Mit High-Tech Drohne

Linzer Forscher finden seltenstes Nashorn der Welt

© Charles W. Hardin / Wikipedia
Mithilfe hochinnovativer Linzer Drohnen-Technologie konnte das Überleben der vom Aussterben bedrohten Sumatra-Nashörner erfolgreich nachgewiesen werden.
Zur Vollversion des Artikels

Im Way-Kambas-Naturschutzgebiet in Südsumatra herrschten extrem schwierige Bedingungen, als das Team rund um Oliver Bimber, Professor für Computergrafik an der JKU Linz, im Mai 2026 zu einer entscheidenden Expedition aufbrach. Gemeinsam mit Wildtierbiologen und Wildhütern ging es darum, ein Lebenszeichen des Sumatra-Nashorns zu finden. Es ist eines der am meisten bedrohten Säugetiere der Welt – Schätzungen zufolge leben nur noch 30 bis 50 Tiere in freier Wildbahn. In diesem Gebiet wurde zuletzt 2017 ein Exemplar gesehen, seit 2019 gab es keinerlei Spuren mehr. Vorangegangene Suchen mit herkömmlichen Drohnen und US-Spürhunden blieben im heißen, dichten Regenwald erfolglos. Die neuartige Linzer Drohnen-Technologie brachte in der fünften Nacht schließlich den Durchbruch und erfasste eine charakteristische Wärmesignatur, die von Biologen eindeutig einem Nashorn zugeordnet wurde. Am Folgetag fand ein Verifikations-Team hunderte frische Fußspuren, Kratzspuren an Bäumen und sicherte Wasserproben, deren DNA-Analysen das Sumatra-Nashorn offiziell bestätigten.

High-Tech sieht durch Blätterdach

Das Geheimnis hinter dem Erfolg ist eine spezielle Datenverarbeitungs-Software, an der Bimber seit Jahren forscht. Das von ihm entwickelte Verfahren namens "Airborne Optical Sectioning" (AOS) kombiniert rechnerisch rund tausend Aufnahmen, die eine Drohne während eines hunderte Meter langen Fluges macht. Dadurch wird die Linse einer riesigen Kamera simuliert. Wenn der Fokus rechnerisch auf den Waldboden gelegt wird, verschwindet die darüberliegende Vegetation im Defokus. Für die Nashorn-Suche im über tausend Quadratkilometer großen Nationalpark blickt eine Drohne aus 500 Metern Flughöhe herab. Durch den Abgleich hunderter Bilder werden selbst kleinste Veränderungen von Temperaturpunkten und Bewegungen sichtbar.

Oliver Bimber, Professor für Computergrafik © JKU Linz

Vielseitiger Einsatz der Software

Die Linzer Drohnen-Technologie wurde bereits seit 2018 in verschiedenen Bereichen erfolgreich eingesetzt. Die Methode begann bei archäologischen Flügen zur Sichtbarmachung zugewachsener Gebäude und half später beim Zählen versteckter Reihernester. Auch in der Waldökologie ermöglicht das Verfahren, den Wald Schicht für Schicht zu analysieren, statt nur die Baumkronen via Satellit zu erfassen. Sogar bei der Suche nach vermissten Personen in Wäldern leistete AOS bereits wertvolle Dienste.

Kampf gegen die Wilderei

Vor Ort mussten die lokalen Ranger die Drohnen erst unter widrigsten Bedingungen – wie blockierten Funksignalen und fehlendem Sichtkontakt – fliegen lernen. Nach zwei Tagen Vorbereitung beherrschten sie die Technik. Fünf Drohnen verbleiben nun in Indonesien, während ein Gerät abstürzte. Die verbleibende Technik soll das gefundene Sumatra-Nashorn im Schutzgebiet vor Wilderern schützen, die es auf die begehrten Hörner abgesehen haben. Die Ranger nutzen die Drohnen ab jetzt, um das Areal intensiv zu überwachen.