Fans wachelten
mit Geldscheinen.
Deutschlands 1:0 reichte beiden auf Kosten von Algerien zum Aufstieg. Die Afrikaner hatten die Gruppe im ersten Spiel mit der 2:1-Sensation gegen Deutschland auf den Kopf gestellt. Österreich konnte Chile und Algerien 1:0 und 2:0 bezwingen. Vor allem dank Torhüter Friedl Koncilia.
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Das Team war intern durch "Querschüsse" aus Oberösterreich gegen arrivierte Spieler zerstritten. Deutschland bezwang zwar Chile 4:1, Algerien feierte gegen die Südamerikaner den zweiten Sieg (3:2), also musste auch der regierende Europameister Deutschland gewinnen, um nicht heimzufahren. Die Spieler kannten sich schon aus der WM-Qualifikation.
Feige wie ein Torero? Weiße Tücher als Protest
Einige "Ösis" spielten in der deutschen Bundesliga. Deutschland führte nach zehn Minuten durch ein Tor von Horst Hrubesch 1:0. Zehn Minuten später begann der Nichtangriffspakt. Nur Quer- und Rückpässe, kaum Angriffe. Einzig Walter Schachner sorgte für Betrieb, beschäftigte Gegenspieler Hans-Peter Briegel. Bis heute streiten alle ab, dass es Absprachen gab. Im Kabinengang kamen überein, dass es nichts bringt, sich weh zu tun. ORF-Starreporter Robert Seeger forderte in der zweiten Hälfte empört die TV-Zuschauer auf, abzuschalten. Sein deutscher Kollege Eberhard Stanjek stellte das Kommentieren ein.
Mir als Augenzeugen blieben empörte Fans in Erinnerung und viele dumme Kommentare nachher. Algerische Fans rüttelten an Gittern, wachelten mit Geldscheinen, die spanischen schwenkten weiße Taschentücher. Wie beim Stierkampf, wenn der Torero "feig" statt aktiv ist.
Derwall: »Warum sollten wir doof sein?«
"Beide wären dumm gewesen, wenn sie nicht vorsichtig gespielt hätten. Warum sollten wir doof sein?", fragte der deutsche Teamchef Jupp Derwall. Paul Breitner nannte das Publikum dumm, wenn es nicht begreift, dass nur das Weiterkommen zählt, Tormann Toni Schumacher provozierte mit Gesten.
Ganz schlimm wurde es auf der "Aufstiegsparty" von Motorradhersteller Puch für Österreich. ÖFB-Präsident Karl Sekanina war nicht bei der WM, wurde von Hans Tschank aus dem Burgenland vertreten: "Es wurde taktisch gespielt. Wenn deswegen 10.000 Wüstensohne im Stadion einen Skandal entfachen wollen, zeigt es, dass sie zu wenig Schulen haben. Da kommt so ein Scheich aus der Oase, darf nach 300 Jahren WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können".
Mit diesen Sagern wurde Tschank zum einzigen Mal weltweit erwähnt. Der junge ÖFB-Pressechef bekam die ersten grauen Haare. Später wurde Alfred Ludwig ÖFB-Generaldirektor. Als Konsequenz von Gijon finden seit 1984 die letzten zwei Gruppenspiele zur gleichen Zeit statt. Jetzt ist Josef Pröll, der ÖFB-Chef, berufsbedingt nicht mehr bei der WM vor Ort. Die Delegation in Kansas City leitet wie auch vor 44 Jahren Burgenlands Verbandspräsident. Ist auch bei Johannes Wutzlhofer Gefahr in Verzug?