Extrem-Konzept

650 Euro! Luxusrestaurant führt Handy-Verbot ein

Drei Freunde sitzen im Café, essen Salat und Obst, und benutzen ihre Smartphones am Tisch.
© Getty Images
Ein außergewöhnliches Gourmet-Konzept nahe Brixen in Südtirol sorgt in der internationalen Gastroszene für heftige Diskussionen. Im Luxusrestaurant Yera müssen Gäste ihre Mobiltelefone und Kameras am Eingang abgeben, um das sündhaft teure Menü völlig ungestört und ohne digitale Ablenkung zu genießen.
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Das Restaurant Yera befindet sich in einer spektakulären Lage auf 1.800 Metern Seehöhe auf der Plose nahe Brixen. Der Weg zum kulinarischen Erlebnis ist bereits Teil der Inszenierung: Die Gäste werden mit brennenden Fackeln durch den dichten Wald direkt zu einer geheimnisvollen Höhle geführt, in der sich das eigentliche Lokal befindet. Der Speiseraum selbst ist extrem minimalistisch gestaltet und bietet Platz für gerade einmal 18 Personen. Die Einrichtung besteht ausschließlich aus natürlichen Materialien der Region wie heimischem Holz, rauem Stein und roter Erde.

Küchenchef Roland Lamprecht beschreibt das Yera als ein eigenständiges Gesamtkonzept, bei dem die Bereiche Küche, Feuer, Service und Forschung eng miteinander verbunden sind. Durch das bewusste Wegsperren der Smartphones sollen die Gäste die Atmosphäre und die zubereiteten Speisen wieder mit allen Sinnen erleben. Das Fotografieren der aufwendig gestalteten Teller für soziale Netzwerke wie Instagram oder TikTok wird durch die verschlossenen Wertfächer am Eingang konsequent unterbunden.

Kulinarische Spitzenforschung und die 5-Prozent-Alkoholgrenze

Wer im Yera speisen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Das Menü kostet pauschal 650 Euro pro Person. In diesem stolzen Preis sind jedoch alle Getränke bereits inkludiert. Eine weitere Besonderheit betrifft das Getränkekonzept des Hauses: Alle servierten Flüssigkeiten weisen einen maximalen Alkoholgehalt von lediglich fünf Prozent auf. Statt schwerer Weine setzt Küchenchef Lamprecht auf innovative, selbst kreierte Alternativen.

Im Untergeschoss des Restaurants befinden sich aufwendige Labore und Lagerräume, die für die kulinarische Forschung genutzt werden. Hier experimentiert das Team mit feuchten Kammern zur Herstellung von Garum – einer antiken, fermentierten Würzsauce – und verschiedenen Kombuchas. Auch Räume zur fachgerechten Aufbewahrung der im umliegenden Wald gesammelten Wildkräuter und Zutaten sind in diesem Bereich untergebracht. Ziel ist es, den Gästen ein absolut einzigartiges Geschmackserlebnis zu bieten, das sich gänzlich von der klassischen Haubengastronomie unterscheidet.

Internationaler Trend: Wo Smartphones am Tisch unerwünscht sind

Das Konzept des Yera ist kein isolierter Einzelfall in der gehobenen Gastronomie. Weltweit entscheiden sich immer mehr Spitzenköche dazu, die Nutzung von Mobiltelefonen in ihren Etablissements einzuschränken oder komplett zu verbieten. Laut Recherchen des Gourmetmagazins *Falstaff* steht hinter dieser Maßnahme der Wunsch, den Fokus wieder voll und ganz auf das handwerkliche Schaffen der Küche zu legen.

Die rechtliche Lage: Darf ein Wirt Handys im Lokal verbieten?

Die Einführung eines solchen Verbots wirft bei vielen Konsumenten auch rechtliche Fragen auf. In der Praxis ist die Situation jedoch relativ eindeutig geregelt. Ein Gastwirt darf seinen Gästen die Handynutzung im Restaurant grundsätzlich über das sogenannte Hausrecht untersagen. Dieses Recht erlaubt es dem Eigentümer oder Pächter, die Regeln für den Aufenthalt in seinen Räumlichkeiten frei zu definieren.

Dabei müssen jedoch wesentliche rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden:

  • Keine Diskriminierung: Das Verbot darf nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Es muss also gleichermaßen für alle Gäste gelten und darf niemanden willkürlich benachteiligen.
  • Rechtzeitige Information: Die Gäste müssen vor oder direkt beim Betreten des Lokals (beispielsweise durch gut sichtbare Hinweisschilder oder entsprechende Hinweise bei der Reservierung) auf die Regel aufmerksam gemacht werden.
  • Abgabe in Schließfächer: Die Verwahrung der Geräte in Schließfächern am Eingang ist zulässig, sofern der Wirt für die Sicherheit der weggesperrten Gegenstände garantiert.

Für die Gäste des Yera bedeutet dies, dass sie sich voll und ganz auf das Experiment einlassen müssen. Wer die 650 Euro bezahlt, nimmt am Ende des Abends keine digitalen Fotos auf dem Smartphone mit nach Hause, sondern ausschließlich seine ganz persönlichen, lebendigen Erinnerungen an ein mystisches Dinner im Wald.

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