Kurz vor Börsenstart

Mode-Gigant "Shein" verliert Milliarden an Wert

© getty
Für Shein wird es ernst: Am 28. August sollen die Aktien des Mode-Riesen erstmals in Hongkong gehandelt werden. Doch kurz vor dem Börsenstart bricht die Bewertung massiv ein.
Zur Vollversion des Artikels

Noch Anfang August war für Shein eine Bewertung von rund 30 bis 40 Milliarden Dollar im Gespräch. Jetzt sollen es nur noch etwa 25 Milliarden Dollar sein.

Der Absturz wird besonders deutlich beim Blick auf die vergangenen Jahre: 2022 wurde Shein zeitweise mit fast 100 Milliarden Dollar bewertet. Innerhalb von nur vier Jahren ist damit rund drei Viertel dieser Bewertung verschwunden.

Für den Modekonzern steht deshalb beim geplanten Börsengang viel auf dem Spiel. Eine enttäuschende Nachfrage oder ein deutlicher Kursverlust direkt zum Handelsstart wäre ein herber Rückschlag.

Sheins Erfolgsmodell bekommt Risse

Lange Zeit war das Geschäftsmodell von Shein kaum zu bremsen. Extrem günstige Mode, riesige Auswahl und direkte Lieferungen aus China machten den Konzern weltweit erfolgreich. Doch genau dieses Konzept gerät zunehmend unter Druck.

In den USA wurden wichtige Zollvorteile für günstige Kleinsendungen aus China gestrichen. Auch die Europäische Union geht stärker gegen Billigimporte und Direktlieferungen vor.

Damit wird das bisherige Prinzip, mit extrem günstigen Produkten Kunden anzulocken, schwieriger.

Umsatz wächst kaum noch

© oe24

Auch das Wachstum des Unternehmens hat deutlich nachgelassen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz laut den vorliegenden Zahlen nur noch um 1,1 Prozent. Unter dem Strich stand sogar ein Verlust von rund 99 Millionen Dollar.

Allerdings ist dieser Verlust nicht vollständig auf das operative Geschäft zurückzuführen. Ein erheblicher Teil entstand durch die Neubewertung bestimmter Investorenanteile im Vorfeld des Börsengangs. Trotzdem zeigt die Entwicklung: Die Zeiten des rasanten Wachstums scheinen vorerst vorbei zu sein.

Auch Behörden erhöhen den Druck

Neben wirtschaftlichen Problemen muss sich Shein zunehmend mit regulatorischen Fragen auseinandersetzen. Die EU untersucht unter anderem mögliche illegale Produkte auf der Plattform. Gleichzeitig steht der Konzern wegen seines Geschäftsmodells und seiner Lieferketten seit Jahren in der Kritik.

Shein wurde ursprünglich in China gegründet und hat seinen Sitz inzwischen in Singapur. Ein großer Teil der Produktion findet weiterhin in China statt, während die Mode weltweit verkauft wird.

Börsengang wurde immer wieder verschoben

Der geplante Börsengang in Hongkong ist für Shein deshalb mehr als nur ein weiterer Schritt an die Börse.

Der Konzern hatte bereits mehrere Anläufe unternommen. Zunächst war ein Börsengang in New York geplant, später rückte London in den Fokus. Beide Pläne kamen letztlich nicht zustande. Nun soll Hongkong den Durchbruch bringen.

Am 28. August zeigt sich, ob Anleger dem einstigen Mode-Überflieger noch Vertrauen schenken. Für Shein könnte der erste Handelstag zum Befreiungsschlag werden – oder zum nächsten Tiefpunkt einer jahrelangen Börsen-Odyssee.