Bullen chancenlos
"Ganz gefährlich" - Röhl warnt nach 0:4-Abfuhr
Einen Tag nach dem 3:6 des LASK gegen Liverpool ist auch Salzburg vor Heimpublikum zum Kanonenfutter eines europäischen Großclubs geworden. Beim 0:4 in der Europa League präsentierten sich die Bullen gegen AC Milan chancenlos, wollten die erste Saisonniederlage überhaupt aber nicht zu hoch hängen. "Von der Einstellung her haben wir nicht viel falsch gemacht", beteuerte Außenverteidiger Dominik Schmid. Trainer Danny Röhl fand den Milan-Sieg um "mindestens ein Tor zu hoch".
Auch interessant
Die nackten Fakten nahmen sich nach Abpfiff deutlich aus. Nur viermal hat Salzburg im Europacup höhere Niederlagen kassiert, zuhause war es eine der vier höchsten. Von einem 1:1 gegen Milan wie im Heimspiel vor vier Jahren in der Champions-League-Gruppenphase war man diesmal jedenfalls weit entfernt. "Das schaut sehr, sehr schlecht aus", gestand Offensivmann Jesper Lindström. Die Klasse des Gegners dürfe freilich nicht übersehen werden. "Normalerweise ist das eine Champions-League-Mannschaft", betonte der Däne.
Röhls Truppe zeigte besonders in der ersten Viertelstunde, aber auch danach durchaus gute Ansätze. "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Unser hohes Pressing hat zu vielen, vielen Ballgewinnen geführt", erklärte der 37-Jährige. Der Ertrag war freilich in dieser Phase genauso wie später bescheiden. "Da müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen, dass wir dort nicht so konkret waren und das viel besser gespielt haben", gestand Schmid.
Röhl-Kritik am Defensivverhalten
Für Gefahr sorgte lediglich der Tabellenfünfte der Serie A. "Wir haben gesehen, wie uns eine Spitzenmannschaft mit wenigen Kontakten im letzten Drittel vor Probleme gestellt hat", konstatierte Röhl. Dass Triplepacker Alphadjo Cisse mit seinen ersten beiden Treffern (15., 33.) schon eine frühe Vorentscheidung herbeiführen konnte, lag aber nicht nur an der individuellen Klasse beim siebenfachen CL- bzw. Meistercupsieger.
So gefällig Röhl das Spiel gegen den Ball empfand, so zeigte er sich doch enttäuscht über das Defensivverhalten. "Bei der Verteidigung unserer Box waren wir nicht gut, vor allem bei den (ersten) Gegentoren. Da waren wir nicht wach genug. Und das wird auf diesem Level auch bestraft", konstatierte der ehemalige Coach der Glasgow Rangers. Dass Bartos Mazurek vor dem 0:4 mit einem einfachen Ballverlust vor dem Strafraum eine Einladung an Torschütze Goncalo Ramos aussprach, passte ins Bild.
Das "perfekte Spiel", das man im Vorfeld des Duells ersehnt hatte, blieb nur eine Hoffnung. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass Milan-Coach Ruben Amorim zum Teil Leuten aus der zweiten Reihe sein Vertrauen schenkte. Erst nach einer Stunde kamen etwa der aktuelle CL-Sieger Ramos oder Kroatiens Altmeister Luka Modric. "Heute war Milan mindestens einen Kopf größer als wir", sagte Röhl, hoffte aber auf den Lerneffekt. "Für viele meiner Spieler war das auf dem Level der nächste Schritt."
"Wird uns nicht umwerfen"
Der nächste Stopp ist auf jeden Fall am Sonntag (14.30 Uhr) wieder zuhause Bundesliga-Nachzügler Altach. Am kommenden Donnerstag steigt dann das EL-Auswärtsspiel bei Sloweniens Meister Celje, der Omonia Nikosia 0:3 unterlag und weiter auf den ersten Punkt wartet. Salzburg, das bei drei Zählern hält, kommt da in ganz anderer Rolle. Röhl warnte naturgemäß vor überzogenen Erwartungen: "In der Europa League von Pflichtsiegen zu sprechen, ist ganz gefährlich."
Angst, dass seine Mannschaft nach der ersten Saisonniederlage im 16. Pflichtspiel mit mentalen Folgewirkungen zu kämpfen hat, zeigte Röhl nicht. "Wir haben einen ganz guten Start gehabt, deswegen wird uns so eine Niederlage nicht umwerfen", stellte er klar. "Ich weiß, dass meine Mannschaft hervorragend reagieren wird."