Autokraten-Vorwurf

ÖFB rechnet mit FIFA-Chef Infantino ab

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"Den Versuch, Konzepte autokratisch durchzusetzen, trägt es in einer Gruppe wie den FIFA-Mitgliedsverbänden nicht", sagt ÖFB-Präsident Josef Pröll.
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Wien. Das Rennen um den Chefposten im Fußball-Weltverband FIFA geht demnächst in die entscheidende Phase. Der umstrittene Präsident Gianni Infantino hat für März 2027 seine neuerliche Kandidatur angekündigt, trifft aber auf erbitterten Widerstand unter anderem von der UEFA. Der ÖFB zog getreu der Linie des europäischen Kontinentalverbandes seine ursprüngliche Unterstützung für Infantino zurück, der Aufsichtsratsvorsitzende Josef Pröll hofft auf einen chancenreichen Gegenkandidaten.

Die Zeit drängt: Bis spätestens 18. November gibt es für die UEFA und den ebenfalls in Opposition zu Infantino stehenden Kontinentalverband aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) die Möglichkeit, einen Rivalen für Infantino aufzustellen. Aufschluss darüber, wer diese Person sein könnte, dürfte ein Treffen der UEFA-Mitgliedsverbände am 8. und 9. Oktober in Berlin geben, Tendenz zeichnet sich laut Pröll noch keine ab.

Klar ist für den ÖFB-Chef aber schon jetzt, dass eine Veränderung in der FIFA dringend nötig ist - zu schwer wiegen die Vorfälle mit dem avisierten Verkauf von WM-Anteilen oder der revidierten Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun bei der Endrunde in Nordamerika. "Ich war überrascht über die Vorgehensweise nach Baloguns Roter Karte. Und die Frage ist, wie man Konzepte von derartiger Tragweite auf den Weg bringt. Den Versuch, Konzepte autokratisch durchzusetzen, trägt es in einer Gruppe wie den FIFA-Mitgliedsverbänden nicht", sagte Pröll der APA.

ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll © APA/HELMUT FOHRINGER

Pröll will "integrative Persönlichkeit" als FIFA-Boss

Der 58-Jährige erklärte, im persönlichen Umgang mit Infantino kein Problem zu haben. "Ich habe eine ordentliche Gesprächsbasis mit ihm." Prölls Standpunkt ist dennoch klar: "Man muss die Lehren daraus ziehen, was passiert ist. Es braucht jemanden an der FIFA-Spitze, der eine integrative Persönlichkeit ist, die Entwicklung des Fußballs in den Vordergrund stellt und nicht andere Schwerpunkte persönlicher oder machtpolitischer Natur setzt."

Infantino warb zuletzt in einem Brief an alle Mitgliedsverbände der FIFA um Verständnis und zeigte sich zugleich offen für Reformen. Dass es noch zu einem Friedensschluss mit der UEFA kommen könnte, glaubt Pröll allerdings nicht. "Diesen Ausweg sehe ich derzeit nicht." UEFA und CONCACAF stellen derzeit zusammen 90 von 211 stimmberechtigten FIFA-Mitgliedern, der Wahlausgang erscheint also völlig offen, zumal aus Asien unterschiedliche Signale kommen. "Es stehen mehrere Fragen im Raum, Stimmenverhältnisse werden ausgelotet", beschrieb Pröll die aktuelle Situation.