Während Messe
Papst Leo XIV. kritisiert Sterbehilfe-Gesetze
Bei einem Besuch im französischen Marien-Wallfahrtsort Lourdes richtete das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Appell an die Ärzteschaft und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen. Der Sinn ihrer Berufung bestehe darin, "sich um einen leidenden Menschen zu kümmern und nicht darin, ihn zu beseitigen".
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Leo fügte hinzu: "Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen. Was legal ist, ist nicht zwangsläufig auch sittlich erlaubt. Der Versuchung, unter dem Vorwand falschen Mitleids das Leben zu beenden, muss gerade im Namen dieser unveräußerlichen Würde des Menschen entschieden widerstanden werden." Niemand habe das Recht, "auf der Grundlage von labortechnischen Algorithmen" über Leben zu entscheiden.
Sterbehilfe in mehreren europäischen Ländern erlaubt
Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken bezog sich mit seiner Kritik auf gesetzliche Regelungen zur Sterbehilfe in verschiedenen europäischen Ländern wie den Niederlanden oder Belgien. Auch die französische Nationalversammlung hatte in diesem Sommer nach langen Debatten mit großer Mehrheit ein Gesetz zur aktiven Sterbehilfe verabschiedet.
Der Marien-Wallfahrtsort Lourdes ist die vorletzte Station von Leos Frankreich-Besuch. Am Sonntagvormittag feierte der Papst in Lourdes eine Messe mit 150.000 Teilnehmern. In seiner Predigt sprach Leo XIV. auch von "tiefen Wunden, Untreue und schmerzhaften Fehltritten", die in der Kirche begangen worden seien. "Das Eingeständnis unserer Fehler ist für unser spirituelles Wachstum unverzichtbar."
Die Kleinstadt Lourdes im Südwesten ist einer der bekanntesten europäischen Wallfahrtsorte. Dort soll Mitte des 19. Jahrhunderts einem 14-jährigen Mädchen mehrfach Maria erschienen sein, dem christlichen Glauben zufolge die Mutter von Jesus Christus. Am Samstag waren in Paris bereits 800.000 Menschen zu einer Papstmesse des seit Freitag in Frankreich befindlichen Heiligen Vaters gekommen. Die Angaben zur Teilnehmerzahl stammen vom Vatikan und den französischen Behörden.
Missbrauch spielt auch in Lourdes eine Rolle
Wie in anderen Ländern wurden auch in Frankreich über Jahrzehnte hinweg Missbrauchsfälle durch Priester unter den Teppich gekehrt. Einer unabhängigen Untersuchungskommission zufolge gab es seit 1950 mehr als 200.000 Opfer. In Lourdes ist Leo mit dem Fall eines früheren Jesuitenpaters und Künstlers konfrontiert. Der Ex-Geistliche Marko Rupnik aus Slowenien steht im Verdacht, über Jahrzehnte hinweg Ordensfrauen sexuell missbraucht zu haben.
In dem Wallfahrtsort hat Rupnik die Eingangstüren der Basilika Unserer Lieben Frau mitgestaltet. Der Papst bekam die Werke allerdings nicht zu Gesicht: Auf Beschluss des dortigen Bischofs wurden die riesigen Mosaike mit Aluminiumplatten überdeckt. Gegen den Slowenen läuft im Vatikan ein Verfahren vor einem Sondergericht.