"Können nicht so weitermachen"
FIFA-Knall: UEFA entzieht Infantino das Vertrauen
Die UEFA hat dem Schweizer offen das Vertrauen entzogen und fordert eine grundlegende Aufarbeitung innerhalb des Weltverbandes. Auslöser ist Infantinos Plan, Anteile an FIFA-Wettbewerben – darunter die Weltmeisterschaft – an private Investoren zu verkaufen.
Das milliardenschwere Vorhaben, bei dem ein Investment von rund 4 Milliarden Euro im Raum stand, stieß weltweit auf massive Kritik. Besonders die UEFA stellte sich an die Spitze des Widerstands. In einer deutlichen Erklärung begrüßte der europäische Verband zwar den Rückzug der Pläne, kritisierte aber den Umgang damit scharf.
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"Können nicht so weitermachen"
"Wir können nicht so weitermachen mit geheimen Plänen, die in kurzer Zeit von anonymen Personen ausgearbeitet werden", erklärte die UEFA. Der Verband betonte zudem, dass die FIFA-Führung nicht nur das Vertrauen Europas, sondern auch vieler anderer Fußballverbände verloren habe.
Der Widerstand zwang Infantino schließlich zum Rückzieher. In der Nacht auf Samstag erklärte der FIFA-Chef, das Projekt werde nicht weiterverfolgt. Es habe zu Spaltungen geführt, die nicht mehr mit dem Ziel vereinbar seien, den Fußball zu vereinen und weiterzuentwickeln.
Für Infantino ist die Affäre dennoch ein schwerer Rückschlag. Erstmals seit seinem Amtsantritt 2016 formierte sich eine breite Front gegen den FIFA-Präsidenten. Neben der UEFA stellten sich auch CONCACAF, der asiatische Verband AFC und weitere Mitgliedsverbände gegen die Pläne. Nach Berichten soll eine Mehrheit von rund 135 FIFA-Mitgliedern gegen das Projekt gewesen sein.
Der europäische Verband kündigte an, unmittelbar mit Partnern weltweit in den Dialog zu treten, um neue Wege zu finden, die FIFA-Gelder zu verteilen. "Das ist ein Sieg für das ganze Spiel", schrieb die UEFA. "Aber es darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Vorschlag wurde zurückgenommen. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wieder aufzubauen, hat gerade erst begonnen."
"Schäbiger" und "undurchsichtiger" Deal
Infantinos Pläne kritisierte die UEFA heftig. "Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefädelt und anschließend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz." Infantino habe es zudem nicht geschafft, die milliardenschweren Rücklagen der FIFA den Verbänden und damit dem Fußball zukommen zu lassen.
Anfang vom Ende?
Auch innerhalb der FIFA kam es zu Widerstand. Carlos Cordeiro, ein enger Berater Infantinos, trat aus Protest zurück. Kurz darauf kritisierte auch FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour das Vorhaben und warf dem Präsidenten vor, die Organisation nicht ausreichend eingebunden zu haben.
Nun wird sogar über eine mögliche Ablösung Infantinos diskutiert. Die nächste FIFA-Präsidentenwahl findet 2027 statt, bei der der Schweizer eigentlich für eine vierte Amtszeit antreten wollte. Doch Mitgliedsverbände könnten theoretisch bereits vorher ein Misstrauensvotum einleiten. Dafür wären 46 FIFA-Verbände notwendig.
Die UEFA kündigte an, gemeinsam mit anderen Kontinentalverbänden alle Optionen zu prüfen. "Der Vorschlag ist vom Tisch, aber die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, beginnt erst jetzt", erklärte der Verband.
Infantino bleibt vorerst im Amt, doch seine bislang kaum erschütterte Machtposition hat erstmals deutliche Risse bekommen. Der Kampf um die Zukunft der FIFA könnte damit bereits begonnen haben.