Skurriles Verbot
Kurios: Warum Kreuzfahrt-Reedereien jetzt Quietscheenten verbieten
Wer an eine Kreuzfahrt denkt, verbindet damit häufig üppige Buffets, Pools und den Blick auf das offene Meer. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein ungewöhnlicher Trend etabliert: Passagiere verstecken kleine Gummienten an verschiedenen Stellen auf den Schiffen, etwa in Blumentöpfen, hinter Vorhängen oder auf Treppengeländern. Doch was sich zunächst wie ein harmloser Spaß anhört, entwickelt sich für einige Kreuzfahrtgesellschaften zunehmend zum Ärgernis.
Von der süßen Idee zum Massenphänomen
Der skurrile Trend nennt sich "Cruising Ducks" (oder auch Kreuzfahrt-Enten) und nahm seinen Anfang etwa im Jahr 2018. Damals versteckte ein elfjähriges Mädchen namens Abby aus den USA auf einer Kreuzfahrt 50 Gummienten, um anderen Passagieren eine Freude zu machen. Die Idee schlug ein wie eine Bombe.
Das Prinzip ist simpel: Passagiere bringen Quietscheenten mit an Bord, versehen sie oft mit einem kleinen Kärtchen, inklusive Schiffsname, Datum und Heimatort des Versteckers, und platzieren sie quer über das Schiff. Wer eine Ente findet, darf sie entweder als Souvenir behalten oder für den nächsten Gast direkt wieder neu verstecken.
Das Ganze hat mittlerweile geradezu absurde Ausmaße angenommen. Eigene Facebook-Gruppen zum Thema haben unzählige Mitglieder, eine der größten verzeichnet fast 330.000 Anhänger. Manche Hardcore-Fans reisen gar mit Koffern an, die bis oben hin mit Plastikenten vollgestopft sind.
"Sie treiben uns in den Wahnsinn": Reedereien greifen jetzt durch
Doch während die Passagiere Spaß haben, schlägt die Stimmung bei den Schiffsbetreibern um. Den vorläufigen Höhepunkt des Enten-Kriegs markierte im August 2026 ein Bordnewsletter der britischen Reederei Marella Cruises. Mit den Worten "So sehr wir auch ein bisschen Persönlichkeit schätzen, die Enten treiben uns langsam in den Wahnsinn", zog das Unternehmen die Reißleine. Passagiere wurden aufgefordert, keine Gummienten mehr mit an Bord zu bringen oder zu verstecken. Marella und andere Anbieter haben triftige Gründe für ihr Durchgreifen:
- Sicherheitsrisiko & Stolperfallen: Auf einem schwankenden Schiff kann ein unbedacht platziertes Plastikspielzeug auf Treppen oder Fluchtwegen schnell zur Gefahrenquelle werden.
- Mehrarbeit für die Crew: Letztlich ist es oft das ohnehin ausgelastete Personal, das die unzähligen zurückgelassenen Plastiktierchen aufsammeln und entsorgen muss, da sie aus Sicht der Reederei herrenlose Gegenstände darstellen.
- Umweltschutz: Viele Kreuzfahrtunternehmen versuchen aktiv, ihren Plastikmüll zu reduzieren. Tausende billige Plastikenten, die im schlimmsten Fall sogar über Bord ins Meer geweht werden könnten, stehen diesem Ziel jedoch entgegen.
Zerstörte Beete und Enten am Buffet
Marella Cruises ist mit seinem Unmut längst nicht allein. Die Reederei Royal Caribbean hat das Verstecken von Enten auf den Schiffen ihrer Oasis- und Icon-Klasse im bepflanzten Bereich des "Central Park" strengstens verboten. Eifrige Enten-Jäger trampelten bei ihrer Suche die echten, aufwendig gepflegten Pflanzen in den Gärten nieder.
Auch die Disney Cruise Line und Norwegian Cruise Line sprechen sich mittlerweile gegen die Entenjagd aus. Bei Disney tauchten die Spielzeuge Berichten zufolge sogar in den Buffets auf, und rücksichtslose Gäste rissen auf der Suche nach den besten Verstecken teils die festliche Schiffsdekoration herunter.
Mehr als nur Enten
Der Kampf gegen das Passagier-Chaos geht bei einigen Anbietern mittlerweile sogar noch weiter. So verbietet Marella Cruises seinen Gästen inzwischen auch, Kabinentüren und öffentliche Bereiche mit Magneten, Bannern, Postern oder Stickern zu dekorieren. Auch dies störe die allgemeine Instandhaltung des Schiffs und die Gewährleistung von einheitlichen Sicherheitsstandards.
Wer bei seiner nächsten Kreuzfahrt nicht unangenehm auffallen – oder gar Ärger mit der Crew riskieren – möchte, lässt die Quietscheente am besten da, wo sie wirklich hingehört: in der heimischen Badewanne.