Im Jahr 2026 feiert die deutsche Kultband No Angels ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass blickt die aufwendig produzierte ARD-Dokumentation "No Angels – Das sind wir" auf den kometenhaften Aufstieg der Formation zurück, die einst aus der erfolgreichen Castingshow "Popstars" hervorging. Neben den gewaltigen Erfolgen und den Rekorden thematisiert der Film jedoch auch die immensen Belastungen, denen die jungen Musikerinnen damals ausgesetzt waren. Allen voran Sängerin Nadja Benaissa, die bereits vor ihrem Durchbruch Mutter einer Tochter war, erinnert sich mit großer Nachdenklichkeit an die Anfänge ihrer beispiellosen Karriere.
Bereits vor der offiziellen TV-Verkündung, wer es in die endgültige Bandbesetzung geschafft hatte, fanden hinter den Kulissen entscheidende Gespräche statt. Benaissa wusste nach eigener Aussage schon im Vorfeld über ihren Einzug Bescheid. Man habe ihr im Vorfeld versichert, dass sich das Muttersein und der straffe Bandalltag problemlos vereinbaren ließen und dass sie ihr Kind stets mitnehmen könne. Doch kaum war das Projekt gestartet, zeigte sich ein völlig anderes Bild. Die Sängerin arbeitete von frühmorgens bis tief in die Nacht, während an ein geregeltes Familienleben nicht zu denken war. Sie stellte rückblickend ernüchtert fest, dass sie keine Sekunde Zeit für ihr Kind hatte und dieses stressige Umfeld keineswegs für ein Aufwachsen geeignet war.
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Trauma, Sucht und das hässliche Gesicht der Industrie
Die enorme Belastung traf die Künstlerin in einer ohnehin extrem verletzlichen Lebensphase. In der Dokumentation blickt Benaissa offen auf ihre bewegte Vergangenheit zurück, die von schweren Krisen gezeichnet war. Bereits in früher Kindheit rutschte sie in die Drogensucht ab, verbrachte entscheidende Jugendjahre auf der Straße und wurde noch als Teenagerin schwanger, bevor sie sich schließlich bei der Castingshow bewarb. Damals sei es ihr schlicht unmöglich gewesen, mit irgendjemandem über ihre Gefühle zu sprechen, da sie komplett traumatisiert gewesen sei. Ihr gesamter Alltag bestand damals darin, irgendwie durch den Tag zu kommen.
Diese erschütternde Lebensgeschichte weckte hinter den Kulissen rasch Begehrlichkeiten. Erfolgsproduzent und Musiker Leslie Mandoki erinnert sich an die intensiven Besprechungen rund um die Bandgründung, bei denen plötzlich die kommerzielle Verwertbarkeit von Benaissas Schicksal im Mittelpunkt stand. Der renommierte Produzent kritisierte dieses Vorgehen scharf und betonte, dass ihm diese zynische Herangehensweise sauer aufgestoßen sei und das hässliche Gesicht der gesamten Musikbranche offenbart habe. Mandoki verspürte nach eigenen Angaben einen väterlichen Schutzinstinkt und versuchte damals, die junge Frau vor dem skrupellosen Marktmechanismus zu bewahren.
Rückhalt in der Band und die TV-Sendetermine
Auch innerhalb der Formation blieb die dramatische Doppelbelastung der jungen Mutter nicht unbemerkt. Ihre Bandkollegin Sandy Mölling bestätigt in der Rückschau, wie hart und fordernd diese Anfangsjahre für Nadja Benaissa tatsächlich gewesen sind. Es ist nicht das erste Mal, dass Benaissa mit schonungsloser Offenheit an die Öffentlichkeit geht. Bereits während ihrer Teilnahme am Erfolgsformat "Promi Big Brother" sprach sie mutig über ihre HIV-Diagnose und packte detailliert über den damaligen Ausstieg ihrer Bandkollegin Jessica Wahls aus.
Das Jubiläumsprojekt setzt der beispiellosen Pop-Karriere nun ein facettenreiches Denkmal, das Glanz und Schattenseiten gleichermaßen beleuchtet. Wer die bewegende Lebensbeichte und die musikalischen Meilensteine nachverfolgen möchte, kann dies schon bald tun. Die erste Folge der Dokumentation "No Angels – Das sind wir" wird ab Mittwoch, dem 14. Oktober, in der ARD-Mediathek zum Abruf bereitstehen. Im linearen Fernsehen strahlt das Erste den packenden Auftakt am Samstag, dem 17. Oktober, um 23.55 Uhr aus.