Was bringt's?

Irrer TikTok-Trend: Eisbad für die Hoden

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Influencer und selbsternannte Biohacker preisen es als Geheimtipp: Ein Eisbad für die Hoden soll den Testosteronspiegel erhöhen.
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Die Idee der Kältetherapie ist nicht neu. Ob eiskaltes Duschen am Morgen oder das Bad im Eissee à la Wim Hof – Kälte härtet ab, kurbelt den Kreislauf an und stärkt das Immunsystem. Seit einiger Zeit treiben einige Männer diesen Trend jedoch auf die Spitze. Sie kühlen ihre Hoden gezielt mit Eispacks oder nehmen lokale Eisbäder. Die Versprechen der Netz-Gurus klingen verlockend, doch Mediziner und Urologen betrachten den Trend mit großer Sorge.

Warum Kälte wichtig ist

Um den Ursprung des Mythos zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die Anatomie. Der Hodensack (Skrotum) befindet sich nicht ohne Grund außerhalb des Körpers. Für eine gesunde Spermienproduktion benötigen die Hoden eine Temperatur, die etwa zwei bis drei Grad unter der normalen Körpertemperatur liegt – ideal sind rund 34 bis 35 Grad Celsius. Wird es im Schritt zu warm, leidet die Fruchtbarkeit. Da reichen schon ein heißer Laptop am Schoß, langes Sitzen auf der Autoheizung oder sehr enge Unterhosen.

Der Umkehrschluss vieler vermeintlicher Experten lautet daher: Wenn Hitze schadet, muss Kälte die Funktion verbessern.

Nutzen nicht belegt

Das größte Heilsversprechen des "Ice-Ballings" ist ein massiver Anstieg des Testosteronspiegels. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür jedoch nicht. Zwar reagiert der Körper auf einen extremen Kältereiz mit der Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin) und Endorphinen, was sich wie ein plötzlicher Energieschub anfühlt. Ein dauerhafter, signifikanter Anstieg des männlichen Sexualhormons durch lokale Eisbäder ließ sich in seriösen Studien bisher jedoch nicht belegen.

Urologen warnen sogar ausdrücklich vor dem direkten Kontakt der Hoden mit Eis oder Eiswasser. Extreme Kälte löst im Körper einen Schutzmechanismus aus: Die Blutgefäße ziehen sich schlagartig zusammen, um die Körperkerntemperatur zu halten.