Last-Minute-Wahnsinn
Mwene & Kalajdzic führen ÖFB-Team zum 3:1-Sieg gegen Israel
Lange tat sich die ÖFB-Elf schwer, ließ nach der Führung den Ausgleich zu und musste trotz Überzahl um den Auftaktsieg zittern. Erst in der Schlussphase platzte der Knoten: Mwene und Kalajdzic sorgten mit einem Doppelschlag für ein spektakuläres Finish. Ausgerechnet in Ralf Rangnicks 50. Länderspiel als Teamchef durfte Österreich damit doch noch jubeln. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht: Am Sonntag wartet in Wien bereits der Kosovo – mit Ex-ÖFB-Teamchef Franco Foda an der Seitenlinie.
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Kalajdžić rettet nach Gregoritsch-Schock
Neustart? Auf dem Papier ja – auf dem Platz war davon zunächst wenig zu sehen. Arnautovic ist weg, Sabitzer pausiert, Alaba fehlt, Laimer ist verletzt. Doch bis auf Grüll, der von Rangnick überraschend in die Startelf beordert wurde, standen nur WM-erprobte Kräfte auf dem Rasen. Und das merkte man: Österreich hatte viel Ball, presste gewohnt aggressiv und wollte das Spiel kontrollieren. Doch im letzten Drittel fehlten wie so oft die Ideen, Grüll sorgte noch am ehesten für Gefahr.
Israel hingegen hielt mutig dagegen und zwang Österreich zu viel Laufarbeit. Dann wurde es ruppig. Seiwald & Co. langten mehrmals hin, die Frustration wuchs. Und plötzlich der nächste Rückschlag: Neo-Kapitän Michael Gregoritsch musste nach nur 35 Minuten mit einer Verletzung am rechten Knöchel raus. Für ihn kam Kalajdzic – und der Joker lieferte sofort: Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung holte der LASK-Stürmer einen Elfmeter heraus. Schmid trat an und blieb eiskalt: Souverän verwandelte er zum 1:0 (43.). Der Strafstoß war der Öffner, kaschierte aber eine bis dahin blasse Vorstellung.
Torjubel mit Folgen: Israel plötzlich zu zehnt
Rangnick reagierte und brachte Wanner für den starken Grüll. Mehr Druck nach vorne sollte her – doch zunächst schlug Israel zu: Kalajdzic fälschte einen Schuss aus der zweiten Reihe ab, Österreich bekam den Ball nicht geklärt. Stattdessen segelte er hoch in den Strafraum und landete auf dem Kopf von Abu Farchi. Der Israeli blieb cool und ließ Schlager keine Chance – 1:1 (55.)!
Und dann wurde es kurios. Abu Farchi hatte gerade erst nach einer Aktion gegen Danso Gelb gesehen, da folgte schon die zweite Verwarnung. Ausgerechnet beim Torjubel! Der Torschütze sprintete zur Eckfahne, riss sie aus der Verankerung und präsentierte sie kurzerhand wie eine Mischung aus Gewehr und Billardqueue. Jubel beendet, Platzverweis perfekt – Israel musste fortan mit zehn Mann ran.
Mwene & Kalajdzic sorgen für Finish-Wahnsinn
Österreich drückte mit einem Mann mehr auf die Entscheidung – und wurde spät belohnt. Immer wieder schlug Wanner seine Flanken in den Strafraum, dann saß eine perfekt: Der Youngster servierte auf die zweite Stange, Mwene rauschte heran und nahm die Hereingabe volley aus der Luft. Das Leder schlug im Tor ein, Peretz war chancenlos – 2:1! Für Mwene war es das erste Länderspieltor.
Und weil Kalajdzic seinen Arbeitstag auf der Gugl offenbar nicht ohne eigenen Treffer beenden wollte, legte der LASK-Stürmer noch einen drauf. Debütant Lang wurde halblinks von Chukwuemeka freigespielt und legte quer zu seinem Vereinskollegen. Kalajdzic zog ab, Stoinov wollte noch dazwischen – fälschte den Ball aber nur entscheidend ab und nahm Peretz auch die letzte Chance. 3:1!
Österreich hatte damit doch noch die Kurve bekommen und den Nations-League-Auftakt mit einem Sieg beendet. Am Sonntag (18 Uhr/live auf ORF 1) kommt es zum Wiedersehen mit Ex-Teamchef Franco Foda und Kosovo.
Die Stimmen zum Spiel:
Sasa Kalajdzic (Österreich-Torschütze): "Es war wichtig, dass wir das zweite Tor machen, beim dritten haben wir sie eiskalt bestraft. Von mir aus kann man auch früher treffen, aber ich nehme das gerne mit. Wir haben gewusst, dass Israel spielerische Lösungen finden will. Wir haben uns in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit schwer getan. Mit dem Elfmeter ist es dann relativ gut gelungen. Das Gegentor war unnötig und komplett unglücklich, das war der erste Ball auf unser Tor. Sie haben sich dann selbst geschwächt. Am Ende sind es drei Punkte, das zählt."
Ralf Rangnick (Österreich-Teamchef): "Wir haben einen einzigen Ball auf unser Tor zugelassen im ganzen Spiel, wo wir uns nicht so gut verhalten haben. Ansonsten haben wir gar nichts zugelassen. Ab der 30. Minute hatten wir mehr Zugriff und haben das Spiel in unsere Hand bekommen. Am Schluss war es trotzdem ein Wettlauf gegen die Uhr. Dass wir die zwei Tore noch gemacht haben, war wichtig. Es war über das gesamte Spiel verdient. In der zweiten Halbzeit hatten wir schon gute Möglichkeiten. Aber der Gegner hat sich dann hinten eingeigelt. Wir haben gegen den Ball klar besser gespielt als bei der WM. Sicher war es noch nicht das allerhöchste Niveau. Mit dem Energielevel auf dem Platz war ich absolut zufrieden. Es ist keiner abgefallen, ich hätte lieber noch zwei, drei eingewechselt. Gregoritsch hat sich wahrscheinlich etwas am Band getan, Konkretes wissen wir morgen."
Zur Gelb-Roten Karte: "Der Schiedsrichter hat es offensichtlich als Unsportlichkeit interpretiert. Uns hat es sicher nicht geschadet, am Ende ist es eine Entscheidung des Schiedsrichters."
Romano Schmid (Österreich-Torschütze): "Wenn man die späten Tore hernimmt, war es ein schwerer Sieg. Wir hatten ordentliche Chancen, aber trotzdem waren wir im letzten Drittel nicht so sauber. Am Ende steht ein Torschuss für Israel auf dem Papier, der war halt drin. Dann steht es 1:1 und dann wissen wir, dass solche Spiele schwer sind. Die Wechsel haben gefruchtet. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und das ist sehr schön."
Sascha Horvath (ÖFB-Debütant): "Es war richtig cool. Auch schön, dass ich mit Langi (Christoph Lang, Anm.) gemeinsam bei der Einwechslung gestanden bin. Bei uns zuhause, schöner geht es nicht. Das habe ich mir auch nicht gedacht, dass ich mit 30 wieder einmal nervös sein werde. Ein bissl war ich schon nervös, aber natürlich auch extrem stolz und sehr dankbar für die Mannschaft. Sie haben mich vom ersten Tag richtig gut aufgenommen. Es hat mich extrem gefreut, dass ich am Platz sein durfte."
Josef Pröll (ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender): "Ein Arbeitssieg. Wir haben lange gezittert, aber es war schon über weite Strecken eine dominante Leistung. Das erfüllt uns alle mit Freude. Es ist ein super Start in die Nations League. Die drei Punkte hier mitzunehmen, war ganz wichtig."
Ran Ben Shimon (Teamchef Israel): "So spät die Tore zu bekommen, ist enttäuschend. Wir haben technisch und taktisch viele Sachen gut gemacht, aber wir haben die Rote Karte zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt bekommen. Abu Farchi feiert jedes seiner Tore auf diese Weise, das kann jeder überprüfen. Vielleicht war es mein Fehler, dass ich ihm nicht gesagt habe, er muss das stoppen. Er muss daraus lernen. Das ist auch eine große Lehre für uns."