Bestellerprinzip
Makler-Reform treibt Mieten in Wien hoch
Die Maklergebühren für Mietwohnungen zahlt seit knapp drei Jahren derjenige, der den Makler beauftragt ("Bestellerprinzip"), also meist der Vermieter. Die Neuregelung sollte Wohnungssuchende entlasten, hat aber auch negative Effekte, zeigt eine Studie an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Cambridge University zum Wiener Markt. Die Mietinserate sanken deutlich, vor allem die Maklerangebote. Gleichzeitig verteuerten sich die Angebotsmieten merklich.
Nach der Einführung des Bestellerprinzips im Juli 2023 stiegen die Angebotsmieten laut WU Wien und Cambridge University (Forschungsinstitut "Economics of Inequality" im Durchschnitt um rund 5 Prozent. Besonders stark nach oben gegangen seien die Mieten in zentralen Bezirken Wiens.
"Die Reform erreicht ihre kurzfristigen Ziele nur teilweise - entgegen dem klar artikulierten Ziel wurden die Kosten größtenteils auf Mieter:innen überwälzt", teilte das Forschungsinstitut am Dienstag mit. Weiters sei "ein deutlicher, zumindest temporärer, Rückgang des Angebots" zu beobachten. Das erhöhe ebenfalls den Druck auf die Mietpreise.
Mietpreisregulierungen werden vielfach umgangen
Vor allem jedoch zeige sich im Zuge der Reform, "dass Mietpreisregulierungen in Wien zum Zeitpunkt der Neuvermietung vielfach umgangen werden". Denn auch bei Altbauwohnungen mit regulierten Richtwertmieten seien die Angebotspreise nach der Einführung des Bestellerprinzips gestiegen, was auf "eine schwache Durchsetzung des Richtwertmietzinses" hindeute. Mietobergrenzen würden in der Praxis oft nicht konsequent eingehalten. Das hänge auch mit fehlender Sanktionierung von Vermieterinnen und Vermietern bei Nichteinhaltung der Mietzinsobergrenzen zusammen, wird kritisiert. "Eine Überarbeitung der Ausgestaltung des Richtwertsystems erscheint daher geboten."
Die Reform der Maklergebühren, die früher bis zu zwei Monatsmieten ausmachten, wirke sich nicht auf alle Gruppen von Mieterinnen und Mietern gleich aus. Die ursprüngliche Praxis habe vor allem für Haushalte, die häufiger die Wohnung wechseln (müssen), eine Mehrbelastung bedeutet. Die Neuregelung wirkt hier positiv: Wer umziehe, zahle zwar zunächst höhere laufende Mieten, gleichzeitig würden aber hohe einmalige Maklerkosten wegfallen. "Davon profitieren langfristig vor allem junge und mobile Haushalte", so die Studienautoren.
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Wohnmobilität könnte steigen
Eine "erste Evidenz" deute darauf hin, dass sich die Reform auch langfristig potenziell positiv auf höhere Wohnmobilität auswirke, da weniger Initialkosten durch einen Umzug entstünden. Das helfe auch sogenannte "Lock-in-Effekte" zu vermeiden, also dass Haushalte nicht in Wohnungen bleiben müssen, die nicht zu ihrer aktuellen Familiensituation passen. Auch auf neue Chancen am Arbeitsmarkt könne man leichter reagieren.
Die vorliegende Analyse basiert den Angaben zufolge auf umfangreichen Inseratsdaten, administrativen Daten sowie dem Mikrozensus der Statistik Austria.