Szene des Spiels
ÖFB-Stars über Israel-Jubel: "Einfach dämlich"
Österreichs Fußball-Nationalteam kann auch ohne große Namen wie David Alaba, Marko Arnautovic oder Marcel Sabitzer gewinnen. "Wir müssen die Last, die die uns abgenommen haben, auf andere Schultern verteilen. Das haben wir wirklich gut gemacht", sagte Phillipp Mwene nach dem 3:1-Sieg am Donnerstag zum Auftakt der Nations League in Linz gegen Israel. Der Außenverteidiger hatte das ÖFB-Team in der 90. Minute mit seinem ersten Länderspieltor auf Siegkurs gebracht.
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"Wir haben in dem neuen Gerüst wieder Energie gezeigt", meinte Mwene. "Es hat nicht alles funktioniert, aber ich glaube, im Großen und Ganzen hat man schon wieder unser Gesicht gesehen." Er freue sich, dass sein Premierentreffer ein so erlösender gewesen sei. "Für den Neuanfang ist es wichtig gewesen, dass wir ein Spiel gewinnen, und dass wir Energie auf den Platz bringen", sagte Flügelspieler Patrick Wimmer. "Wir haben eine richtig umgebaute Mannschaft, natürlich rennt da nicht gleich alles von Anfang an."
Dennoch bewertete der Hoffenheim-Profi viele Dinge im ÖFB-Spiel positiv: "Im Spiel mit dem Ball haben wir einen klaren Plan gehabt, das haben wir sehr gut umgesetzt. Auch wie wir verteidigt haben, das war über weite Strecken sehr in Ordnung. Ich glaube, das können wir mitnehmen." Bereits am Sonntag (18.00 Uhr/live ORF 1) wartet die nächste Bewährungsprobe, wenn es im fast ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien gegen den vom früheren ÖFB-Teamchef Franco Foda betreuten Kosovo geht.
Wimmer über Torjubel: "Einfach dämlich"
Von Unverständnis bis Achselzucken reichten die Reaktionen der ÖFB-Spieler auf die Szene des Abends, den Ausschluss von Israels Saied Abu Farchi nach einem Torjubel, den man als angedeutetes Abfeuern eines Gewehres interpretieren kann. "Ich glaube, in der Phase, in der das Land steckt bzw. in der wir aktuell sind, ist das einfach dämlich", sagte Wimmer. "Ich glaube, so etwas hat im Fußball generell nicht viel verloren - und gerade in der Situation, in der sie stehen, glaube ich, umso weniger."
Mwene bezeichnete die Aktion als "dumm", zumal der Schiedsrichter generell sehr leichte Gelbe Karten verteilt habe. "Geht nicht, zurecht ausgeschlossen worden", meinte Mittelfeldmann Nicolas Seiwald. Das Momentum sei trotz Abu Farchis Ausgleich durch die Gelb-Rote Karte wieder auf die Seite der Österreicher gewechselt. "Wir haben dann gedrückt. Und vielleicht sollte es im Endeffekt auch so sein, dass wir dadurch dann auch das Spiel gewonnen haben."
Seiwald trug nach dem verletzungsbedingten Aus von Michael Gregoritsch für einige Minuten die Kapitänsschleife, nachdem sie ihm Kevin Danso offenbar sehr überzeugend in die Hand gedrückt hatte. In der Halbzeitpause übergab er diese an Nebenmann Xaver Schlager. "Xaver ist jetzt eigentlich der Vizekapitän", verriet Seiwald. Neue Hierarchien müssen sich im ÖFB-Team durch den Rücktritt von Arnautovic sowie die Pausen von Alaba und Sabitzer aber offenbar erst entwickeln.
Wiedersehen mit Foda
Konrad Laimer könnte nach seinen leichten Adduktorenproblemen für die beiden Auswärtspartien nächste Woche in Irland und Kosovo zurückkehren. Im Heimspiel gegen die Foda-Elf wird aber wohl Xaver Schlager als Kapitän fungieren. "Das wird noch einmal ein anderes Spiel. Wir wollen dominant sein und die drei Punkte in Wien lassen", betonte Seiwald. Das Wiedersehen mit Foda werde "auf jeden Fall speziell", hatte ihm der Deutsche vor fünf Jahren doch zu seinem ÖFB-Debüt verholfen.
Sasa Kalajdzic erzielte unter Foda 2021 im EM-Achtelfinale gegen Italien (1:2 n.V.) in der Verlängerung Österreichs Treffer. Nach seinem Last-Minute-Tor zuletzt bei der WM gegen Algerien (3:3) war er gegen die Israelis in Minute 93 erfolgreich. "Ich hoffe, dass ich im nächsten Spiel vielleicht auch früher treffen kann, wenn ich zum Einsatz komme", sagte der LASK-Rückkehrer.
Seine Einsatzzeiten hätten sich zuletzt im 15-Minuten-Rhythmus gesteigert - von 15 auf 30 auf 45 und nun 60. "Jetzt sind es wahrscheinlich 75 im nächsten Spiel, schauen wir einmal." Er wolle einen Schritt nach dem anderen gehen, betonte die Stürmerhoffnung. "Ich bin jetzt am Kommen. Ich bin noch nicht ganz dort, aber es wird nicht so lange dauern wie letztes Jahr."
LASK-Offensivtrio gemeinsam im Nationalteam
Unterstützung erhält er im Nationalteam neuerdings auch von LASK-Kollegen. "Wir haben versucht, einfach frischen Wind reinzubringen", sagte Sascha Horvath über sein Debüt sowie jenes von Christoph Lang. "Wir sind neu hier, deswegen muss man viel trainieren, damit man die Abläufe kennt." Das Spielsystem der ÖFB-Auswahl unterscheide sich von jenem des LASK. "Aber natürlich hilft es, wenn du mit Spielern auf dem Platz bist, die du genau kennst, von denen du genau weißt, was sie vorhaben."
Horvath wurde nach Laimers Ausfall von Teamchef Ralf Rangnick nachnominiert, er erfuhr laut eigenen Angaben erst am Sonntag bei der Rückreise vom Ligaspiel in Hartberg (3:3) davon. "Es ist extrem schön. Dieses Jahr ist unbeschreiblich, besser kann es nicht laufen", sagte der 30-Jährige, der die Linzer davor als Kapitän zum Meistertitel und Cupsieg sowie in die Champions League geführt hatte. Dennoch habe er sich aufgrund der Energie beim Anlaufen jedes Balles am ersten Tag im ÖFB-Training gedacht: "Okay, da weht ein bisschen ein anderer Wind."
Mit Alaba dürfte in naher Zukunft weitere Qualität zurückkehren. Der bisherige Kapitän hat mit Udinese einen neuen Club gefunden und könnte im November sein ÖFB-Comeback geben. "Wenn es für ihn nicht gepasst hätte, hätte er es wahrscheinlich nicht gemacht", sagte Wimmer über Alabas Engagement in Italien. "Ich glaube, es ist für alle Parteien etwas Geiles. Er ist der größte Fußballer, den Österreich je gehabt hat. Wir sind froh, wenn er wieder Spiele bekommt, wenn er Minuten sammelt und dann wieder bei uns dabei sein darf."