Gastpatienten-Streit

ÖVP kritisiert hohe Kosten in Wiens Spitälern

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Gastpatienten kosten Wien laut Stadt Hunderte Millionen Euro. Die ÖVP ortet das Problem aber nicht bei den Patienten, sondern bei den hohen Kosten der Spitäler.
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Seit Jahren wird darüber gestritten, wer für Patienten aus anderen Bundesländern in Wiener Spitälern zahlen soll. Die Stadt bezifferte ihre Netto-Belastung durch Gastpatienten für 2024 mit 632 Millionen Euro, für 2025 werden rund 700 Millionen Euro erwartet. Langfristig stehen sogar Forderungen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr im Raum. Die Wiener ÖVP hält diese Rechnung nun für irreführend und sieht das eigentliche Problem bei den hohen Kosten der Spitäler.

Grundlage für die Kritik ist eine Analyse des Gesundheitsökonomen Ernest Pichlbauer. Er hat dafür amtliche Daten zur Spitalsversorgung aus den Jahren 2014 bis 2024 ausgewertet. Die von der Stadt angeführte Erklärung, wonach immer mehr Gastpatienten nach Wien kämen und deren Behandlung zunehmend aufwendiger werde, lasse sich demnach nicht belegen.

Anteil seit Jahren nahezu gleich

Seit 2020 liegt der Anteil der Gastpatienten an allen stationär behandelten Patienten in Wiener Fondskrankenanstalten laut Analyse stabil bei rund 20,5 Prozent. 2024 waren es 20,6 Prozent. Auch in absoluten Zahlen liegt ihre Zahl noch deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Rund 20 Prozent der erbrachten Spitalsleistungen entfallen auf Patienten aus anderen Bundesländern. Hinweise darauf, dass deren Fälle im Schnitt immer schwerer und damit teurer würden, sieht Pichlbauer ebenfalls nicht. Die sogenannten LDF-Pauschalen je Aufenthalt hätten sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

"Es sind keine erfundenen Zahlen, es sind die eigenen Meldedaten der Stadt", sagt Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Wiens Spitäler seien im Vergleich zu den anderen Bundesländern deutlich teurer.

ÖVP ortet hohe Kosten rund ums Krankenbett

Markus Figl, Ingrid Korosec und Ernest Pichlbauer. © Wiener Volkspartei

Den größten Unterschied sieht die Analyse bei Ausgaben, die nicht unmittelbar mit der Behandlung verbunden sind. Dazu zählen etwa Verwaltung, Gebäudebetrieb, IT, Energie sowie Abgaben und Gebühren. Während die patientennahen Kosten laut Pichlbauer ungefähr auf dem Niveau Niederösterreichs liegen, fallen bei den patientenfernen Kosten in Wien rund 1,05 Euro je LKF-Punkt an. Im übrigen Österreich sind es demnach rund 60 Cent. Bei etwa 2,5 Milliarden LKF-Punkten ergibt sich daraus laut Berechnung eine Differenz in der Größenordnung von einer Milliarde Euro jährlich.

Auch der Vergleich mit ganz Österreich fällt aus Sicht der ÖVP deutlich aus. Wien stellt rund 22 Prozent der Bevölkerung und erbringt 23,9 Prozent der Spitalsleistung, auf die Stadt entfallen laut Analyse aber 35,2 Prozent der patientenfernen Spitalskosten. Insgesamt kostete ein LKF-Punkt in Wien 2024 demnach 2,48 Euro. Im Durchschnitt der übrigen acht Bundesländer waren es 1,92 Euro. Rechnerisch liegt Wien damit knapp 30 Prozent darüber.

Rund 220 Millionen Gastpatienten zugerechnet

Genau hier setzt die Kritik an der bisherigen Gastpatientenrechnung an. Wien bewertet deren Behandlung mit den eigenen Durchschnittskosten. Damit werden laut Analyse auch die höheren Kosten rund um die medizinische Versorgung anteilig mitgerechnet. Die ÖVP beziffert die patientenfernen Mehrkosten für 2024 auf rund 1,1 Milliarden Euro. Davon würden rechnerisch etwa 220 Millionen Euro den Gastpatienten zugerechnet.

"Wien hat kein Gastpatienten-Problem. SPÖ und Neos haben ein Kostenproblem", sagt ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl. Die Gastpatienten würden zum Sündenbock für ineffiziente und teure Strukturen gemacht. Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec fordert, dass stattdessen die Versorgung im Mittelpunkt stehen müsse. "Für diese zählt nicht, wie abgerechnet wird, sondern dass sie rasch die beste Behandlung bekommen", sagt Korosec über die Patienten.

ÖVP fordert Kostensenkung und Transparenz

Die Volkspartei verlangt nun, dass die Stadt ihre patientenfernen Kosten künftig jährlich nach Spital und Kostenart offenlegt. Zusätzlich soll ein verbindlicher Plan erstellt werden, um diese Ausgaben schrittweise an den österreichweiten Wert von rund 60 Cent je LKF-Punkt heranzuführen. Die Fortschritte sollen extern überprüft werden.

Eine direkte Verrechnung zwischen den Bundesländern lehnt die ÖVP grundsätzlich nicht ab. Sie fordert allerdings, dass dabei nicht automatisch die höheren Wiener Strukturkosten angesetzt werden. Patientenferne Ausgaben sollen aus Sicht der Partei nur in jener Höhe abgegolten werden, die einer durchschnittlich effizienten Spitalsleistung entspricht.