Viele kennen ihn als den undurchsichtigen Grundstücksbesitzer Bill Smith im 10-fach Oscar-nominierten DiCaprio-Film „Killers Of The Flower Moon“. Dabei gilt Jason Isbell als einer der begnadetsten Musiker der Gegenwart: 6 Grammys, 15 von hymnischen Kritiken begleitete Alben und ausverkaufte Konzertserien im berühmten Ryman Auditorium von Nashville. Kein Wunder, dass er in puncto Songwriting gerne in einem Atemzug mit Bruce Springsteen genannt wird.
Boss-like ist auch seine aktuelle Europa-Tournee, bei der er nach der Unplugged-One-Mann-Show vom Vorjahr zur Solo-CD „Foxes in the Snow“ jetzt wieder seine legendäre Begleitband The 400 Unit dabei hat. oe24 war bei den beiden Auftakt-Konzerten in der Ulster Hall von Belfast und im ehrwürdigen Olympia Theatre von Dublin live dabei.
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Ähnlich epochal wie einst Led Zeppelin
1971 stimmten Led Zeppelin in der Ulster Hall erstmals „Stairway To Heaven“ an. 55 Jahre später lieferte Isbell rund um Grammy-dotierte Klassiker wie „24 Frames“ oder „If We Were Vampires“ ebendort ähnlich Epochales: ein zweistündiges Sound-Feuerwerk aus Fan-Favoriten („It Gets Easier“), Mitsing-Hits („Cover Me Up“), gediegenen Power-Balladen („Alabama Pines“) und ausufernden Gitarren-Exzessen („Miles“). Auch mit gleich einem Dutzend Instrumenten-Wechsel, originellen Bandansagen („An der elektrischen Rock-and-Roll-Gitarre: Sadler Vaden!“) und Reminiszenzen an seine Ex-Band The Drive-By Truckers („Decoration Day“): „Mit denen bin ich das erste Mal nach Europa gekommen, aber an viel kann ich mich nicht mehr erinnern, weil ich damals fast ständig betrunken war!“
Seit mittlerweile 14 Jahren ist er trocken und derart fokussiert zündete er in Belfast für 1.500 andächtig lauschende Fans eine Lehrstunde in Sachen Rock and Roll. Und das ganz ohne Bühnen-Firlefanz oder verwackelte Erinnerungs-Videos: Jason Isbell sprach ja ein Handy-Verbot aus: „Lebt im Moment!“
2. Konzert: Setlist komplett durchmischt
Ein Credo, das er tags darauf in Dublin sogar noch verstärkte: „Während der verdammten Corona-Pandemie durfte ich nur vor Kameras auftreten, deshalb will ich nun, wo es wieder geht, eure Gesichter sehen und nicht ständig irgendwelche Handys. Außerdem ist die Qualität dieser Handy-Filme ja ohnedies Scheiße.“
Zum Mitfilmen hätte es im edlen Olympia Theatre, wo Isbell eine völlig andere Dramaturgie lieferte, freilich viel gegeben: Denn gleich 10 der 22 Songs auf der komplett durchmischten Setlist wurden ausgetauscht! Somit kamen auch „Super 8“, „Cast Iron Skillet“, die Drive-By-Truckers-Erinnerung „Danko/Manuel“ oder der „A Star is Born“-Filmsong „Maybe It“s Time" für Bradley Cooper zum Zug.
Insgesamt zündete Isbell in Irland gleich 32 (!) verschiedene Songs. Das verspricht nun auch für die weiteren 11 Europa-Konzerte jede Menge Vielfalt.