Neue Details
Migranten-Sturm: Spaniens Regierung ignorierte Warnung
Wie die spanische Zeitung The Objective berichtet, sollen Militär und Geheimdienste die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez bereits Tage vor den Ereignissen vor einer drohenden Migrationswelle gewarnt haben. Demnach seien Hinweise auf Tausende Menschen, die sich in Richtung der Grenze bewegten, jedoch nicht entsprechend beachtet worden.
Laut dem Bericht registrierten die Sicherheitsbehörden schon im Vorfeld ungewöhnliche Entwicklungen. Zahlreiche Reisebusse hätten Tausende Migranten in die marokkanische Grenzstadt Castillejos gebracht. Gleichzeitig seien immer mehr Menschen schwimmend nach Ceuta gelangt. Die Geheimdienste werteten dies offenbar als Testlauf und sollen mehrfach vor einem unmittelbar bevorstehenden Massenansturm gewarnt haben.
Regierung dementiert
Die spanische Regierung weist dies jedoch zurück. Ein hochrangiges Regierungsmitglied erklärte gegenüber El País, man habe keinerlei entsprechende Informationen erhalten. Gleichzeitig berichten Medien, dass sowohl die Guardia Civil als auch Ceutas Regierungschef Juan Jesús Vivas vor einer Eskalation gewarnt hätten.
Als schließlich Zehntausende Migranten gleichzeitig die Grenze stürmten oder über das Meer nach Ceuta gelangten, waren Polizei und Guardia Civil nach übereinstimmenden Berichten mit der Lage überfordert. Aus Sicherheitskreisen wird nun kritisiert, dass die Armee nicht früher zur Unterstützung eingesetzt worden sei, obwohl Einheiten in Ceuta und Melilla einsatzbereit gewesen seien.
Für zusätzliche Brisanz sorgen Berichte über das Verhalten der marokkanischen Grenzkräfte. Laut The Objective sollen diese den Ansturm teilweise tatenlos beobachtet haben. Videos sollen zeigen, wie Sicherheitskräfte den Verkehr regelten, während Hunderte Migranten ungehindert in Richtung der spanischen Grenze liefen. Die spanische Regierung betont hingegen weiterhin die enge Zusammenarbeit mit Marokko.
Zahl der Toten auf 72 angestiegen
Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten haben Einsatzkräfte weitere Leichen geborgen. Die Zahl der Toten stieg damit auf 72, teilte der Vertreter des spanischen Innenministeriums, Miguel Ángel Pérez Triano, am Sonntag in Ceuta Journalisten mit. Zuvor waren 67 Tote offiziell bestätigt worden. Einsatzkräfte suchen weiter das Meer ab.
Die meisten Todesopfer seien bei dem Versuch ertrunken, schwimmend von Marokko aus in die Exklave zu gelangen, hatte der staatliche Fernsehsender RTVE bereits am Freitag unter Berufung auf die Behörden berichtet. Auf Fotos und TV-Bildern waren unter anderem zahlreiche Schwimm- und Autoreifen zu sehen, mit denen Menschen von der marokkanischen Küstenstadt Fnideq aus versuchten, nach Ceuta zu gelangen. Andere waren über die Grenzzäune geklettert.
Die spanische Zeitung "El País" zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: "Es gibt mehr Tote im Meer". Den Informationen der Zeitung zufolge bereiten die Behörden der Stadt eine Einrichtung vor, um bis zu 200 Leichen aufbahren zu können.