Der 5:1-Erfolg über Celtic Glasgow im Champions-League-Play-off nach einer beispiellosen Aufholjagd und einem Verlängerungsdrama hat seinen Platz in den heimischen Fußball-Chroniken sicher. Die unmittelbare Konsequenz ist die Teilnahme der Truppe von Coach Dietmar Kühbauer an der Ligaphase der Königsklasse. "Wir haben erreicht, dass wir im Konzert der Großen mitspielen dürfen", jubelte Kühbauer.
Der LASK gibt somit im Herbst sein Debüt in der Champions League. Dabei hatte es lange Zeit überhaupt nicht danach ausgesehen. Nach der 0:3-Hinspielniederlage in Glasgow lagen die Athletiker auch im Rückspiel vor ausverkauftem Haus in Linz gegen Schottlands Rekordmeister 0:1 hinten, gesamt also gar 0:4. Die Schotten hatten zu diesem Zeitpunkt alles im Griff. "Nach dem 0:1 sagst du: "Pack die Geige ein!", erzählte Kühbauer.
Ein Schnitzer und ein schnelles Ljubicic-Tor als Wende
Das 1:1 durch Moses Usor nach einem schweren Celtic-Schnitzer brachte die Athletiker aber wieder in die Partie. "In der Pause haben wir gesagt, das Spiel verlieren wir heute nicht", so der Erfolgstrainer, für den das schnelle Tor nach dem Seitenwechsel durch Robert Ljubicic ein Gamechanger war. "Nach dem 2:1 haben sie großartig gespielt, Celtic war nicht mehr vorhanden. Das 4:1 ist dann irgendwo erzwungen, weil sie (die Schotten, Anm.) stehend K.o. waren." Durch das 4:1 nach der regulären Spielzeit gab es einen 30-minütigen Nachschlag. "In der Verlängerung war mir bewusst, dass meine Truppe an dem Tag besser war. Diese Leistung war für mich unglaublich, ich bin richtig stolz", sagte Kühbauer.
Er könne sich in der jüngeren Vergangenheit an kein ähnliches Spiel erinnern, meinte der Burgenländer. "Dieses Herz, diese Liebe, diese Leidenschaft sind schon unglaublich. Die Jungs verdienen es sich, dass man sie heute lobt. Beim 4:1 ist das Dach fast weggeflogen." Auch von Celtic gab es Lob. "Wir haben heute gegen einen sehr starken Gegner gespielt. Der LASK war wieder sehr intensiv, sehr körperbetont. Sie haben es am Ende verdient, zu gewinnen", meinte Coach Martin O'Neill. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass sich Florian Flecker bei seinem Treffer zum 4:1 eine Blessur am Kopf zuzog. "Dass er sich die 'Tütn' angehaun hat, ist schade. Es dürfte eine Gehirnerschütterung sein", sagte Kühbauer.
"Meisterstück abgeliefert"
Für den 55-Jährigen war der historische Einzug des LASK in die Champions League auch noch einmal eine Gelegenheit, die vergangenen zehn Monate seit seinem Amtsantritt in Linz Revue passieren zu lassen. Im Oktober 2025 hatte der erfahrene Trainer beim damaligen Tabellenvorletzten angeheuert. "Wie ich gekommen bin, habe ich versucht, die Spieler mit ehrlichen Analysen mit ins Boot zu nehmen." Das Ergebnis war sieben Monate später der Gewinn der Meisterschaft und des Cups. "Das Double war Brutalität. Das hier ist ein Märchen oder Hollywood-Film. Heute haben sie das Meisterstück abgeliefert", kommentierte Kühbauer die internationale Krönung.
"Ich werte diesen Sieg oder diesen Aufstieg sehr, sehr hoch. Vor allem ist es irgendwo eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Weil oftmals fallen die Spieler in ein Loch rein, wenn sie gewinnen - einen Meistertitel, einen Cupsieg. Die Burschen sind trotzdem auf Zug geblieben", betonte Kühbauer. Auch den Spielern war die Tragweite des Erreichten bewusst. "Heute haben wir zusammen etwas Großes erreicht", meinte Sascha Horvath. "Dass wir jetzt in der Champions League spielen, ist unglaublich. Jetzt heißt es einfach, jedes Spiel genießen und einfach die beste Zeit draus machen", sagte Torhüter Lukas Neuwirth.
Auch interessant
Frisches Geld für neue Spieler
Personell soll sich nun noch etwas tun, wünschte sich der Coach. "Wir brauchen noch Spieler. Wir haben einen kleinen, aber starken Kader. Natürlich ergeben sich jetzt vielleicht andere Möglichkeiten", spielte Kühbauer auf die mehr als 18 Millionen Euro an, die nun als Startgeld in die Kassen des Vereins fließen. Und als CL-Teilnehmer hat der LASK auf einen Schlag auch ganz andere Argumente bei Verhandlungen.
Am Donnerstagabend erfahren die Oberösterreicher ihre Königsklassen-Gegner. Für Kühbauer ist aber jetzt schon klar: "Wir werden Außenseiter sein." Wunschgegner habe er keine. "Wir nehmen eh das, wie es kommt. Und wenn Real Madrid dabei ist, wunderbar. Ich meine, die Champions League werden wir nicht gewinnen, das ist einmal gewiss. Aber wir wollen dann diese Spiele genießen mit dem Publikum." Auch Torgarant Samuel Adeniran wollte keine Wünsche für die acht Matches in der Ligaphase äußern. "Welche Mannschaften auch immer wir zugelost bekommen, es werden Weltklasse-Mannschaften sein. Und ich werde meinen Kindern eines Tages erzählen können, dass ich gegen die gespielt habe."