Klimawandel

Katastrophen-Alarm in den Dolomiten: Tödlicher Eisabbruch droht

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Eine aktuelle Messkampagne zeigt, dass der Marmolada-Gletscher in den Dolomiten heuer dreimal so schnell geschmolzen ist wie im Jahr zuvor. Angesichts von massiven Wassereinschlüssen im Eis warnen Forscher nun vor einem drohenden Eisabbruch wie beim tödlichen Unglück im Jahr 2022.
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Der höchste Gletscher der italienischen Dolomiten schmilzt in einem historisch beispiellosen Tempo und steuert auf sein baldiges Ende zu. Forscher warnen nun eindringlich vor einer akuten Katastrophengefahr, da sich im Eis dieselben bedrohlichen Zustände wie vor dem tödlichen Unglück von 2022 häufen.

Ein dramatischer Rückzug bricht alle historischen Rekorde

Die wissenschaftlichen Daten der jüngsten Messungen am Marmolada-Gletscher lassen keinen Spielraum für Optimismus. Die achte gemeinsame Messkampagne der Universität Padua und der regionalen Umweltschutzbehörde Venetiens (ARPAV) hat in diesem Sommer am höchsten Berg der Dolomiten einen dramatischen Rückgang des Hauptgletschers um sagenhafte 23 Meter gemessen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der gemessene Rückgang noch bei acht Metern. Die heurige Schmelze übertrifft damit sogar die Werte des bisherigen Rekord-Hitzejahres 2003 bei weitem.

Kampagnenleiter Mauro Varotto zeichnete im Gespräch mit dem staatlichen Sender RAI ein düsteres Bild für die Zukunft des Eisriesen. Sollten sich extreme Sommer wie der vergangene in den kommenden Jahren wiederholen, könnte der Gletscher in nur noch etwa zehn Jahren komplett verschwunden sein. Besonders besorgniserregend ist der totale Verlust von neun Hektar Gletschereis innerhalb eines einzigen Jahres, was einen historischen Tiefststand für die verbliebene Eisoberfläche auf der Marmolada bedeutet.

Akute Einsturzgefahr an der Westfront durch Schmelzwasser

Die kritischste Situation orten die Experten derzeit an der Westfront der Marmolada. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich das Eis dort um eine Distanz von 120 Metern zurückgezogen. Die untere Grenze des Gletschers liegt mittlerweile auf über 2.900 Metern Seehöhe, während der höchste Punkt der Marmolada-Gruppe bei 3.343 Metern liegt. Der Gletscher präsentiert sich den Forschern mittlerweile als nahezu vollständig schneefrei. Einzig unter den speziellen Textilplanen des dortigen Gletscherskigebietes befindet sich noch eine künstlich geschützte Schneedecke.

Noch weitaus gefährlicher ist jedoch ein Phänomen, das sich im Inneren des Gletschers abspielt. Aldino Bondesan, der Leiter der zuständigen Region Triveneto, schlug Mitte August Alarm. Bei seinen Untersuchungen stellte er fest, dass die Gletscherspalten direkt oberhalb der Abbruchkante von 2022 randvoll mit flüssigem Schmelzwasser gefüllt waren. Genau dieser Zustand wurde in wissenschaftlichen Analysen als Hauptursache für den katastrophalen Gletscherbruch identifiziert, bei dem am 3. Juli 2022 elf Bergsteiger getötet und acht weitere schwer verletzt wurden, als tonnenschwere Eismassen völlig unvermittelt ins Tal rasselten.

Der Permafrost taut selbst auf den höchsten Alpengipfeln komplett auf

Die Ursache für diese beschleunigte Schmelze liegt in den extremen Temperaturen der vergangenen Monate. Selbst in den allerhöchsten Lagen der Dolomiten ist in diesem Sommer kein Neuschnee gefallen, der das Eis hätte schützen können. Stattdessen schreitet das Auftauen des Permafrosts – des dauerhaft gefrorenen Bodens im Hochgebirge – rasant voran.

Besonders alarmierend sind in diesem Zusammenhang die Daten der Messstation am Piz Boè auf 3.152 Metern Höhe, dem höchsten Gipfel der benachbarten Sellagruppe. Die dortigen Sonden fanden in keiner einzigen Bodentiefe mehr gefrorenen Boden vor. Nach Angaben von Gianni Marigo von der Umweltschutzbehörde Arpav war der vergangene Sommer der wärmste in den Dolomiten seit Beginn der laufenden Messungen im Jahr 1991. Das Fundament der Alpen beginnt im wahrsten Sinne des Wortes weichzuwerden.

Globale Gletscherschmelze bringt Gefahren und historische Funde ans Licht

Der dramatische Schwund der Eismassen ist kein regionales Problem der Dolomiten, sondern ein weltweites Phänomen, das zunehmend für Schlagzeilen und Katastrophen sorgt. In den französischen Alpen legte das schmelzende Eis kürzlich eine riesige historische Müllhalde frei, während in der Schweiz nach Jahrzehnten die Leichname zweier vermisster Alpinisten aus dem ewigen Eis freigegeben wurden.

Die globalen Auswirkungen im Überblick:

  • Gefährliche Spaltenstürze: Durch den Mangel an schützendem Altschnee fehlen feste Schneebrücken, was heuer auch in Österreich zu zahlreichen schweren Gletscherspaltenstürzen führte.
  • Tödliche Fluten im Himalaya: In Nepal löste ein massiver Gletscherabbruch eine verheerende Sturzflut aus, die schätzungsweise mehr als 1.000 Menschen das Leben kostete.
  • Zerstörung von Lebensräumen: Das Abschmelzen der globalen Wasserspeicher bedroht langfristig die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen.

Der Zustand der Marmolada zeigt überdeutlich, dass sich die Natur im Hochgebirge in einer rasanten Umbruchphase befindet. Alpinisten und Bergretter müssen sich in Zukunft auf völlig neue Gefahrenszenarien einstellen.