Auto-Krise

Mercedes droht mit Schließung eines Werks

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Harte Drohung bei Mercedes: Bewegt sich die Arbeitnehmerseite bei der Erhöhung der Arbeitszeit nicht, könne ein deutsches Werk geschlossen und Kapazitäten in Osteuropa aufgebaut werden. "Eine Werksschließung ist eine Option, die das Unternehmen auf dem Zettel hat", berichten Informanten aus dem Konzern.
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Noch liegt ein Beschluss von Vorstand oder Aufsichtsrat nicht vor, bis Ende 2034 gelte auch die Beschäftigungssicherung "Zukunftssicherung 2035", berichtet dazu die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Der aktuelle Konflikt eskaliert damit: Der Vorstand will in Deutschland von 35 auf 40 Wochenstunden gehen, ohne Lohnausgleich. In einem Rundschreiben Ende Juni, unterzeichnet vom gesamten Vorstand, heißt es, jede neue Produktvergabe nach Deutschland verschlechtere die Kostenposition. Die Arbeitsstunde müsse in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion günstiger werden – "für das gleiche Geld mehr arbeiten". Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte im Handelsblatt denselben Kurs gefordert. Die IG Metall nennt das unverhandelbar und rechnet vor: fünf unbezahlte Stunden entsprächen einer Kürzung von etwa 12,5 Prozent beim Stundenlohn, über das Jahr gerechnet deutlich mehr. Für den 21. September ist ein Aktionstag geplant. Schon im Juli protestierten Tausende.

Die Alternative bietet Ungarn: Mitte Juli verdoppelte Mercedes die Kapazität in Kecskemét von 200.000 auf 400.000 Fahrzeuge – nach Konzernangaben das größte Mercedes-Werk Europas, nach Peking das zweitgrößte weltweit. Rund eine Milliarde Euro flossen in neue Hallen, Presswerk, Lackiererei und Batteriemontage. Die A-Klasse wanderte von Rastatt dorthin, damit der GLA Platz hat. Dazu kommen GLB, eine kompakte G-Klasse und die elektrische C-Klasse. Faktorkosten für Löhne, Energie, Logistik und Infrastruktur liegen laut Mercedes 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.

100.000 Pkw weniger gebaut

Eurostat bezifferte 2025 die Industrie-Arbeitsstunde in Deutschland auf 49,50 Euro, in Ungarn auf 15,60 Euro. In den aktuellen Verhandlungen soll auch ein Standort im rumänischen Sebeș genannt worden sein. Deutschland fertigt noch etwa 900.000 Wagen, 100.000 weniger als 2024; global will der Konzern bis 2028 auf 2,2 Millionen Einheiten gehen. Ob Rastatt, Bremen oder ein Komponentenwerk gemeint ist, bleibt offen. Die Rechnung des Vorstands ist eindeutig: Kapazität dorthin, wo sie am billigsten ist – und deutsche Werke nur, solange sie flexibel und teurer nicht ins Minus ziehen.