Spuren gefunden

Metall von künstlichen Gelenken wandert ins Gehirn

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Millionen Menschen leben mit einer künstlichen Hüfte, einem neuen Knie oder einer Schulterprothese. Eine neue US-Studie sorgt nun für Aufsehen: Forscher haben winzige Metall-Partikel aus Gelenkimplantaten im Gehirngewebe Verstorbener entdeckt.
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Wissenschaftler des Rush University Medical Center in Chicago untersuchten für ihre Studie Gehirngewebe von 701 Verstorbenen. 229 Menschen hatten zu Lebzeiten mindestens ein künstliches Gelenk erhalten.

Besonders im Fokus standen Metalle wie Kobalt und Titan, die häufig bei Gelenkprothesen verwendet werden. Bei Menschen mit Hüftprothesen fanden die Forscher im Durchschnitt deutlich höhere Konzentrationen dieser Metalle im Gehirn.

Mit speziellen Elektronenmikroskopen konnten sie sogar einzelne Partikel untersuchen. Dabei stimmte deren Zusammensetzung mit den Metallen der jeweiligen Implantate überein.

Was bedeutet das für das Demenz-Risiko?

Besonders interessant ist der mögliche Zusammenhang mit Veränderungen im Gehirn. Höhere Kobalt-Konzentrationen wurden mit stärkeren Alzheimer-typischen Eiweißablagerungen in bestimmten Hirnregionen in Verbindung gebracht.

Auch bei höheren Titanwerten zeigten sich Zusammenhänge mit schlechteren Ergebnissen bei Gedächtnis- und Denktests. Allerdings könnte Titan auch aus anderen Quellen stammen, etwa aus Lebensmitteln oder Medikamenten.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Gelenkprothesen und Demenz konnten die Forscher aber nicht nachweisen. Menschen mit künstlichen Gelenken zeigten nicht häufiger typische Alzheimer-Veränderungen als andere Teilnehmer der Untersuchung.

Wie kommen die Partikel ins Gehirn?

Noch ist außerdem nicht geklärt, wie die winzigen Metallteilchen überhaupt ins Gehirn gelangen. Die sogenannte Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn normalerweise vor vielen Stoffen aus dem Blut.

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Die Forscher vermuten, dass altersbedingte Veränderungen oder chronische Entzündungen diese Schutzbarriere durchlässiger machen könnten. Auch ein Transport der Partikel durch Immunzellen wird als mögliche Erklärung diskutiert.

Noch kein Grund zur Panik

Für Patienten gibt die Studie zunächst keinen Anlass, eine bestehende Gelenkprothese infrage zu stellen. Künstliche Gelenke gehören weiterhin zu den etablierten medizinischen Eingriffen und können die Beweglichkeit deutlich verbessern.

Entscheidend ist: Bislang wurde lediglich nachgewiesen, dass Metall-Partikel das Gehirn erreichen können. Ob sie dort tatsächlich Schäden verursachen oder langfristig die Hirngesundheit beeinflussen, ist noch offen.

Die Forscher wollen deshalb nun genauer untersuchen, welche möglichen Folgen die Partikel im Gehirn haben könnten.