ÖFB-Team
Herzog warnt: Sonst sind wir wieder nur Durchschnitt
Andreas Herzog und Willi Ruttensteiner werden das Nations-League-Spiel der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft am Donnerstag in Linz (20.45 Uhr/live ORF 1) gegen Israel mit besonderem Interesse verfolgen. Beide waren viele Jahre im ÖFB tätig, arbeiteten danach als israelischer Teamchef und fuhren in dieser Funktion Siege über Österreich ein. Diesmal gehen allerdings sowohl Herzog als auch Ruttensteiner von einem österreichischen Sieg aus.
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Letzterer wies jedoch im Gespräch mit der APA auf die massiven Änderungen im österreichischen Kader hin. "Die Österreicher sind klar zu favorisieren, weil sie eine international wahnsinnig erfahrene Mannschaft haben. Aber es gibt den Beginn eines Umbruchs und es wird spannend, wie sich das entwickelt, wenn langjährige Führungsspieler nicht mehr dabei sind."
Herzog schloss sich dieser Meinung an. "Alaba, Arnautovic und Sabitzer haben das Nationalteam in den letzten zehn Jahren geprägt. Jetzt werden andere in die Bresche springen müssen." In der Defensive sei die Truppe von Ralf Rangnick nach wie vor gut aufgestellt. "Doch im Angriff können wir froh sein, dass Kalajdzic wieder beim LASK ist und Gregoritsch trifft."
Alaba und Arnautovic als "Jahrhunderttalente"
In der Offensive machen sich nun laut Herzog die Fehler der Vergangenheit bemerkbar. "Weil wir in der Ausbildung in den letzten Jahren zu viel auf das Spiel gegen den Ball Wert gelegt haben." Deshalb seien Rangnick, die ÖFB-Nachwuchstrainer und auch die Clubtrainer gefordert, "damit wir wieder solche Spieler wie Alaba, Arnautovic und Sabitzer haben. Wobei ich sagen muss, einen wie Alaba oder Arnautovic sehe ich derzeit nicht. Das waren aber auch Jahrhunderttalente."
Der 58-Jährige, mit 103 Länderspielen die Nummer drei in der ÖFB-Bestenliste, warnt vor einem schleichenden Rückfall der österreichischen Auswahl. "Wir hatten zuletzt bei unserer Nationalmannschaft immer das Gefühl, dass wir jeden Gegner schlagen können. Dieses Gefühl dürfen wir nicht verlieren, sonst sind wir wieder dort, wo wir waren - im Durchschnitt."
Um dies zu verhindern, wäre ein Heimsieg gegen Israel hilfreich, und die Chancen dafür stehen laut Herzog durchaus gut. "Die Israelis sind in Heimspielen viel selbstbewusster und stärker als auswärts", meinte der Ex-ÖFB-U21-Teamchef, der von 2018 bis 2020 als israelischer Teamchef arbeitete. In diese Zeit fiel Israels 4:2 gegen Österreich am 24. März 2019 in der EM-Qualifikation in Haifa.
Israel in Offensive gut besetzt
Ruttensteiner fungierte damals als israelischer Sportdirektor. Eineinhalb Jahre später führte der Oberösterreicher die Israelis als Teamchef wieder in Haifa, diesmal in der WM-Qualifikation, zu einem 5:2 gegen Österreich. Eran Zahavi schoss in diesen beiden Partien fünf Tore, ist aber ebenso nicht mehr dabei wie der Ex-Salzburger Munas Dabbur, der jeweils einen Treffer beisteuerte. Trotzdem ist Israel in der Offensive gut aufgestellt, etwa mit dem früheren Salzburg- und nunmehrigen Ajax-Profi Oscar Gloukh, Manor Solomon von West Ham United oder Ex-WAC-Stürmer Tai Baribo. "Diese Spieler haben schon richtig Qualität", warnte Herzog.
Israel schaffte es bisher nur zu einer großen Endrunde, der WM 1970. "Die Sehnsucht nach einer Turnierteilnahme ist riesig", berichtete Herzog. "Aber in Europa ist es schwierig. Wenn sie in Asien mitspielen würden, wären sie bei der letzten WM hundertprozentig dabei gewesen."
Die politische Situation macht dies unmöglich - ebenso wie die Austragung von Heimspielen in Israel, zumindest in den kommenden Monaten. Das "Rückspiel" in der Nations League gegen Österreich steigt deshalb am 17. November im ungarischen Debrecen. "Das ist ein ganz großer Nachteil für Israel", betonte Ruttensteiner, der mittlerweile für den Weltverband als Projektleiter im sogenannten "FIFA Talent Coach Programme" tätig ist.