Putin will Nestlé
Kreml droht Schweizer Milliarden-Konzern mit Zwangsverwaltung
Hinter dem Vorstoß steht das russische Unternehmen KS Logistika. Es hat Präsident Wladimir Putin aufgefordert, fünf russische Nestlé-Gesellschaften vorübergehend unter staatliche Verwaltung zu stellen, wie die Wirtschaftszeitung "Kommersant" berichtet.
Die russische Regierung will den Antrag bis Jahresende prüfen. Begründet wird die Forderung unter anderem damit, dass Nestlé seine Produktionskapazitäten in Russland nicht ausbaue und keine dort hergestellten Waren mehr exportiere.
Eine vorübergehende Verwaltung könnte laut "Kommersant" den Weg für einen späteren Eigentümerwechsel ebnen.
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Steckt ein Kreml-Netzwerk dahinter?
Beobachter vermuten hinter solchen Vorstößen immer wieder kremlnahe Geschäftsleute. Russland hat in den vergangenen Jahren verschiedene Instrumente geschaffen, mit denen ausländische Unternehmen stärker unter staatlichen Einfluss gebracht werden können.
Dabei wurden bereits Geschäfte anderer internationaler Konzerne unter ähnlichen Bedingungen abgewickelt.
Danone und Carlsberg als warnende Beispiele
Besonders der Fall des französischen Lebensmittelkonzerns Danone zeigt, wie schnell ein Russland-Geschäft seinen Besitzer wechseln kann. Das Unternehmen verkaufte seine russische Sparte 2024 für rund 180 Millionen Euro und verbuchte insgesamt einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.
Auch der dänische Brauereikonzern Carlsberg geriet nach der Übernahme seines Russland-Geschäfts durch die russischen Behörden unter Druck. Ende 2024 erfolgte der Rückzug über einen Management-Buy-out für 320 Millionen Dollar.
Der niederländische Bierkonzern Heineken verkaufte seine russische Tochter sogar für einen symbolischen Euro. Insgesamt entstand dabei ein Verlust von rund 300 Millionen Euro.
Für Nestlé geht es um Milliarden
Für Nestlé steht deutlich mehr auf dem Spiel. Der Konzern erwirtschaftet in Russland nach eigenen Angaben rund zwei Prozent seines weltweiten Umsatzes – knapp zwei Milliarden Schweizer Franken.
Das Unternehmen betreibt dort sechs Produktionsstandorte und stellt unter anderem Kaffee, Süßwaren, Babynahrung und Tierfutter her.
Die US-Bank JPMorgan hält inzwischen einen Verlust des Russland-Geschäfts für möglich. Sollte Nestlé seine dortigen Aktivitäten unter großem finanziellen Druck verkaufen müssen, könnte das den Gewinn je Aktie nach Einschätzung der Analysten um rund drei bis vier Prozent drücken.
Auch an der Börse sorgten die Berichte für Unruhe: Die Nestlé-Aktie verlor zuletzt mehr als 2,5 Prozent.
Nestlé will vorerst bleiben
Nestlé selbst betont, bislang nicht von russischen Behörden kontaktiert worden zu sein. Fabriken und Büros arbeiteten weiter, erklärte ein Unternehmenssprecher.
Ein Rückzug aus Russland sei derzeit kein Thema. Gleichzeitig macht der Fall deutlich, wie groß das Risiko für westliche Unternehmen geworden ist, die trotz des Krieges weiterhin in Russland aktiv sind.