Acht Tote

Heftige Luftangriffe erschüttern Ukraine

© APA/AFP/ROMAN PILIPEY
Laut Bericht ist es "einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn". Mindestens acht Menschen starben und mehr als 30 Personen wurden verletzt.
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Erneut sind mehrere Städte in der Ukraine zur Zielscheibe einer heftigen Angriffswelle mit russischen Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörpern geworden. Aus Kiew wurden in der Nacht auf Donnerstag eine Vielzahl an Explosionen gemeldet, nach Behördenangaben gab es in der Hauptstadt mindestens acht Tote und 34 Verletzte. Demnach wurden einige mehrstöckige Wohnhäuser getroffen, ein Hotel im Stadtzentrum ging zudem in Flammen auf.

Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete ebenfalls über zahlreiche Einschläge in Kiew. Laut dem Nachrichtenportal "The Kyiv Independent" setzten die Angreifer Dutzende Raketen und Marschflugkörper ein. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst nicht überschaubar, die ersten Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Im Bericht des Portals war von einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn die Rede. Verängstigte Bewohnerinnen und Bewohner Kiews suchten demnach in U-Bahn-Stationen Zuflucht. Viele von ihnen hätten dort Zelte aufgeschlagen, um die Nacht vor Luftangriffen geschützt unter der Erde zu verbringen, hieß es.

Dieses vom ukrainischen Rettungsdienst am 2. Juli 2026 aufgenommene und herausgegebene Bild zeigt Rettungskräfte bei der Bergung einer verletzten Person aus einem beschädigten Wohnhaus nach Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. © APA/AFP/UKRAINIAN EMERGENCY SERV

"Unglaublich laute Explosionen"

Nach ersten Einschlägen am Abend wurde demnach auch Donnerstagfrüh wieder Luftalarm ausgelöst. Knapp ein Dutzend russische Bomber seien in der Luft, hieß es. Kurz darauf meldeten Reporter des Portals "unglaublich laute Explosionen", die selbst in tief unter der Erde gelegenen Luftschutzbunkern deutlich zu hören gewesen seien. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko geriet das Dach eines Hotels am zentralen Schewtschenko-Boulevard in Brand.

Dicke Rauchwolke steigt über der Stadt Kiew nach einem russischen Luftangriff auf. © APA/AFP/ROMAN PILIPEY

Auch in anderen Städten der Ukraine - darunter Saporischschja und Pawlohrad im Südosten sowie Sumy und Charkiw im Nordosten des Landes - gab es Berichten zufolge Luftalarm und Explosionen. Informationen zu möglichen Schäden und Opfern lagen zunächst nicht vor. Das benachbarte Polen hatte kurzzeitig Kampfflugzeuge als Vorsichtsmaßnahme in die Luft geschickt, diese dann aber wieder zurückgerufen und mitgeteilt, dass keine Luftraumverletzung festgestellt worden sei.

Dieses Pressefoto des ukrainischen Rettungsdienstes vom 2. Juli 2026 zeigt Einsatzkräfte bei Löscharbeiten an einem Wohngebäude, das infolge von Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew beschädigt wurde. © APA/AFP/UKRAINIAN EMERGENCY SERV

Selenskyj sah massiven Angriff kommen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem bevorstehenden Großangriff auf die Ukraine gewarnt. Alle ein bis zwei Wochen gebe es massive Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen - und "heute gibt es die unangenehme Information über die nächste Vorbereitung eines solchen massiven russischen Angriffs", sagte er am Rande einer Zeremonie zum Wechsel der EU-Ratspräsidentschaft in Dublin. Daher werde er direkt nach der Pressekonferenz rasch in die Ukraine zurückkehren. Seine Landsleute sollten Alarmsignale beachten und Schutzräume aufsuchen.

Abseits der täglichen Luftangriffe auf die Ukraine haben die Verteidiger laut US-Kriegsexperten zuletzt bemerkenswerte Erfolge im Abwehrkampf gegen Russland erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Einem Lagebericht der in Washington ansässigen Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) zufolge machen den Russen neben ihrer stotternden Bodenoffensive und vereinzelten Geländegewinnen der Ukrainer vor allem die steigenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen.

Russische Verluste deutlich höher

Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht - allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Während das Verhältnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit über bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 8:1 gestiegen. Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen.

Die Gesamtzahl der russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000. Ende Jänner hatte die Bilanz noch bei etwa 325.000 getöteten Russen und 100.000 bis 140.000 Ukrainern gestanden. Inzwischen übersteige die monatliche Zahl der russischen Verluste auch die der Neurekrutierungen, hieß es weiter.

Gezielte Desinformation beider Kriegsparteien

Das CSIS stützt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder. Die Angaben der Denkfabrik gelten als vergleichsweise zuverlässig, sind angesichts der schwer durchschaubaren Quellenlage und gezielten Desinformation beider Kriegsparteien aber dennoch mit Vorsicht zu genießen - zumal die Ukrainer von Waffen und Geheimdiensterkenntnissen aus den USA profitieren.

Während beide Kriegsparteien täglich gegnerische Verluste vermelden, legen sie höchst selten eigene Opferzahlen dar. Es gilt als sicher, dass sowohl Russlands Führung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen und jene in den Reihen des Gegners aufbauschen. Andere Schätzungen decken sich nicht mit den offiziellen Zahlen aus Moskau und Kiew.

Neben den stark gestiegenen Opferzahlen sieht sich Russlands Militär laut CSIS-Lagebericht auch mit anderen Rückschlägen auf dem Schlachtfeld konfrontiert. So hätten die Angreifer das von ihnen kontrollierte Gebiet in der Ukraine im Frühling 2026 erstmals seit Jahren nicht mehr vergrößern können und dazu einzelne Geländegewinne der Ukrainer hinnehmen müssen. Auch seien ihre Vorstöße an der mehr als tausend Kilometer langen Front langsamer geworden. Historisch betrachtet sei die Kampfbilanz der Russen im Ukraine-Krieg verglichen mit der anderer militärischer Großmächte nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich miserabel.