Comeback

»Ich war ausgebrannt«: Skisprung-Star rechnet mit dunklen Zeiten ab

© APA/EXPA/ JOHANN GRODER
Nach schwerer Knieverletzung und über 400 Tagen Pause spricht Eva Pinkelnig über seelische Narben, faule Kompromisse und ihren Neustart.
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Eva Pinkelnig (38) kämpft sich zurück auf die Schanze. Doch die schwere Knieverletzung hat bei Österreichs Skisprung-Star nicht nur körperliche Spuren hinterlassen. Mehr als 400 Tage nach ihrem verhängnisvollen Sturz in Predazzo spricht die Vorarlbergerin offen über eine Zeit, in der sie schon vor ihrem Kreuzbandriss an ihre Grenzen gestoßen war. "Ich war ausgebrannt", gesteht die frühere Gesamtweltcupsiegerin.

Am 18. September 2025 hatte sich Pinkelnig beim Sommer-Grand-Prix das vordere Kreuzband sowie Innen- und Außenmeniskus gerissen und einen Knorpelschaden im linken Knie zugezogen. Die Olympiasaison war damit gelaufen. Jetzt rückt ihr Wettkampfcomeback näher. Ob es bereits beim Weltcupauftakt am 21. November in Lillehammer klappt, ist noch offen.

»Da sind Dinge passiert, die Narben hinterlassen haben«

Besonders bemerkenswert sind Pinkelnigs Aussagen über die Zeit vor ihrem schweren Sturz. Nicht erst die Verletzung hatte ihr zugesetzt.

"Die letzten Jahre haben gezehrt. Ich habe mich überhaupt nicht mehr wohlgefühlt. Wir hatten teilweise einfach viel Chaos", erzählt die 16-fache Weltcupsiegerin.

Sie spricht von "faulen Kompromissen", die sie habe eingehen müssen. Was genau dahintersteckt, lässt sie offen. Doch ihre Worte sind deutlich: "Da sind viele Dinge passiert, die auf der Seele geschmerzt haben, die Narben hinterlassen haben."

Die lange Zwangspause wurde damit auch zur Gelegenheit, Abstand zu gewinnen. "Die sind jetzt auch geheilt, die hatten auch Zeit", sagt Pinkelnig über die seelischen Narben. Sie fühle sich wieder "frei und leicht" und könne das Skispringen genießen.

Pinkelnig kritisiert Umgang mit Frauen im Sport

Auch über die Zusammenarbeit innerhalb des Teams spricht die 38-Jährige ungewöhnlich offen. Mittlerweile funktioniere diese wieder hervorragend, sagt Pinkelnig und lobt besonders Cheftrainer Thomas Diethart.

Doch sie spricht auch ein grundsätzliches Problem an: "Das ist ein Thema im Frauensport, dass uns einfach zu wenig zugehört wird."

Es brauche Menschen, die sich wirklich um die Athletinnen kümmern und "ihr Ego ein bisschen hinten anstellen". Mit der aktuellen Betreuung sei sie sehr zufrieden. "Alle sind unglaublich bemüht, arbeiten miteinander, kommunizieren miteinander, und sie hören vor allem auch zu."

Nach zwölf Monaten zurück auf der Schanze

Der Weg zurück war lang. Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Ernährungsberater, eine Sportpsychologin, Familie und Freunde begleiteten Pinkelnig durch die Rehabilitation.

Mitte September wagte sie in Tschagguns erstmals wieder einen Sprung. Für die Vorarlbergerin hätte es ruhig früher sein dürfen. "Ich wäre schon ein paar Wochen vorher gesprungen. Aber das Team hat es sehr gut gemanagt, dass das Ganze safe ist."

Während ihr Umfeld nervös war, konnte es Pinkelnig kaum erwarten, endlich wieder auf dem Balken zu sitzen. "Für mich konnte es fast nicht schnell genug gehen", erzählt sie.

Jetzt will sie wieder angreifen. "Wirklich noch mal mit der Weltspitze mitzuhalten, das wäre einfach nur genial."

Erste Frauen-Tournee als großes Comeback-Ziel

Ihr großes Ziel ist die erste vollständige Vierschanzentournee der Frauen zum Jahreswechsel. Dazu kommen die WM in Falun und das Skifliegen in Planica.

Dass die Frauen nun endlich ihre eigene Tournee bekommen, bezeichnet Pinkelnig als längst überfällig. "Das hätte meiner Meinung nach schon vor dem Skifliegen kommen sollen. Das ist einfach die Benchmark im Skispringen."

Im österreichischen Team zählt die 38-Jährige inzwischen zu den erfahrensten Athletinnen. "Im Team bin ich jetzt die Oma", scherzt Pinkelnig. Besonders froh ist sie über die Rückkehr von Lisa Fettner, die ihren Rücktritt rückgängig gemacht hat.

"Sie gehört zu den Besten der Welt. Da weiß ich dann, wo ich hinmuss", sagt Pinkelnig über ihre Teamkollegin.

Ihr eigener Antrieb ist jedenfalls zurück. "Dementsprechend freue ich mich, jetzt noch einmal in den Zirkus einzusteigen."