Satellit bedroht

Jetzt verlagert sich der Ukraine-Krieg sogar ins Weltall

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Ein russischer Militärsatellit ist einem westlichen Aufklärungssatelliten im All bis auf wenige Hundert Meter nahegekommen. Experten warnen vor möglichen Folgen – auch für die Sicherheit im Weltraum.
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Der russische Satellit Cosmos 2612 näherte sich in der Nacht auf Sonntag dem Satelliten ICEYE-X36 auf bis zu 578 Meter. Beide Objekte befanden sich dabei in rund 547 Kilometern Höhe. Das zeigen Berechnungen der Beobachtungsplattform "Orbital Radar".

Der niederländische Satellitenbeobachter Marco Langbroek dokumentierte mehrere Manöver von Cosmos 2612 am 30. September sowie am 12., 15. und 16. Oktober. Seiner Analyse zufolge passte der russische Satellit dabei seine Flugbahn gezielt an jene von ICEYE-X36 an. Videoaufnahmen zeigen, wie Cosmos 2612 dem anderen Satelliten im Orbit folgt.

ICEYE-X36 wurde ursprünglich in Finnland gebaut und liefert offenbar Informationen für die Ukraine. Der Vorfall wirft daher die Frage auf, ob Russland gezielt versucht, den Satelliten unter Druck zu setzen.

"Machtdemonstration" statt Inspektion

Der Verteidigungsexperte und Ingenieur Michael Bohnert von der US-Denkfabrik RAND sieht in dem Manöver ein deutliches Signal. Eine derart enge und demonstrative Annäherung sei keine gewöhnliche Inspektion, sondern eine Machtdemonstration, schrieb er auf X. Cosmos 2612 könne ICEYE-X36 jederzeit treffen.

Damit wächst die Sorge, dass Russland Satelliten im All künftig als Waffen einsetzen könnte – etwa, um sie gezielt zu beschädigen oder unter Kontrolle zu bringen.

USA warnten bereits im Juli

Auch das Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS) sieht die Entwicklung kritisch. Russland habe wiederholt erklärt, dass kommerzielle Satelliten, die die Ukraine unterstützen, als legitime militärische Ziele betrachtet werden könnten.

Die US-Space-Force hatte bereits im Juli erklärt, Cosmos-Satelliten seien in der Nähe eines westlichen kommerziellen Radarsatelliten positioniert worden, den die Ukraine für die bildgestützte Aufklärung nutzt.

Kollision könnte Kettenreaktion auslösen

Besonders gefährlich wäre ein Zusammenstoß der beiden Satelliten. Laut Bohnert könnte dadurch der sogenannte Kessler-Effekt ausgelöst werden: Bei einer Kollision entstehen Trümmer, die weitere Objekte im Orbit treffen. So könnte eine Kettenreaktion immer mehr Weltraumschrott erzeugen.

Bestimmte Umlaufbahnen könnten dadurch für lange Zeit unbenutzbar werden. Bohnert warnt vor globalen Folgen, die über Generationen hinweg spürbar sein könnten.

Das CSIS fordert deshalb, dass die USA und Europa rasch klären, wie sie auf einen möglichen feindseligen Akt im Weltraum reagieren würden. Russland müsse eine solche Reaktion zudem klar vermittelt werden.