Gesetz soll kommen

Minister: Turbo-Verfahren für Schlüsseltechnologien

© APA/MAX SLOVENCIK
Unternehmen aus Schlüsseltechnologien sollen Genehmigungen für neue Projekte künftig einfacher und schneller bekommen können.
Zur Vollversion des Artikels

Das Wirtschaftsministerium schickt am Dienstag den ersten Teil eines eigenen Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes in Begutachtung, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) auf einer Pressekonferenz. Zudem startet heute ein Fördercall für Pilotanlagen für Schlüsseltechnologien.

Im ersten Teil des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes soll es - aufbauend auf dem Erneuerbaren-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) - für Firmen im Bereich Energie- und Umwelttechnologien leichter werden, rasch Genehmigungen für Produktionsanlagen zu bekommen. So soll es pro Bundesland nur noch eine Ansprechstelle für die Genehmigungsverfahren geben. Auch die Einführung der Kategorie des "strategischen Projekts" - also eines sogenannten "überragenden öffentlichen Interesses" wie im EABG - ist geplant.

In der im Jänner vorgestellten Industriestrategie wurden neun Schlüsseltechnologien definiert: Künstliche Intelligenz und Dateninnovation, Chips und Elektronische Komponenten/Systeme, Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik, Quantentechnologie und Photonik, Fortgeschrittene Werkstoffe (Advanced Materials), Life Sciences & Biotech, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien. Ein halbes Jahr nach der ersten Vorstellung der Industriestrategie sind von den 117 bis 2035 geplanten Maßnahmen 42 Maßnahmen in Umsetzung, sagte Hattmannsdorfer.

Förderschiene für Pilotanlagen

Darüber hinaus wurde heute eine neue Förderschiene für Pilotanlagen in den Schlüsseltechnologien gestartet. "Wir haben enorme Erkenntnisse in der Wissenschaft, in der Forschung und in unseren Laboren, aber wenn es in Richtung Pilotanlagen und industrieller Produktion geht, verlieren wir Tempo", so Hattmannsdorfer. Der Fördercall soll dem entgegenwirken. 18 Mio. Euro stehen als Budget zur Verfügung, pro Projekt sind bis zu 3 Mio. Euro Förderung möglich. Gefördert werden Projekte mit einem Investitionsvolumen von 1 bis 50 Mio. Euro. Projekte können bis Ende Oktober eingereicht werden.

Im Bereich der Innovation stehen Novellen im Patentrecht und beim Unternehmensgesetzbuch (UGB) "kurz vor der Zielgeraden", sagte Innovationsminister Peter Hanke (SPÖ). Bei den Patenten soll kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) und Start-ups die Möglichkeit gegeben werden, selbst entwickelte und genutzte Patente als bilanzierte Vermögenswerte auszuweisen. Für die kommenden Monate und Jahre legt der Minister den Fokus vor allem auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos und E-Lkw sowie auf eine umfassende Luftfahrtstrategie.

"Österreich hat kein Ideenproblem, Österreich hat auch kein Talenteproblem, wir haben bis jetzt ein Umsetzungsproblem", sagte Entbürokratisierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn. Dementsprechend müsse im Rahmen der Industriestrategie auch die Effizienz der Verwaltung erhöht und Goldplating (das Übererfüllen von EU-Anforderungen in nationalen Gesetzen) vermieden werden - auch, damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. "Die Industriestrategie gibt den Kurs vor, die Entbürokratisierung liefert den Rückenwind", sagte Schellhorn. Im Ministerrat sollen am Mittwoch rund 50 Digitalisierungsvorschläge vorgebracht werden, wie Unternehmen betreffend Berichts- und Meldepflichten entlastet werden können.

Lob aus der Wirtschaft, Kritik von der FPÖ

Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung (IV) lobten die ersten Schritte, die bereits in der Industriestrategie gesetzt worden seien. Die Strategie müsse aber auch künftig konsequent weiterverfolgt werden, so die IV. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zähle "am Ende nicht die Zahl der angestoßenen Prozesse, sondern der tatsächlich realisierte Entlastungseffekt für die Betriebe". Die FPÖ sieht die Industriestrategie dagegen als Scheitern der Standortpolitik. "Eine Strategie, die weder die Sorgen der Betriebe noch die tatsächlichen Standortprobleme löst und von der nur ein Bruchteil der Unternehmen überzeugt ist, kann nicht als Erfolg verkauft werden", so FPÖ-Industriesprecher Axel Kassegger.