Schlager-Legende

Howard Carpendale macht auch mit 80 weiter

© Redferns
Howard Carpendale hat sich vom Tourleben verabschiedet. "Aber ich habe keine Ahnung, wann ich zu singen aufhöre", sagt der 80-Jährige.

Daher gibt der Sir des Schlagers, auch wenn er sich "20 Hallen hintereinander" nicht mehr antun will, weiterhin Konzerte - so am 20. Juli auf der Seebühne Mörbisch. Es soll eine "Art von Party" werden. "Allerdings auch mit Liedern, mit denen man das Publikum emotional erreicht. Die will ich Open Air nicht ganz weglassen."

Seine Freiluftkonzerte gestaltet Carpendale bewusst anders: "Da ist nicht so viel Zeit für große Lieder in Richtung Politik oder Haltung zur Welt", betont er. "Die Leute wollen Spaß haben. Die haben meistens etwas zu trinken in der Hand. Es ist ein ganz anderes Gefühl." Das Programm wird daher zahlreiche Hits beinhalten. "Aber es soll nicht der Eindruck entstehen, ich würde 'Deine Spuren im Sand' und 'Ti amo" singen - und das war's. Das würde mich nie zufriedenstellen! Da müssen schon auch Lieder dabei sein, bei denen die Menschen für ein paar Minuten auf die Texte hören."

Das Publikum überraschen

Seit rund sechs Jahrzehnten steht Carpendale auf der Bühne. Weiterentwicklung hält er für essenziell: "Ich glaube, wenn man eine lange Karriere haben will, muss man überlegen, wie man die Leute noch überraschen kann." Das sei nie ohne Risiko, weiß er: "Weil man sich immer fragt, ob das ankommt. Aber eigentlich sollte man sich diese Frage gar nicht stellen. Man soll das machen, woran man glaubt. In den 60 Jahren meiner Karriere, gab es Momente, wo ich lange Zeit ganz weit oben war, und Zeiten, in denen es ruhiger war um mich. Das sind Zeiten, die man durchmachen muss."

Längst steht Carpendale ganz oben, wie "gut 250.000 Besucherinnen und Besucher" seiner letzten regulären Tournee beweisen. Dabei habe er sich nie als Musiker bezeichnet, betont der Schlagerstar. "Musiker sind für mich Leute wie Peter Maffay oder Udo Lindenberg. Ich bin eher zufällig in der Musikbranche gelandet. Aber ich liebe diese Branche. Ich sehe das nicht so verbissen, dass alles ein Hit und erfolgreich sein muss. Man muss einfach das tun, woran man glaubt. Natürlich ist Erfolg sehr schön. Es war ein tolles Gefühl und großes Kompliment, als 80-Jähriger in München in der Olympiahalle, die mit 12.000 Menschen brechend voll war, auf die Bühne zu kommen."

"Zeitlos" heißt ein dieses Jahr erschienenes Album zum runden Geburtstag mit Neuaufnahmen von Carpendales größten Hits, erweitert um einige neue Kompositionen. Warum seinen Hits auch bei Konzerten etwas Zeitloses anhaftet, erklärt Carpendale am Beispiel von "Hello Again": "Wenn ich das Lied bringe, klingt es wie eines von heute. Weil wir immer wieder ein bisschen was ändern, aber nicht so sehr, dass einer sagt: 'Ach, das ist nicht die Originalversion.' Wir ändern manchmal etwas am Groove. Vielleicht singe ich mal ein bisschen anders. Das Lied fühlt sich jedenfalls immer frisch an."

Keine reine Nostalgie

Vor Publikum fühlt sich Carpendale wohl: "Menschen, die sich mit meiner Karriere nicht beschäftigt haben, denken vielleicht: Mein Gott, es muss für einen 80-Jährigen schwer sein, ein Konzert zu geben. Ich denke überhaupt nicht in diese Richtung. Unsere Konzerte sind sehr beweglich. Ich sage nicht, dass ich tanzen kann wie Michael Jackson, aber da ist immer was los. Ich möchte nicht auf der Bühne stehen und nur aus der Erinnerung heraus nostalgische Sachen machen. Ich will immer das Gefühl haben, das Konzert ist neu und frisch."

Seit Howard Carpendale 1969 seine ersten Platten "Ich geb mir selbst 'ne Party" und "Howard Carpendale" herausbrachte, ist in der Musikindustrie kein Stein auf dem anderen geblieben. "Die ganze Branche ist jetzt eine ganz andere. Von Vierspurbändern in den 60er-Jahren bis zu Streaming - das ist schon eine weite Reise, die wir mitgemacht haben, die kein Mensch erwartet hat." Ein gänzlich neues Album werde er nicht mehr aufnehmen, versichert der Sänger: "Es macht keinen Sinn. Es bleibt nur noch Streaming. Und es kommen etwa 100.000 neue Titel pro Tag auf den Markt. Da hat man es sehr schwer, sich bemerkbar zu machen."