Knapper Beschluss
Parkplatz-Krimi um Rüdigergasse entschieden
In einer hitzigen Sitzung im Margaretner Festsaal kochten am Dienstag die Emotionen hoch. Es ging um die Neugestaltung der Rüdigergasse und ein sattes Budget von 1,125 Millionen Euro aus dem Bezirkstopf. Am Ende stand ein hauchdünnes Ergebnis von 20 zu 19 Stimmen für die Freigabe der Mittel. Grüne, Neos und die KPÖ setzten das Projekt gemeinsam durch, während SPÖ, ÖVP und FPÖ dagegen stimmten. Das Kuriose an diesem Abend war ein krankheitsbedingter Ausfall bei der SPÖ, wodurch der Opposition die entscheidende Stimme für ein Remis fehlte.
Dicke Luft bei Abstimmung
Die Gemüter der vielen anwesenden Bürgerinnen und Bürger waren erhitzt, da das Vorhaben tief in das gewohnte Grätzl eingreift. Durch die neuen Pläne fällt ein Großteil der Parkplätze auf der Straße weg. Knapp 100 Beschwerden von Anrainern und ansässigen Betrieben gab es bereits im Vorfeld. Die SPÖ versuchte in der Sitzung, den Umbau mit einem Dringlichkeitsantrag vorerst zu stoppen und ein neues Verfahren zur Bürgerbeteiligung einzuleiten, wurde jedoch von der Mehrheit überstimmt.
"Wir bekennen uns zu einem Umbau der Rüdigergasse und unterstützen alle Aufwertungsmaßnahmen für das Naschmarktgrätzl. Aber wenn uns rund 100 Anrainer sowie Unternehmer darauf hinweisen, dass über ihre Köpfe hinweg und ohne ausreichende Transparenz über ihre unmittelbare Nachbarschaft entschieden wird, dann stehen wir auf der Seite der vielen ungehörten Stimmen“, erklärt Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christoph Lipinski (SPÖ).
Auch aus der Bezirksentwicklungskommission kam scharfer Gegenwind. "Anstatt die zahlreichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung als Auftrag zum Dialog zu verstehen, wurde ein Projekt durchgedrückt, das von vielen Anrainern kritisch gesehen wird. Besonders enttäuschend ist, dass NEOS und KPÖ diesen Weg mitgetragen haben", kritisierte der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Mitis (SPÖ).
FPÖ: "Grüne stellen sich gegen Anwohner"
Die FPÖ sparte ebenfalls nicht mit scharfer Kritik und zeigte sich vor allem über das Vorgehen des Bezirksvorstehers entsetzt. Für die Freiheitlichen ist das Projekt ein reines Drüberfahren über die Menschen vor Ort. "Bürgerbeteiligung und Einbindung der Betroffenen ist den Grünen ein weiteres Mal völlig egal", wetterte FPÖ-Klubobmann Fritz Simhandl.
Besonders sauer stößt den Freiheitlichen aber das Verhalten innerhalb der Opposition auf. Dass das Projekt überhaupt beschlossen wurde, sei dem Fehlen eines SPÖ-Mandatars geschuldet, der laut FPÖ ohnehin ein Dauergast auf der Entschuldigungsliste sei. "Ihm ist es geschuldet, dass die demokratische Allianz der Mitte aus FPÖ, SPÖ und ÖVP das Wahnsinnsprojekt Rüdigergasse vorerst nicht stoppen konnte", erklärte Simhandl. Die FPÖ fordert nun eine Sondersitzung vor dem Sommer, um den Umbau mit vollzähliger roter Mannschaft doch noch abzuwenden.
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Ein wenig Manhattan für Margareten
Auf der Seite der Projektbefürworter sieht man die Neugestaltung als dringend notwendigen Schritt für den Bezirk. Margareten sei ähnlich dicht besiedelt wie Manhattan in New York. Doch während Manhattan seinen Central Park habe, liege der Grünanteil in Margareten bei nur rund vier Prozent. Die Rüdigergasse ist aktuell stark versiegelt, nicht begrünt und heizt sich im Sommer massiv auf. Zudem blockieren hängengebliebene Fahrzeuge oft die Fahrbahn, während die Gehsteige für Kinderwagen zu eng sind.
"Es ist wichtig, dass wir solche Projekte demokratisch beschließen und die Sorgen der Anrainer ernst nehmen. Gleichzeitig dürfen wir nicht stehen bleiben. Die Bewohner der Rüdigergasse wünschen sich mehr Grün, mehr Schatten und mehr Platz zum Zu-Fuß-Gehen. Genau das setzen wir jetzt um", erklärte Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne).
Baustart noch heuer geplant
Mit der Umgestaltung entstehen nun konkret neun Bäume, elf Hochstammsträucher, acht Sitzgelegenheiten und zwei Trinkhydranten. Für die ansässigen Betriebe wurden bereits Kompromisse für Schanigärten und Ladezonen ausgearbeitet. Zudem soll das neue Anwohnerparken im Grätzl noch diesen Sommer die verbleibenden Stellplätze für die Wohnbevölkerung sichern.
"Jetzt geht es darum, das Projekt sorgfältig umzusetzen und die Menschen weiterhin gut zu informieren“, so Luxenberger. Im Mittelpunkt der kommenden Monate steht nun die Umsetzung in enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen. Der Baustart ist für das 4. Quartal 2026 geplant.