt Alois Ebner interviewt. © ORF

Der Mann habe bereits am Freitag in seinen ersten Angaben vor der Polizei eine Tötungsabsicht durchaus zugestanden. Er sei mit 2,2 Promille stark alkoholisiert gewesen, sagte Ebner. In der Nacht vor der Tat habe sich der Verdächtige eigenen Angaben zufolge mit Whisky und anderen alkoholischen Getränken betrunken. Am Freitag in der Früh traten das spätere Opfer, eine Polin, und der Rumäne ihren Dienst auf einem Pferdehof an. Der Verdächtige hatte auf dem Areal eine Wohnung. Die Frau soll bei ihm zeitweise gewohnt haben, wie der Beschuldigte erklärt hatte.

Bei der gemeinsamen Arbeit im Stall wurde das spätere Tatmesser zum Aufschneiden von Strohballen verwendet, wie der Staatsanwalt erklärte. In dem Stallbereich sei es zu einem Streit zwischen den beiden und der Messerattacke gekommen. Zwei minderjährige Kinder der Frau haben sich laut Ebner währenddessen in der Wohnung des Rumänen aufgehalten und von der Tat nichts mitbekommen.

Zweimal in den Rücken

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem versuchten Mord aus. Den bisherigen Ermittlungen zufolge soll der 37-Jährige mit dem Küchenmesser zweimal in den Rücken und einmal in den Oberarm der Frau gestochen haben. Der Verletzten gelang die Flucht in einen Nachbarort. Sie lief mehrere hundert Meter, der Täter soll sie mit dem Messer verfolgt haben.

Gegen Heckscheibe gestochen

Zwei vorbeikommende Verkehrsteilnehmer zogen die Frau in ihr Fahrzeug. Als der Verdächtige die Autotür öffnen und die Frau erneut angreifen wollte, verhinderte dies der Lenker, beschrieb die Polizei gestern die dramatischen Szenen. Es sei zu einem kleinen Gerangel zwischen Autofahrer und Täter gekommen, erklärte der Staatsanwalt. Der Autofahrer habe die Türe zugeschlagen und wegfahren können. Per Notruf wurde die Polizei alarmiert.

Beim Wegfahren habe der 37-Jährige noch mit dem Messer gegen die Heckscheibe gestochen, hieß es seitens der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Anschließend fuhr er zurück zum Pferdehof. Einsatzkräfte nahmen den Mann anschließend widerstandslos in seiner Wohnung fest und stellten die mutmaßliche Tatwaffe sicher.

Kinder nach Polen gebracht

Die 30-Jährige erlitt schwere Verletzungen, akute Lebensgefahr bestand nicht. Sie wird in einem Krankenhaus in Linz medizinisch betreut. "Sie ist ansprechbar und wird Montag oder Dienstag einvernommen werden", sagte der Staatsanwalt. Mit Zustimmung der zuständigen Bezirkshauptmannschaft als Jugendwohlfahrtsträger befinden sich die beiden Kinder nun bei ihrem Großvater mütterlicherseits in Polen. In der kommenden Woche werde in der Causa weiter ermittelt.