Grüne Technologie

Jetzt jagen Öko-Zeppeline die Hubschrauber

© Getty Images (Symbolbild)
Europas Netzbetreiber suchen nach Wegen, die aufwendige und emissionsintensive Kontrolle ihrer Stromleitungen klimaschonender zu gestalten. Das französische Start-up HyLight will die seit Jahrzehnten üblichen Kontrollflüge per Helikopter nun durch moderne Mini-Luftschiffe ersetzen.
Zur Vollversion des Artikels

Seit fünf Jahrzehnten verlässt sich die Energiewirtschaft bei der Trassenwartung auf das exakt gleiche Muster: Hubschrauber mit spezialisierten Technikern an Bord fliegen das europäische Hochspannungsnetz ab, Mast für Mast, mit einer gemächlichen Geschwindigkeit von rund 30 km/h. Diese Methode ist zwar präzise, bringt jedoch massive ökonomische und ökologische Nachteile mit sich.

Die Belastungen der herkömmlichen Methode wiegen schwer:

  • Enorme Personalkosten für erfahrene Piloten und geschultes technisches Inspektionspersonal
  • Hoher Treibstoffverbrauch bei langen Überprüfungsflügen im Tiefflug
  • Klimabilanz unter Druck: Ein einzelner Hubschrauber bläst pro Flugstunde bis zu einer Tonne CO2 in die Atmosphäre
  • Hohe Lärmbelastung für Anrainer entlang der weitverzweigten Leitungstrassen

Das Pariser Jungunternehmen HyLight setzt genau an dieser Schwachstelle an. Mit einem eigens entwickelten, kompakten Luftschiff sollen die klassischen Hubschrauber bei der Netzkontrolle schrittweise abgelöst werden.

Wasserstoff-Antrieb als Schlüssel zur Null-Emissions-Luftfahrt

Das Herzstück der Neuentwicklung ist ein sauberer Antriebsstrang: Der Mini-Zeppelin gleitet ohne direkte Abgase und nahezu lautlos über die Freileitungen hinweg. Möglich macht dies der Einsatz von Wasserstoff zur Energiegewinnung, wodurch während der Flüge lediglich Wasserdampf entsteht.

Um den Sprung aus der Entwicklung in die Serienanwendung zu schaffen, konnte sich HyLight laut einem Bericht von Focus frische Mittel sichern:

  • Das Start-up sammelte in einer Finanzierungsrunde 13 Millionen Euro an Kapital ein
  • Bis zum Jahr 2027 plant das Unternehmen, insgesamt 15 Einheiten fertigzustellen und in den operativen Einsatz zu übergeben
  • Bei mehreren hundert Flugstunden pro Luftschiff und Jahr könnten durch den Technologie-Wechsel Tausende Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart werden
  • Mehrere französische Netzbetreiber zeigten sich vom Konzept überzeugt und arbeiten bereits mit den Entwicklern zusammen

Nach den Erfolgen am Heimatmarkt strebt das Unternehmen die Expansion ins europäische Ausland an. Als nächste Zielmärkte für den Einsatz der leisen Stromnetz-Wächter sind Deutschland und die Niederlande anvisiert.

Technische Hürden: Windanfälligkeit und Zulassungsfragen

Trotz des vielversprechenden Ansatzes steht der breite Rollout vor spürbaren Herausforderungen. Ob die 13 Millionen Euro Kapital ausreichen, um wie geplant 15 Einheiten zu bauen und die gesamte Betriebsinfrastruktur aufzubauen, gilt in Branchenkreisen als offen. Zudem hängt die tatsächliche Klimabilanz davon ab, ob für die Betankung ausnahmslos grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung steht.

Eine physikalische Grenze setzt vor allem das Wetter:

  • Der Mini-Zeppelin ist konstruktionsbedingt extrem empfindlich gegenüber Starkwind und Turbulenzen
  • In sturmgeplagten Regionen wie Norddeutschland oder den Niederlanden stoßen Luftschiffe rasch an operative Limits
  • Komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren im europäischen Luftraum verzögern grenzüberschreitende Einsätze
  • Bei stürmischer Witterung werden Netzbetreiber auch künftig nicht auf wetterfeste Hubschrauber verzichten können

HyLight beweist dennoch, dass auch in der konservativen Netzwartung ein Umdenken einsetzt. Gelingt es, die Windtoleranz zu steigern, könnten die lautlosen Zeppeline bald fixer Bestandteil am europäischen Himmel sein.