Nach Premieren-Saison

Football-Knall: Vienna Vikings legen im Liga-Streit nach

© Daniel Schoenherr
Am  Sonntag holten die Vienna Vikings gegen die Wroclaw Panthers in eindrucksvoller Manier den ersten Gold Bowl, danach gab es Spitzen in Richtung der Konkurenzliga EFA.
Zur Vollversion des Artikels

Football-Fans in Europa werden dieses Jahr so schnell nicht vergessen und es könnte noch weitergehen. Als die Vienna Vikings im Vorjahr das letzte ELF-Finale der Geschichte gegen Stuttgart Surge vor 30.000 Zuschauern verloren haben, stand der professionell geführte US-Sport am Scheideweg. Die erfolgreichen ELF-Teams wollten eine neue Liga gründen und den nächsten Schritt machen.

Doch was folgte, war pures Drama. Einige Owner der Teams konnten sich auf kein geeignetes Ligamodell einigen. So gab es innerhalb der ohnehin schon angeschlagenen Mannschaften eine weitere Aufsplittung. Die Vienna Vikings mit Owner Robin Lumsden, Rhein Fire, Berlin Thunder und die Wroclaw Panthers entschieden sich für einen sicheren Weg. Unter der Aufsicht von US-Investor und CEO Joel Nagel wurden noch vier weitere Teams aus dem Boden gestampft. Die London Warriors, Paris Lights, Firenze Red Lions und Alpine Rams rundeten die AFLE: The League Europe ab. Nächstes Jahr kommen mit den Warsaw Eagles mindestens eine neue Franchise dazu.

Dem gegenüber stand die EFA mit Geldgeber Thomas Kroehne, auch Owner der Munich Ravens und Investor David Gandler, dessen Londoner Team nächstes Jahr in der zweiten Semo-Pro-Liga an den Start gehen soll. Neben München und London sind die Raiders aus Tirol, Frankfurt Galaxy, Nordic Storm und Paris Musketeers teil der EFA.

US-Investor ganz volksnah

Im Vorfeld des Gold Bowl in Duisburg versuchte Lumsden die Wogen zu glätten. Doch es scheint, als gebe es derzeit keine Möglichkeit auf Annäherung. Das Zuschauer-Duell bei den Endspielen hat die AFLE für sich entschieden. Während bei der EFA in Innsbruck beim Kracher zwischen Nordic Storn und den Ravens trotz der Nähe zu München nur etwa 4.000 Fans kamen, lockte der Gold Bowl zwischen Wien und Breslau immerhin etwas mehr als 6.000 Besucher in die schauinslandreisen-Arena. Der große Fan-Rückgang lässt sich dennoch nicht von der Hand weisen.

Joel Nagel und Jim Tomsula beim Fan-Talk im Knoten. © privat

Beide Vereinigungen setzten mit NFL-Ikone Jim Tomsula (AFLE) und dem deutschen NFL-Vorbild Markus Kuhn (EFA) auf prominente Präsidenten um die Fans zu besänftigen. Allerdings gelang der AFLE im Saison-Finish eine große Charme-Offensive. Das Endspiel in Duisburg war ein top organisiertes Event, in dessen Rahmen der bislang kaum aufgetretene CEO auch vor die Fans trat. Bei einem großen Fantreffen am Freitag im legenadären Fan-Lokal Knoten, stand er den Besuchern geduldig und auch auf Deutsch Rede und Antwort. Die Vorwochenveranstaltung in Innsbruck hingegen war vergleichsweise bescheiden organisiert.

Scharfe Töne zwischen den Meister-Quarterbacks

Doch EFA-Champion Nordic Storm schoss bereits vergangene Woche Giftpfeile in Richtung Wien. Quarterback Jadrian Clark wetterte nach dem Coup, dass man die Vikings in einem direkten Duell vom Platz fegen würde und die AFLE-Teams nur aus Angst in eine andere Liga gegangen sind. Die Antwort aus Österreich ließ allerdings nur eine Woche auf sich warten. Vikings-Quarterback Ben Holmes, dessen Zukunft entgegen mancher Insider-Meldungen noch nicht geklärt ist, meinte nach dem Triumph gegenüber oe24: "Mir ist egal, was Clark sagt. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir sie letztes Jahr nach Hause geschickt. Wen interessiert, was er sagt? Wir werden heuer nicht gegen sie spielen, also hat sich das erledigt."

Eine klare Aussage, die zeigt, wie verhärtet die Fronten zwischen den beiden Ligen ist und wie aussichtslos eine Wiedervereinigung in der näheren Zukunft ist. Auch Wikinger-Coach Chris Calaycay schlug ähnliche Töne an. "Ich würde mich auf die Herausforderung freuen. Aber das ist der falsche Zeitpunkt darüber zu reden", so der Meistermacher, der seit 1999 in Wien den Ton angibt und auch weiterhin Teil der Vikings bleiben wird. Dennoch appeliert er gewohnt diplomatisch, dass sich die Verantwortlichen "zusammen setzen und reden sollten" anstatt immer wieder mit kleinen Attacken einander zu Schaden. Denn die Rechnung der Fans bekam man in der abgelaufenen Saison präsentiert, jetzt ist es an der Zeit die Anhänger in Football-Europa wieder zu begeistern.